Von den mehr als 600 Primelarten, die in der Mehrzahl in Europa oder Asien heimisch sind (es gibt nur wenige nordamerikanische Arten), sind längst nicht alle für einen Platz im Stein- oder Alpingarten geeignet. Einige der am häufigsten in unseren Hobbygärten als Steingartenpflanzen gepflegten Primelarten möchte ich hier kurz vorstellen.

Die meisten Primeln brauchen einen humushaltigen und kalkhaltigen Boden, nur wenige bevorzugen einen kalkfreien Untergrund. In jedem Fall sollte der Boden frisch bis leicht feucht, aber gut durchlässig sein.

Alle Wildformen lassen sich sowohl durch Aussaat der Samen ziehen als auch vegetativ durch Teilen der Stauden vermehren.

Zwergprimel – Primula minima
Die Zwergprimel kommt in den mittel- und osteuropäischen Gebirgen vor. Sie ist eine typische Primelart vor allem der Ostalpen. Sie wächst auf sauren, kalkfreien bis kalkarmen Böden, die humusreich und steinig-lehmig sind. Entsprechend braucht sie im Garten einen möglichst kalkfreien und sauren Humusboden, gemischt mit etwas klein gehäckseltem Torfmoos (Sphagnum) und etwas kalkfreiem (!) Feinkies.

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Zwergprimel, fotografiert im Bucegi Gebirge/ Rumänien (Foto: Xulescu g, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International)

Mit einer Wuchshöhe von nur 4 cm ist sie die kleinste Primelart. Sie bildet kleine Rosetten aus glänzenden Blättern. Die leuchtend rosa-roten Blüten hat einen Durchmesser von bis zu 3 cm. Der weiße Blütenschlund ist drüsig behaart.

Hallers Primel - Primula halleri
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Hallers Primel, fotografiert im Bucegi Gebirge/ Rumänien (Foto: Xulescu g, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International)

Hallers Primel kommt in den Alpen, in den Karpaten und auf dem Balkan vor. Sie besiedelt vorzugsweise kalkhaltige Böden in Höhenlagen zwischen 1800 und 2500 m ü. NN, gelegentlich kommt sie auch bis auf 3000 m ü. NN vor.

Im Garten braucht Hallers Primel einen möglichst sonnigen, warmen Platz mit einem frischen bis mäßig feuchten, aber durchlässigen, kalk- und humusreichen Boden.

Diese Primel bildet eine grundständige Blattrosette und erreicht Wuchshöhen zwischen 10 und 30 cm. Die Laubblätter sind zu beginn eingerollt. Die Blätter sind länglich eiförmig mit einem gekerbten Rand. Die etwas runzelige Blattoberseite ist grün, die Blattunterseite weißlich bemehlt. Die Blütezeit fällt in die Monate Juni/ Juli. Mehrere Blüten bilden eine doldenförmigen Blütenstand auf einem ebenfalls mehlig bepuderten Stängel. Die Blütenkrone ist für eine Primelblüte ungewöhnlich lang – etwa 3mal so lang wie der Blütenkelch. Die Blütenkrone ist rosa-lila gefärbt mit einem gelben Auge.

Allioni-Primel - Primula allionii

Die Allioni-Primel kommt in felsigem Gelände der italienischen und französischen Westalpen vor. Sie bildet Pflanzenpolster von etwa 8 cm Höhe und bis zu 15 cm Breite. Die fleischigen Laubblätter sind eher rund als lanzettförmig mit einem gewellten oder gezähnten Rand. Die Allioni-Primeln gibt es in rötlich-violett, rosarot oder weiß. Die an kurzen Stängeln stehenden, röhrenförmigen Blüten haben ein tellerförmig ausgebreitete Blütenkrone. Die Blütezeit reicht von März bis April.

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Allioni-Primel (Foto: Averater, Creative Commons Attr.-Shrae Alike 3.0 Unported)
Die Allioni-Primel lässt sich am besten im Alpinhaus kultivieren. Der Platz sollte vollsonnig bis halbschattig sein, die Erde basisch, also eher kalkhaltig sein.

Alpen-Aurikel – Primula auricula
Das Verbreitungsgebiet der Alpen-Aurikel, kurz auch Aurikel genannt, reicht vom Westen der Nördlichen Kalkalpen über das Jura, den Schwarzwald, das bayerische Alpenvorland bis Polen und der Slowakei. Das Alpenaurikel kommt von den Tälern bis auf 2.900 m ü. NN in den Gebirgen vor. Sie besiedelt ausschließlich kalkhaltige Plätze u .a. Alpenmatten, zwischen Felsen und Schutthalden.

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Alpen-Aurikel, fotografiert in den österreichischen Alpen (Foto: Petr Filippov, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Das Alpenaurikel bildet eine Rosette und wird 20 bis maximal 25 cm hoch bei einer Breite zwischen 15 und 25 cm. Die grünen, glatten Blätter haben eine Eiform. Die Blütezeit reicht von April bis Juni – je nach den örtlichen Milieubedingungen. Die Naturform hat leuchtend gelbe Blüten, es gibt aber auch Zuchtsorten in anderen Blütenfarben. Die Blütenkrone ist tellerförmig mit rundlichen Blütenblättern.

Der Platz für das Alpenaurikel im Stein- oder Alpingarten sollte sonnig bis halbschattig ein mit einer feuchten, aber trotzdem gut durchlässigen und vor allem kalkhaltigen Erde.

Gewelltrandige Primel – Primula marginata, auch Weißrandige Primel oder Seealpenprimel genannt
Die Gewelltrandige Primel kommt ausschließlich in den kalkführenden Westalpen Italiens und Frankreichs in Höhenlagen zwischen 500 und 2.600 m ü. NN vor.

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Gewelltrandige Primel (Foto: Meneerke bloem, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Die Gewelltrandige Primel bildet einen Horst mit einem verholzenden Stamm. Sie wird zwischen 10 und 15 cm hoch und 15 bis 25 cm breit. Die grünen, fleischigen Blätter haben eine weißliche, mehlartige Schicht. Die kleinen, trichterförmigen Blüten in Blau-Lila haben ein kleines weißes Blütenauge. Die Blüten stehen in kleinen Büschen. Die Blütezeit reicht von März bis April. - Diese Primelart braucht ein sonnigen bis halbschattigen Platz mit einer basischen, also kalkhaltigen Erde.