Die Stauden der Gattung Roscoea gehören zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae), die eigentlich ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Tropen haben. Von den 16 Roscoea – Arten kommen jedoch 9 in China und 7 im Himalajagebiet vor. Man vermutet, dass auch die Vertreter der Himalaja-Gruppe tropischen Ursprungs sind und bereits in eine Zeit zurückreichen, bevor sich durch die Verdriftung des indischen Subkontinent Richtung Asien der Himalaja zu einer Hochgebirgskette aufgewölbt hat. Die geographische Trennlinie zwischen den Himalaja-Arten der Roscoea und den chinesischen Arten bildet das Flusssystem des Brahmaputra.

Eine ganze Reihe von Roscoea-Arten werden auch bei uns in Mitteleuropa als Gartenpflanzen angeboten. Da sie aber nicht völlig winterhart sind, würde ich doch empfehlen, sie zumindest in klimatisch raueren Regionen eher einzeln als Kübelpflanzen zu kultivieren, die man in strengen Wintern in einen frostsicheren Raum umquartieren kann.

Am häufigsten wird bei uns in Mitteleuropa die sogenannte China-Schein-Orchidee (Roscoea cautleyoides) angeboten. Mit den echten Orchideen hat diese Staude natürlich gar nichts zu tun. Für mich sehen die Blüten eher aus wie die der Schwertlilien.

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Die Naturform der Roscoea cautleyoides mit ihren blass-gelben Blüten, aufgenommen im Botanischen Garten von Christchurch/ Neuseeland (Foto: Andy king50, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Neben Naturform gibt es 4 Cultivare, die sich teilweise durch leuchtendere Blütenfarben auszeichnen:
‘Himalaya‘ - die Sorte hat ähnlich blass-gelbe Blüten wie die Naturform.

‘Abigail Bloom‘ - ist eine besonders kompakte, kleinere Sorte mit weniger als 30 cm Höhe. Die Blüten sind zweifarbig mit einer noch helleren gelblichen Farbe, aber einer breiteren dorsalen Petale (Blütenblatt).

‘Jeffrey Thomas‘ - ist eine stark wüchsigere Sorte mit Blüten, bei denen das Labellum (die Unterlippe) hell-gelb, die oberen Blütenblätter jedoch deutlich dunkler gelb gefärbt sind.

‘Early Purple‘ - diese große, früh blühende Variante mit ihren Blüten in leuchtendem Purpur und hell-gelber Basis des Labellums wäre mein Favorit.
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Roscoea cautleyoides der Sorte ‘Early Purple‘ (Foto: Peter coxhead, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International).

Die Roscoea cautleyoides-Staude hat lanzettförmige, grüne Blätter – je nach Sorte zwischen 15 und 30 cm lang - und eine ganze Reihe von hellgelben oder purpurfarbenen großen Einzelblüten. Blütezeit ist bei uns in Mitteleuropa Juni bis August.

Diese Stauden brauchen einen kühlen, aber frostfreien Platz mit einer torfreichen, feuchten Erde, gemischt mit Lehm und Humus. Statt Torf kann man auch aus Umweltschutzgründen (zum Schutz unserer Hochmoore) sehr gut Kokoshumus (zu Ziegeln gepresste und im warmem Wasser aufquellende Kokosfasern) nehmen. Wenn man sie tief genug einpflanzt, soll die Art angeblich auch strengere Winter schadlos überstehen.

Roscoea cautleyoides kann man durch teilen der Wurzeln im Frühjahr vegetativ vermehren oder im späten Winter durch Aussaat der reifen Samen. In jedem Fall brauchen die Jungpflanzen im ersten Sommer einen schattigen Platz.

Neben der Roscoea cautleyoides werden seit Jahren auch die Sorten der nepalesischen Art Roscoea purpurea für den Garten angeboten.

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Im Bild Roscoea purpurea der Sorte ‘Red Gurkha‘ (Foto: John Jearrad, Public Domain).

Ebenso die Roscoea auricularia aus dem Himalajagebiet, die allerdings jahrelang unter falscher Bezeichnung als Roscoea purpurea zum Kauf angeboten wurde.
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Im Bild die Naturform der Roscoea auricularia hat intensiv leuchtende, violette Blüten (Foto: Peter coxhead, Creative Commons Attr.-Share Alike 2.5 Generic).