Die Römische Kamille Chamaemelum nobile, in der Schweiz wird sie Garten-Kamille genannt, gehört zwar innerhalb der Korbblüter einer ganz anderen Gattung an als die Echte oder Wild Kamille, hat aber eine ähnliche Heilwirkung. Da einfacher zu kultivieren ist und auch eine reichere Ernte verspricht, wird sie vor allem in Westeuropa angebaut, während in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Länder die Kultur der Echten Kamille (Chamomilla recutita) überwiegt.

Die Römische Kamille ist ursprünglich in Westeuropa heimisch. Dort reicht ihr Verbreitungsgebiet von Nordirland im Norden bis zur Iberischen Halbinsel und Frankreich, kommt aber in Marokko und Algerien vor. Inzwischen ist die Römische Kamille aber auch in Teilen Mitteleuropas eingebürgert und verwildert. Zu den häufigsten Standorten zähen ähnlich wie bei der Echten Kamille Ackerränder und Brachflächen, Wiesengräben, Hänge und Böschungen, Schuttplätze und Wegränder. Man findet die Römische Kamille dabei vor allem auf mittelschweren Böden aus einem Sand-/ Lehmgemisch an sonnigen Plätzen.

Von der Römischen Kamille gibt es zwei spezielle Gartenformen:

die Englische Rasenkamille Chamaemelum nobile ‘Treneague‘ - sie bleibt niedrig, blüht und bildet stattdessen dichte Pflanzenteppiche, die gerne als Rasenersatz im Garten gepflegt werden

die Römische Rasenkamille Chamaemelum nobile v. ligulosa oder ‘Pleno‘ - diese Sorte hat im Gegensatz zur Englischen Rasenkamille weiße, gefüllte Blüten. Ihre Blüten sind steril und diese Sorte kann daher ausschließlich vegetativ vermehrt werden.

Aber nur die Naturform der Römischen Kamille wird als Heilpflanze angebaut. Im Gegensatz zur einjährigen Echten Kamille ist die Römische Kamille mehrjährig. Auch bei der Römischen Kamille gibt es eine Variante mit ungefüllten Blüten und eine mit gefüllten Blüten. Die gefüllte Form hat nur weibliche Blüten, die zur Gewinnung als Heilmittel dienen. Die ungefüllte Form mit ihren weiblichen und männlichen Blüten wird dagegen vor allem als Pollenspender genutzt.

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Römische Kamille mit ungefüllten Blüten (Foto: H. Zell, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

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Römische Kamille der Sorte ‘Flore Pleno‘ mit dicht gefüllten, weißen Blüten (Foto: Aminido, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International).

Die Römische Kamille erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 30 cm. Die Laubblätter sind zwei- bis dreifach gefiedert. Die einzelnen Fiederblättchen sind linealisch schmal und laufen spitz zu. Die Römische Kamille bildet sowohl verzweigte, Blüten tragende lange Sprosse als auch kürzere, sterile Sprossen ohne Blüten. Die Blütezeit reicht in unserem mitteleuropäischen Klima von Juli bis Oktober.

Die Römische Kamille zahlreiche, nieder-liegende Seitentriebe, die leicht bewurzeln. Diese können dann abgetrennt und zur vegetativen Vermehrung genutzt werden. Daraus entwickeln sich bis zum Herbst genügend Jungpflanzen, um den Bestand dauerhaft zu sichern.

Im Garten pflanzt man die Römische Kamille – ähnlich wie an ihren natürlichen Standorten – in einen mittelschwere Boden, am besten einem Sand- Lehmgemisch,der aber auch gut durchlässig sein sollte. Auf zu schweren, tonhaltigen Böden oder auch leichten Sandböden wächst die Römische Kamille zwar auch, bildet dort aber kaum Blüten. Außerdem muss man bei der Kultur der Römischen Kamille unbedingt Staunässe vermeiden.

Zu vegetativen Vermehrung lassen sich nicht die aus den Seitentrieben entstehenden Tochterpflanzen verwenden. Man kann stattdessen auch die Mutterpflanzen – besonders wenn sie reichlich und gefüllt geblüht haben – im nächsten Frühjahr ausgraben und dann den Wurzelballen vorsichtig mit einem Spatenstich teilen. Die Teilstücke werden sofort an anderen Stelle wieder in den Boden eingesetzt und zwar in einem Pflanzabstand von etwa 50 x 50 cm.

Im Frühjahr bekommt die Römische Kamille als Grunddünung einen organischen Langzeitdünger, der in den Boden eingearbeitet wird.

Zwischen den Reihen der Römischen Kamille werden mehrmals während der Vegetationsperiode der Boden durch vorsichtiges Hacken gelockert und Unkraut durch Jäten entfernt. Außerdem müssen die Kamille-Pflanzen ausgelichtet werden, wenn der Bestand durch die seitlich wachsenden, niederliegenden Triebe zu dicht wird. Während der längerer Trockenperioden muss der Boden rund um die Kamille-Pflanzen gründlich gewässert werden, aber ohne dass sich Staunässe bildet. Die Römische Kamille ist normalerweise ausreichend winterhart. In rauen Lagen mit strengem Winterfrost sollte die Pflanzen im Spätherbst sicherheitshalber aber einen leichten Winterschutz bekommen.

Die Pflanzen können 2 bis 3 Jahre auf dem gleichen Beet genutzt werden. Dann sollte man sie umsetzen, sonst geht das Wachstum deutlich zurück.

Normalerweise kann man den bestand der Römischen Kamilie durch die vegetative Vermehrung einiger angekaufte Exemplare sichern. Sollte man die Römische Kamille stattdessen doch einmal aussäen müssen, dann sollte man auf alle Fälle nur zertifiziertes Saatgut von auf Küchen- und Heilkräuter spezialisierte Staudengärtnereien verwenden. Ausgesät wird direkt ins Freiland ab März/ April und zwar in Reihen mit einem Abstand von etwa 40 cm. Die Römische Kamille ist ein Lichtkeimer. Die Samenkörner werden deshalb nur gut angedrückt, aber nicht mit Erde bedeckt. Zu dicht stehende Sämlinge werden später ausgelichtet. Die Jungpflanzen setzt man dann zu beginn des Herbstes an ihren endgültigen Platz mit einem Abstand von 50 x 50 cm. Bei der Anzucht durch Aussaat muss man allerdings in Kauf nehmen, dass meist pflanzen mit ungefüllten Blüten entstehen, die für die Gewinnung als Heilpflanzen weniger gut geeignet sind.

Kommerziell werden für Kosmetik und Pharmazie nur die gefüllten Formen; für den eigenen Bedarf aus dem Hobbygarten kann man selbstverständlich auch die ungefüllten, zwittrigen Blüten nutzen. Die Blüten der Römischen Kamille erntet man am besten vor dem völligen Aufblühen, je nach den örtlichen Milieubedingungen zwischen Juni und Oktober. Die Blüten werden vorsichtig von Hand gepflückt und zwar ohne ihre Stiele. Die locker in Körbe geschichteten Blüten lässt man möglichst rasch an der Luft trocknen. Ist die Witterung zu kühl oder feucht, muss man die Blüten stattdessen in einem beheizten Raum bei etwa 30 bis 35 oC trocknen. Während des Trockenvorganges dürfen die Blüten nicht dem vollen Sonnenlicht ausgesetzt werden, und man sollte sie auch möglichst nicht mehr wenden. Missgebildete oder schlecht entwickelte, grau gefärbte Blüten müssen vor dem Trocknen ausgelesen werden. Blüten, die nach dem Trockenen, braun geworden sind, sollte man ebenfalls nicht verwenden. Verständlicherweise sind die getrockneten Blüten stark hygroskopisch, d. h. sie ziehen die Luftfeuchtigkeit an. Damit sie nicht verderben, müssen sie deshalb in luftdicht verschlossenen, dunklen Gefäßen bis zur Verwendung aufgehoben werden.

Verwendet erden die getrockneten Blüten der Römischen Kamille als Tee bei Verdauungs-,aber auch Menstruationsproblemen. Ein Aufguss aus den Blüten kann man äußerlich zur Spülung kleinerer Wunden oder bei Entzündungen im Mundbereich verwenden.