Ein paar Blümchen im Rasen – Gänseblümchen, Märzveilchen oder Gundermann – lockern das Einheitsgrün auf, schaden nicht und müssen auch nicht unbedingt bekämpft werden. Anders sieht das aus mit den im Boden lebenden Rasenschädlingen. Meist handelt es sich dabei um an den Graswurzeln fressende Larven von Insekten. Sie können den Rasengräsern erheblich schaden und können die ganze Rasenfläche ruinieren, wenn sie nicht bekämpft werden.

Was allerdings nicht ganz einfach nicht. Denn im Gemüse- oder Staudenbeet lassen sich die in der Erde lebenden Insektenlarven verständlicherweise leichter aufspüren und beseitigen als unter einer geschlossenen Rasendecke. Auch die chemische Keule in Form von Insektiziden hilft da nicht weiter. Aber es gibt andere Möglichkeiten und schonendere Methoden, die Rasenschädlinge aufzuspüren und schadlos zu machen.

Doch zuvor gilt es erst einmal, den Schaden zu lokalisieren und den potentiellen Schädling zu identifizieren. Zu den häufigsten Rasenschädlingen zählen die Drahtwürmer, die Erdraupen, Engerlinge und Schnakenlarven.

Gartenameisen legen zwar optisch störende, kleine Sandhügel im Rasen ab; aber die kann man einfach vorsichtig mit einem Spaten abheben und an anderer Stelle im Garten versetzen, wo sie weniger auffallen und nicht stören.


Anders die Drahtwürmer. Dabei handelt es sich nicht um Würmer, sondern um die gelb-braun gefärbten, bis zu 2 ½ cm langen Larven von Schnellkäfern (Familie Elatridae).

Name:  Drahtwurm_-_Nahaufnahme_des_Kopfes.jpg
Hits: 4
Größe:  10,6 KB
Im Bild eine typische Drahtwurm-Larve (Foto: RalfGB, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Drahtwurm-Larven haben einen lang gestreckten Körper mit einem harten Chitinpanzer, der steif und hart wie ein Stück Draht ist – darauf bezieht sich der Name Drahtwurm. Sie haben auf der Bauchseite der Brustsegmente drei kurze Beinpaare und einen vorgestreckten Kopf mit den dunklen, kräftig zupackenden Kieferzangen (Mandibeln) und anderen Mundwerkzeugen. Es gibt zwar auch einige räuberisch lebende Arten, aber die im Boden lebenden Larven sind ausschließlich Pflanzenfresser und fressen Wurzeln und andere unterirdische Pflanzenteile an. Dabei können sie in Landwirtschaft und Gärten große Schäden anrichten. Viele Drahtwürmer entwickeln sich im Boden unter Grünflächen. Besonders in frisch angelegtem Rasen können in den Folgejahren starke Schäden durch Drahtwurm-Larven entstehen. Dagegen fallen die Fraßschäden der adulten Käfer kaum ins Gewicht, sie knabbern eher die jungen, frischen Triebe von Laub- und Nadelgehölzen an.

Drahtwürmer kann man anlocken und beseitigen, indem man an einigen Stellen frisch geschnittene Kartoffelscheiben als Köder auslegt. Oder man gräbt am Rand der Rasenfläche eine ganze, an einem Stock befestigte Kartoffelknolle etwa 10cm tief in den Boden ein. Kartoffeln ziehen Drahtwurm-Larven nämlich magisch an, offensichtlich schmecken sie ihnen wesentlich besser als die Graswurzeln.

Erdraupen
Erdraupen werden die Larvenstadien von Schmetterlingen aus der Familie der Eulenfaltern genannt, die zu den Nachtschmetterlingen gehören. Auch diese Larven entwickeln sich im Boden und richten ähnliche Schäden wie die Drahtwurm-Larven an.

Name:  Agrotis_ipsilon,_aardrups.jpg
Hits: 3
Größe:  27,4 KB
Im Bild eine Erdraupe der Ypsiloneule, einem unserer häufigsten Eulenfalter in Mitteleuropa (Foto: Rasbak, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Je nachdem, um welche Art von Eulenfalter es sich handelt, legen die Weibchen ihre Eier an den Blättern ganz verschiedener Pflanzen ab. Die aus den Eiern schlüpfenden Junglarven leben noch oberirdisch , die weiteren Larvenstadien dann zumindest tagsüber im Boden, wo sie die Wurzeln der Pflanzen anfressen. Nachts kommen sie aber in die Oberfläche und fressen die Blätter an.

Am häufigsten treten in unseren Gärten die Raupen von Saateule und Ypsilonleule (s. Foto oben) als Schädlinge auf. Die Saateulen können zwischen Frühjahr und Spätsommer 2 bis 3 Generationen entwickeln. Die Raupen der Eulenfalter sind grau bis bräunlich gefärbt, kaum behaart und werden im letzten Larvenstadium bis zu 5 cm lang.

Vorbeugen gegen Erdraupen im Rasen kann man durch Mulchen (Liegenlassen des Schnittgras nach dem Rasenmähen) und regelmäßiges Wässern des Rasen, denn gut durchfeuchteten Boden scheuen die Raupen. Bei starkem Befall soll man die Erdraupen mit folgender Mischung ködern und vernichten können: 200g Kleie, 20 g Zucker, 20 ml Quassia-Lösung auf 400 ml Wasser. Das soll für eine Bodenfläche von 100 qm ausreichen. Ob diese Methode aber auch im Rasen funktioniert, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Für Hühner sind die Erdraupen ein wahrer Leckerbissen. In Weinbergen hat man sie erfolgreich zur Bekämpfung der Erdraupen eingesetzt. Über den Rasen sollte man eher einmal eine Schar Laufenten rennen lassen, nehme ich an.

Engerlinge

Name:  Engerling.jpg
Hits: 3
Größe:  14,9 KB
Engerling des Maikäfers (Foto: Joachim K. Löckener, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Als Engerlinge (das Wort Engerling hat seinen Ursprung im mittelhochdeutschen engiring = kleiner Wurm) werden die Larven aus der Überfamilie der Blatthornkäfer bezeichnet. Dazu zählen beispielsweise die Mai- und Junikäfer, der Gartenlaubkäfer, der Rosenkäfer und der Nashornkäfer. Allerdings sind nicht alle Engerlinge Schädlinge, die Larven des Rosenkäfers und des Nashornkäfers sind eher nützlich und stehen unter Naturschutz.

Die im Boden lebenden Engerlinge von Mai-, Juni- und Gartenlaubkäfer krümmen sich C-förmig, wenn man sie ausgräbt. Sie haben einen hellen weichhäutigen Laib mit drei Beinpaaren an der Unterseite der Brustsegmente und einen deutlich abgesetzten dunkleren Kopf mit den Mundwerkzeugen.

Sie leben im Boden und ernähren sich von den Wurzeln der Pflanzen. In Staudenkulturen und Gemüsebeeten kann man sie ausgraben; zum Problem können sie aber im Rasen unter der Grasnarbe werden. Manchmal treten sie nur sporadisch auf, in manchen Jahren aber massenhaft. Das liegt an der langen Entwicklungszeit der Larven, die sich über mehrere Jahren hinziehen kann. Deswegen gibt es nur etwa alle vier Jahren ein sogenanntes Maikäferjahr mit massenhaft ausschwärmenden Käfern, die größere Schäden vor allem an Buchen- und Kastanienlaub anrichten können.

Zum größten Problem für den Rasen werden aber die Engerlinge des Gartenlaubkäfers, da sie sich ausschließlich von Graswurzeln ernähren. Es bilden sich gelbe Flecken im Rasen, die Gräser verkümmern und vertrocknen. Im schlimmsten Fall kann so die ganze Rasenfläche zerstört werden.

Spätestens wenn Amseln, Eltern oder andere Vögel den Rasen auf der Suche nach Engerlingen systematisch durchsuchen, sollte man aufmerksam werden und den Rasen nach den bis 5 cm großen, weißlichen Engerlingen absuchen. Geeignete Insektizide zur Bekämpfung der Engerlinge im Rasen gibt es nicht (und das ist auch gut so!). Aber bei starkem Befall gibt es eine bewährte Methode der Biologischen Schädlingsbekämpfung: Dazu werden bestimmte Fadenwurmarten (Nematoden) ausgebracht und auf die Engerlinge angesetzt. Oft hilft es aber auch schon, wenn man den Rasen gelegentlich gründlich vertikuliert und aerifiziert.

Hauptsächlich im Mai schwärmen die Weibchen des Gartenlaubkäfers aus, um im Rasen ihre Eier abzulegen. Dazu suchen sie vor allem Lücken im Rasen mit sandigem, trockenem Boden auf. Vorbeugend sollte man den Rasen deswegen dicht an dicht halten und im Mai beim Mähen nicht zu kurz schneiden. Dadurch lässt sich die Anzahl der Engerlinge im Rasen bereits um bis 70 Prozent reduzieren.

Vorbeugend kann man auch vor Anlage eines Rasen und Aussaat der Grassamen ein Rasenschutzgewebe in den Boden einarbeiten – das ist allerdings eine recht kostspielige Vorbeugungsmaßnahme.

Manchmal ist der Schaden aber zu groß und der Rasen muss komplett neu angelegt werden. Dazu fräst man die Rasenfläche im Spätsommer an einem sonnigen, warmen Tag komplett ab und legt dann einen neuen Rasen an. Kleinere Kahlflächen können auch mit dem sogenannten magischen Rasenpflaster (> https://www.floristik24.de/search?pa...+Rasenpflaster) ausgebessert werden.

Schnakenlarven

Name:  Tipula_leatherjacket_Emelt.jpg
Hits: 3
Größe:  13,5 KB
Im Bild die typische Form einer Schnakenlarve (Foto: Rasbak, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Schnaken bilden eine eigene Familie (Tipulidae) und werden zu den Mücken unter den Zweiflügern gerechnet. Im Gegensatz zu den Käferlarven und den Schmetterlingsraupen haben die Schnakenlarven keine Beine. Ihr walzenförmiger, weichhäutiger Körper hat eine graue Farbe. Die Kopfkasel ist nicht deutlich von Brust und Hinterleib abgesetzt. Das letzte Hinterleibsegment ist dunkler gefärbt, hat zwei Atemöffnungen und sechs kurze Anhänge. Die Schnaken-Larven haben vorne am Kopf kräftige Mandibeln und weitere Mundwerkzeuge, mit deren Hilfe sie pflanzliches Material abreißen und zerkleinern können.

Vor allem die Larven der Wiesenschnake gehören zu den schlimmsten Rasenschädlingen. Auch die Schnakenlarven vergreifen sich vor allem an den Wurzeln der Gräser. An den betroffenen Stellen bilden sich braune Flecken im Rasen. An erfolgversprechenden Bekämpfungsmöglichkeiten werden u. a. empfohlen:

Die Stachelwalze wird normalerweise zum Vertikulieren des Rasens benutzt. Fährt man aber einmal mit der Stachelwalze über eine von Schnakenlarven heimgesuchte Rasenfläche, werden bereits bis zu etwa einem Drittel der Larven aufgespießt und damit getötet. Als eine weniger brutale Methode wird empfohlen, über Nacht den Rasen mit einer schwarze Folie abzudecken: Das lockt die Larven aus dem Boden und man kann sie dann am nächsten Morgen aus dem Gras herauskämmen oder absammeln.

Eine weitere Methode, die Schnakenlarven abzutöten, ist das Ausbringen eines B.t.i.-Präparates. Ein solches biologisches Insektizid wird aus der Endospore des Bacillus thurengiensis israelensis gewonnen. Diese Spore löst sich in alkalischem Milieu auf und setzt dann ein biologisch wirksames Insektengift frei. Mücken- und Fliegenlarven haben in ihrem Magen-/Darmtrakt ein solch alkalisches Milieu mit einem pH von etwa 10, sodass das Gift dort freigesetzt wird. Während andere Insekten mit einem eher sauren Magen-/Darmtrakt verschont bleiben. Das ist also eine sehr sichere und für andere Insektengruppen wie die Bienen und Schmetterlinge unschädliche Methode. Zur sicheren Anwendung solcher B.t.i.-Präparate sollte jedoch ein entsprechend geschulter Fachmann (bzw. eine Fachfrau) herangezogen werden.