Eigentlich ist ein gut eingerichteter und dicht bepflanzter Steingarten ausgesprochen pflegeleicht. Nur in den Frühjahrsmonaten, da gibt es mehr als genug zu tun. Dann ist meist eine Generalüberholung des Steingartens fällig. Aber die Mühe lohnt sich, denn dafür wird man in den folgenden Monaten mit einem Meer an reich blühenden Teppich-, Polster- und Staudenpflanzen belohnt. Dann werden auch zahlreiche Schmetterlinge, Hummeln und andere Insekten auf der Suche Blütenpollen und Nektar angelockt.

Was steht konkret an Arbeiten im Frühjahr an?

Neubepflanzen und Umpflanzen
Noch vor dem Austrieb der Steingartenpflanzen ist die beste Zeit, die Stauden umzupflanzen oder freie Plätze neu zu bepflanzen und Lücken zu füllen. Der nächste Zeitraum zum Umpflanzen ist dann für die meisten Stauden erst wieder nach dem Ende der Blütezeit.

Im Herbst neu gepflanzte Stauden können im Winter hochfrieren, so nennt man das, werden die Wurzeln und Rhizom durch den Bodenfrost hochgehoben werden. Dann muss man sie im Frühjahr wieder gut andrücken und mit etwas zusätzlicher Gartenerde bedecken. Sonst vertrocknen die Wurzeln. Das Gleiche kann einem mit Pflanzetiketten passieren, die durch den Bodenfrost gelockert werden und dann beim nächsten Sturm fortgeweht werden. Das ist mir auch schon passiert und die Sortennamen meiner ganzen Sammlung an Sempervivum-Sorten durcheinander geraten.

Schneiden
Vertrocknete Blätter und anderes werden abgeschnitten oder vorsichtig zusammengekehrt und kompostiert. Die Blüten- und Fruchtstände der Gräser und anderer Zierstauden, die man den Winter über als Schmuck und Futterquelle für Insekten und Vögel stehen gelassen hat, werden nun bis knapp handbreit über dem Boden zurückgeschnitten. Damit schafft man Platz für neue Triebe.

Sobald Narzissen und Tulpen verblüht sind, können die Blüten- und Fruchtstände abgeschnitten werden. Die Zwiebeln bleiben aber mindestens noch so lange im Boden, bis mit Hilfe der Photosynthese in den Laubblätter genügend Reservestoffe in den Zwiebeln für den nächsten Austrieb im nächsten Jahr gespeichert worden.

Kompost und Dünger
Drei Jahre alte, reife und unkrautfreie Komposterde wird gesiebt, mit etwas Humus und Sand gemischt und dann in einer dünnen Schicht auf die neu zu bepflanzenden Beete und freien Stellen im Steingarten aufgebracht. Dabei gilt die Regel „Weniger ist mehr“. Die meisten Steingartenpflanzen kommen mit einer nicht zu nährstoffhaltigen Erde gut zurecht. Das gilt vor allem für Hochgebirgspflanzen, da sollte man lieber ganz auf Kompostzugaben verzichten. Das gilt auch für andere Formen organischer Langzeitdünger. Viele Steingartenpflanzen reagieren auf ein Überangebot mit einem zu starken Wuchs, die Triebe und Stängel werden weich und sterben schließlich ab. Auch für Pflanzen in Felsnischen und -ritzen – z.B. in einer Trockenmauer – sollte man nur sehr wenig Dünger verwenden.

Aussaat
Viele einfach blühende Wildformen der Steingartenpflanzen haben im vergangenen Sommer oder Herbst reife Samen entwickelt. Diese können nun im Frühjahr ausgesät werden. Dabei werden viele Staudenpflanzen zunächst unter Glas z. B. im Gewächshaus, auf dem Fensterbrett oder im Kalten Kasten (dem Frühjahrsbeet) ausgesät. Sobald die nötigen Bodentemperaturen erreicht sind, beginnen sie zu keimen und müssen dann in den nächsten Wochen vereinzelt werden. Sobald die Außentemperaturen steigen und die Jungpflänzchen stark genug entwickelt sind, können sie an ihren endgültigen Platz ausgepflanzt werden. Einjährige Pflanzen und viele Topfpflanzen dürfen dagegen erst Mitte Mai nach draußen, wenn die Gefahr von Spätfrösten gebannt ist.

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge
Im Gegensatz zum Gemüsebeet ist der Steingarten mit seinen überwiegend trockenresistenten Stauden für Pflanzenschädlinge von weitaus geringerem „Interesse“. Nacktschnecken fressen lieber saftige Gemüsepflanzen an, abgesehen von den vergilbenden Blättern der Zwiebelgewächse. Und die Schäden, die Blattläuse im Steingarten anrichten, halten sich auch in Grenzen. Viele an Pflanzensäfte saugende Insekten lassen sich durch für sie unangenehm riechende Repellentpflanzen vom Steingarten fernhalten. Es gibt Raupen einiger selten gewordener Schmetterlingsarten, die auf bestimmte Steingartenpflanzen als Futterpflanzen angewiesen sind. Zum Beispiel die Raupen des prächtigen Schwalbenschwanz, die auf Weißen Mauerpfeffer (Sedum album) als Futterpflanze spezialisiert sind. Solche selten gewordene Insekten sollte man unbedingt schonen, statt sie zu bekämpfen. Die meisten Insektizide und Pflanzenschutzmittel sind inzwischen im Hobbygarten ohnehin verboten. Probleme machen im Steingarten vor allem Nagetiere und andere im Boden grabende und Gänge anlegende Tiere wie Wühlmäuse (die es besonders auf die Zwiebeln von Tulpen und Lilien abgesehen haben) oder auch Maulwurfsgrillen.

In diesem Frühjahr stehe ich im Steingarten aber noch vor einem ganz anderen Problem: Ich habe vor Jahren nämlich auf die frisch angelegten Steingartenbeete eine stabile Unkrautfolie als unterste Lage gelegt, damit sich kein Giersch und andere Wurzelunkräuter in Steingarten breit machen kann. Das hat auch in den letzten beiden Jahren gut funktioniert und es gab kaum Problem mit Unkraut zwischen den Steingartenpflänzchen.

Im letzten Sommer war es aber bekanntlich über viele Monate hin zu warm, bzw. heiß und vor allem zu trocken. Einzig den Zier- und Nutzgräsern ist das Klima gut bekommen und sie haben reichlich Samenstände entwickelt wie nie zuvor. Die reifen Samen sind dann wohl mit den Herbststürmen im ganzen Garten und darüber hinaus verweht und verteilt worden.

Nach der langen Trockenperiode hat es dann immer wieder tagelang geregnet. Einzig die Gräser sind bei dem nasskalten Wetter der vergangenen Wochen gut gekeimt und haben sich überall im Garten breit gemacht. Auch im Steingarten. Dort hat sich das Gras mit seinen Wurzeln in der Unkrautfolie regelrecht verkrallt und zahlreiche Steingartenstauden regelrecht zugewuchert.

Ich bin nun dabei, Quadratmeter für Quadratmeter in mühsamer Handarbeit von diesen Gräsern zu befreien: Zunächst werden die Steingartenstauden vorsichtig ausgegraben und von anhaftenden Gräsern befreit, dann werden die Wurzeln von der Unkrautfolie getrennt und entfernt und schließlich setze ich die Steingartenstauden mit etwas frischer Erde wieder an ihren angestammten Plätzen wieder ein. Eine äußerst mühsame und zeitraubende Angelegenheit. Die ursprünglich positive Funktion der Unkrautfolie hat sich damit in ihr Gegenteil verkehrt! Meine Frage an anderen Teilnehmer und Besucher des Gartenforums: Hat jemand ähnliche Erfahrung mit Gräser und Unkrautpflanzen im Steingarten gemacht und eine einfachere Methode gefunden, das Problem zu lösen?