Früher haben wir als Kinder immer unsere Sommerferien in einem kleinen Dorf im hessischen Rothaargebirge verbracht. Und jede Nacht hatten die Waschbären dort ihre Spuren hinterlassen: Mal waren schmutzige Spuren und Fußabdrücke auf der an der Leine hängenden Wäsche zu sehen, mal waren die Obstbäume geplündert oder die Eierdiebe waren in das Gehege der Hühner eingedrungen. Aber zu sehen bekamen die kleinen Bären mit ihrer markanten schwarz-weißen Gesichtsmaske eigentlich nie. Bis auf einen zahmen Waschbär, den sich die Wirtsleute im Nachbardorf hielten.

Das hat sich geändert. Denn seitdem haben sich die Wachsbären enorm vermehrt und ihr Verbreitungsgebiet weiträumig und über Nordhessen, das Sauerland, Süd-Niedersachsen und West-Thüringen hinaus ausgedehnt. Obwohl sie zeitweise auch bejagt oder ihnen mit Lebendfallen nachgestellt wurde. Wachsbären haben eine enorme Vermehrungsrate. Längst sind sie vom reinen Waldbewohner bis in die Städte vorgedrungen. Denn hier finden die Waschbären als Allesfresser und Resteverwerter ein wahres Schlaraffenland vor. Während wir in Süddeutschland eher Probleme mit Füchsen haben, die nachts durch die Straßen streifen, gelbe Säcke aufreißen, angelockt vom Geruch leerer, aber nicht gründlich ausgespülter Hunde- und Katzenfutterdosen u. ä., sind es die im Norden eher die Waschbären, die Probleme machen. Längst haben einzelne Waschbärensippen ganze Straßenzüge und Vorgärten als ihr Revier besetzt. Sie sind auch geschickte Kletterer und kommen sogar an Regenfallrohren oder am Rauhputz der Hausdämmung hoch, um sich dann auf dem Dachboden ein Quartier zum Überwintern oder zur Aufzucht ihres Nachwuchses einzurichten.

Ich hatte vor einen Jahren einen Garten, in dem u. a. einen Thermokomposter für unsere Küchenabfälle aufgestellt hatte. Bald war morgens regelmäßig der Deckel hochgeklappt, und die Wachsbären hatten den Abfall nach Obst- und Gemüsereste durchwühlt und die nicht verwertbaren Reste im Umkreis um den Komposter verstreut. Darauf hatte ich den Deckel des Thermokomposters mit einem schweren Eisengitter beschwert. Das half jedoch nichts. Anscheinend entwickelten die kleinen Waschbären wahrhaft Bärenkräfte, um an Fressbares zu gelangen, und hatten das Gitterrost einfach weggeschoben.

Inzwischen haben wir einen Garten rings ums Haus und vier Katzen, die jegliche Eindringlinge in den Garten vertreiben – egal ob es sich um fremde Katzen, Füchse oder Waschbären handelt. Einen Thermokomposter habe ich trotzdem nicht mehr aufgestellt. Und die gelben Säcke stellen wir auch immer erst morgens am Tag der Müllabfuhr vors Haus.

Längst sind die eigentlich aus Nordamerika stammenden Wachbären Bestandteil unserer einheimischen Tierwelt geworden. Und es sind ja auch ganz possierliche Tiere, aber manchmal etwas lästig. Wenn sie sich nicht in die Enge getrieben fühlen, beißen sie auch nicht und greifen von sich aus auch nicht an. Soviel ich weiß, sind sie auch in Europa kaum Überträger von Tollwut gewesen – ganz im Gegensatz zu unseren einheimische Füchsen. In ihrer nordamerikanischen Heimat sind sie allerdings sehr wohl als Überträger der sogenannten Waschbär-Tollwut bekannt. Den Erreger dieser Tollwutform haben sie allerdings nicht mit nach Europa gebracht. Es gab bisher nur sehr wenige Fälle, in denen Waschbären Überträger der Fuchstollwut waren.

Und schließlich haben sich die Waschbären ja auch nicht selbst Mitteleuropa als ihre neue Heimat ausgesucht. Vor Jahrzehnten wurden sie als begehrte Pelzlieferanten in einigen Pelztierfarmen eingeführt und gezüchtet. Nachdem der Waschbär-Pelz aus der Mode kam, hat man die Tiere einfach ausgesetzt, ohne zu bedenken, wie rasch sie sich vermehrt und ausgebreitet haben.

Wir werden also auch künftig mit Waschbären leben müssen. Verscheuchen lassen sie sich wohl nicht mehr, dazu sind die Waschbären auch viel zu clever. Aber man sollte sie nicht füttern, so possierlich sie auch sein mögen. Keine Futterreste auf oder in den Kompost geben und die Luken dicht machen, d. h. keine Schlupfmöglichkeit in den Keller oder auf den Dachboden bieten.

Es würde mich interessieren, welche Erfahrungen andere Hobbygärtner mit den Waschbären gemacht haben. Vielleicht kann man sich da einmal austauschen und neue Strategien entwickeln, wie man die Waschbären fern halten kann.