Bei den ca. 100 Arten der Knöterichgewächse herrscht – gelinde gesagt – einige Verwirrung, was ihre Systematik und Zuordnung zu den Gattungen betrifft. Früher gehörten mehr oder wenige alle zur Gattung Poligonum, die wurde dann in Persicaria umbenannt und die Knötericharten schließlich in wenigstens drei Gattungen aufgeteilt: Periscaria, Bistorta und Aconopogon. Parallel dazu wurde auch einige Artnamen vollständig ausgetauscht. Und auf die deutschen Namen kann man sich sowieso nicht verwechseln, die variieren zum Teil nach Region und Gusto. Normalerweise liefern nur die wissenschaftlichen Namen mit Gattung und Art eine eindeutige Kennzeichnung einer bestimmten Art – so wie ein Nummernschild am Auto. Und je nach Erscheinungsjahr von Literatur und Webseiten (die sind auch nur selten auf dem neusten Stand) hat man nun die Wahl zwischen 2 bis 3 völlig unterschiedlichen Bezeichnungen für ein und dieselbe Art. Manchmal bleibt einem dann oft nur, eine Knöterich-Art anhand von Fotos zu erkennen. Liebe Botaniker, wäre nicht etwas mehr Zurückhaltung bei der Umbenennung von Pflanzen angebracht? Zoologen benennen „ihre“ Tiere auch nicht immer wieder um. Eine endgültige Klärung, welche Pflanze wie eng mit einer anderen Pflanze verwand ist, bringt sowieso nur eine Genanalyse. Und wenn die vorliegt, dann werden wieder etliche Namen ausgetauscht und umbenannt.

Aber daran wird es wohl nicht liegen, dass man Knöterich-Arten bisher nur selten in unseren Gärten sieht. Vielleicht gelten sie als minderwertig und nicht mehr up-to-date? Mit den folgenden Fotos und der Vorstellung einiger Arten möchte ich zeigen, wie interessant und vielseitig die Pflanzengruppe im Garten einsetzbar ist. Hierzu eine kleine Auswahl aus dem großen Angebot an Knöterichgewächsen:

Der Kerzenknöterich – Bistorta amplexicaulis
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Der Kerzenknöterich Bistorta amplexicaulis der Sorte ‘Firetail‘ (Fotos: Kenraiz, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International).

Der Kerzenknöterich wird 1 bis 1,2 m hoch bei ebensolcher Breite. Die Blätter sind je nach Sorte ei- bis lanzettförmig, zugespitzt und mit einer herzförmigen Basis. Die Blüten erscheinen erst spät zwischen August und Oktober. Die winzig kleinen, karminroten Blüten bilden einen schlanken, aber langen ährenförmigen Blütenstand. Dieser Knöterich eignet sich im Garten für einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit einem feuchten, aber gut durchlässigen Boden. Man kann ihn z.B. in eine Staudenrabatte setzen (aber mit ebenso kräftigen pflanzen, sonst verdrängt eher kleinere und weniger wüchsige Arten) oder vor einen Gehölzrand. Er lässt sich am besten durch Teilen des Horstes im Frühjahr vermehren. Dieser Knöterich ist auch bei uns winterhart. Diese Knöterichart ist in der älteren Gartenliteratur noch unter dem wissenschaftlichen Namen Persicaria amplexicaulis beschrieben.

Der Schlangenknöterich - Bistorta officinalis
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Bistorta officinalis (Foto: Hajotthu, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Der Schlangen- oder Wiesenknöterich der Sorte ‘Superba‘ wird zwischen 60 und 75 cm hoch und 60 cm oder mehr breit. Die grundständige Laubblätter sind eiförmig, die Stängelblätter dagegen eher dreieckig geformt. Der Schlangenknöterich blüht zwischen Mai und Juli. Die hell rosa Blüten bilden eine zylinderförmige Ähre als Blütenstand. Der Schlangenknöterich braucht einen Platz in der vollen Sonne. Er verträgt sowohl trockene als auch feuchte Böden, die aber immer nährstoffreich sein sollten. Auch dieser Knöterich neigt dazu, andere, weniger wuchskräftige Stauden zur Seite zu drängen. Er ist winterhart und lässt sich sowohl im Herbst als auch im Frühjahr durch Teilung vermehren. In der älteren Gartenliteratur wird diese Knöterich-Art noch unter dem Namen Persicaria bistorta, bzw. Polygonum bistorta aufgeführt.

Der Himalaja-Knöterich – Aconopogon polystachyum
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Aconopogon polystachyum (Foto: Franz Vincentz, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported). In der älteren Gartenliteratur wird der Himalaja-Knöterich noch unter der Bezeichnung Prsicaraia campanulata, bzw. Polygonum campanulata geführt. Dies ist ein buschig kompakt und bodendeckend wachsender Knöterich von bis 1 m Höhe und Breite. Die Laubblätter sind eiförmig, gerippt und behaart. Die Blütezeit reicht von August bis Oktober. Die kleinen, glockenförmigen Blüten sind weiß bis rosa gefärbt und bilden eine nickende Ähre als Blütenstand an einem dünnen Stängel. Die Blattoberseite ist grün, de Unterseite weißlich bis bräunlich rosa gefärbt. Diese Art besiedelt feuchte Wälder im Himalaja. Im Garten braucht der Himalaja-Knöterich einen Standort im vollen Schatten bis Halbschatten mit einem feuchten und nährstoffreichen Boden. Er lässt sich Teilung des Pflanzenhorstes im Frühjahr vegetativ vermehren. Oder durch Aussaat im Herbst, denn die Samen sind Kaltkeimer. Der Himalaja-Knöterich ist auch bei uns völlig winterhart.

Ähren-Knöterich – Bistorta macrophylla
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Bistorta macrophylla (Foto: Swati Sidhu, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International)

Der Ährenknöterich stammt ebenfalls aus dem Himalaja, besiedelt dort aber keine Wälder, sondern offene, sonnenbeschienene Bergwiesen mit einem feuchten, nährstoffreichen Boden. Diese wuchsfreudige und lang blühende Knöterich-Art wird aber nur 45 bis 60 cm hoch und etwas mehr als 30 cm breit. Die lanzettförmigen Laubblätter sind blau-grün gefärbt. Die Blütezeit liegt zwischen Juli und September. Die winzig kleinen, intensiv rosa-roten Blüten bilden dichte, unter ihrem Gewicht nickende Ähren als Blütenstand. Dieser Knöterich kann durch Aussaat und Teilung vermehrt werden. Er ist auch bei uns in Mitteleuropa winterhart. In der älteren Gartenliteratur wird er noch als Persicaria macrophylla, bzw. Polygonum macrophyllum oder Polgyonum sphaerostachylum bezeichnet.

Persicaria virginiana
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Persicaria virginiana (Foto: Firtzflohrreynolds, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Dieser Knöterich hat noch keine deutschen Namen, dafür aber einige frühere, inzwischen aber eigentlich ungültige wissenschaftliche Namen wie Tovara virginiana oder Polygonum virginianum. Dieser Knöterich bildet dichte Pflanzenpolster von etwa 60 cm Höhe und beliebiger Breite. Die Laubblätter sind elliptisch bis eiförmig und je nach Sorte grün, kastanienbraun oder bräunlich-violett gefärbt, teilweise auch mit einer elfenbeinfarbenen Zeichnung. Die weißen Blüten bilden lange, schlanke Rispen als Blütenstand. Leider blüht diese Knöterich-Art in Kultur aber nicht immer, besticht aber auch dann durch sein prächtiges Laub. Der Knöterich braucht einen sonnigen und windgeschützten Platz mit einem feuchten, aber gut durchlässigen Boden.