Wer gerne in seinem Steingarten Mauerpfeffer und Fetthennen kultiviert, aber keine Möglichkeit hat, die vielen bei uns nicht frostharten exotischen Arten und Sorten verlustfrei zu überwintern, der sollte es doch einmal mit Sedum-Arten aus europäischen Gebirgen versuchen, denn die sind garantiert völlig winterhart. Einige alpine Arten möchte ich kurz in Text und Bild vorstellen. Sie entwickeln interessante Blatt- und Blütenformen, sind garantiert pflegeleicht und es ist doch einmal was anderes als immer wieder Scharfer und Weißer Mauerpfeffer!

Sedum anacampseros – die Rundblättrige Fetthenne
Name:  Sedum_anacampseros.jpg
Hits: 3
Größe:  81,2 KB
Sedum anacampseros aus dem Botanischen Garten von Lubljana/ Slowenien (Foto: Salicyna, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International)

Eigentlich haben Botaniker diese Art schon vor längerer Zeit stattdessen in die Gattung Hylotelephium gestellt. In der garten- und anderer Literatur wird die Rundblättrige Fetthenne aber nach wie vor als Sedum anacampseros und auch von Staudengärtnereien als solche angeboten. Da es außerdem die einzige Vertreterin im alpinen Raum ist, stelle ich sie hier ebenfalls als Sedum-Art vor.

Diese Fetthenne kommt in den südlichen Alpenzügen, aber auch auf den Apennin und auf den Pyrenäen. Dort findet man sie in Höhenlagen zwischen 1.400 und 2.500 m ü. NN zwischen Felsen, an Schutthalden und Bergwiesen, aber immer nur auf kalkarmen Böden.

Die Pflanze ist mehrjährig und erreicht je nach den örtlichen Milieubedingungen zwischen 10 und 30 cm Höhe. Die Stängel sind unbehaart, kahl und bogig aufsteigend. Sie bildet teilweise dicht beblätterte, nicht-blühende Triebe. Die Laubblätter sind flach und fleischig, und damit sehen die beblätterten Triebe denen der Walzenwolfsmilch etwas ähnlich. Die bis zu einem halben Zentimeter großen Blüten haben 5 Kronblätter, die oben braunrot, auf der Unterseite bläulich violett gefärbt sind mit einem grünen Kiel. Die Blüten bilden einen dicht besetzten, doldenförmigen bis halb-kugelförmigen Blütenstand. Sedum anacampseros blüht zwischen Juni und August.

Im Stein- oder Alpingarten setzt man die Rundblättrige Fetthenne am besten an einen Platz in der Sonne in einer kleinen Gruppen in einem Pflanzabstand von jeweils 20 cm auf einen möglichst kalkarmen Boden mit etwas Steinschotter und Kies, der gut durchlässig sein sollte. Die Rundblättrige Fetthenne ist absolut winterfest, frosthart ( bis etwa minus 22 bis 28 Grad Celsius) und verträgt auch Trockenperioden gut. Man vermehrt sie am besten vegetativ, indem man von den Spitzen der Triebe Stecklinge schneidet.

Sedum annuum – Einjähriger Mauerpfeffer oder Einjährige Fetthenne
Der Einjährige Mauerpfeffer ist in vielen Gebirgen von Grönland und Island über Mittel- und Südeuropa bis zum Kaukasus und Kleinasien heimisch. In Skanidnavien ist diese Sedum-Art meist zweijährig, bei uns in Mitteleuropa aber immer nur einjährig. Er besiedelt kalkarmes Gestein, auch auf Kies- und Geröllbänken der Flüsse, aber auch als Kulturfolger Mauerkronen, Straßenränder und – Böschungen. In den Schweizer Alpen kommt er bis in Höhenlagen von 2.800 m ü. NN vor.

Name:  Sedum_annuum_(15157441105).jpg
Hits: 3
Größe:  99,9 KB
Sedum annuum (Foto: Joan Simon, Creative Commons Attr.-Share Alike 2.0 Generic)

Die verzweigten Triebe des Einjährigen Mauerpfeffers werden zwischen 5 und 15 cm hoch. Ihre linealisch schmalen, bis 1 cm langen Blätter sind grünlich gefärbt, oft rötlich überlaufen. Jeder Trieb trägt im Sommer zwischen Juni und August Blüten. Die leuchtend gelben Blüten bilden verzweigte, lockere Blütenstände. Jede Blüte bildet 5 Kelch- und 5 Kronblätter. Die Kelchblätter unterscheiden sich in Form und Färbung nicht von den Laubblättern.

Sedum atratum – Dunkler Mauerpfeffer
Der Dunkle Mauerpfeffer ist in den Pyrenäen, in den Alpen und in den Gebirgen des Balkans heimisch. Dort besiedelt er in Höhenlagen zwischen 1.000 und 3.000 m ü. NN kalkhaltige Böden auf offenen Flächen wie Rasen und Schutthalden, aber auch Felsspalten. Sedum atratum gilt allgemein als häufig.

Name:  Sedum_atratum.jpg
Hits: 3
Größe:  65,3 KB
Sedum atratum, fotografiert in den Alpen Oberösterreichs von Tigerente (Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Der Dunkle Mauerpfeffer ist eine zweijährige Staude, die zwischen 3 und 10 cm hoch wird. Die Treibe, von denen keiner im zweiten ohne Blüten bleibt, haben keulenförmig-zylindrische Blätter ohne Spitze, bis zu 5 mm lang und 2 mm dick. Die Blätter sind grün, aber meist rotbraun oder dunkel purpurn überlaufen – wie in dem Bild oben zu erkennen ist. Im zweiten Jahr erscheinen zwischen Juni und August die dicht gedrängt am Triebende sitzenden Blüten. Die fünf Blütenblätter der Krone sind rötlich, teilweise auch grün gefärbt.

Der Dunkle Mauerpfeffer verträgt einen sonnigen bis halbschattigen Platz auf kalkhaltigem Substrat.

Sedum alpestre – Alpen-Mauerpfeffer
Der Alpen-Mauerpfeffer kommt nicht nur in den Alpen vor, sondern besiedelt neben alpinen auch subalpinen Regionen in den Pyrenäen, den Vogesen, auf Korsika, im Apennin und in den Karpaten. Man findet ihn in Höhenlagen zwischen 1.000 und 3.000 m auf Silikatgestein in Moränenlandschaften, in Schneetälern u. ä..

Name:  Sedum_alpestre.jpg
Hits: 3
Größe:  77,6 KB
Sedum alpestre, fotografiert in den Tiroler Alpen von Tgerente (Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Der Alpen-Mauerpfeffer ist eine mehrjährige Staude von nur 2 bis 8 cm Wuchshöhe. Er hat bogig aufsteigende Stängel und nicht blühende Triebe die dicht an dicht schuppenförmig mit Blättern besetzt sind. Diese keulig-zylindrischen Blätter werden bis zu 6mm lang und 2mm dick. Sie sind grün gefärbt, oft auch rötlich überlaufen. Zischen Juni und August öffnen sich die gelben, fünfzähligen Blüten mit ihren 10 ebenfalls gelben Staubblättern.

Sedum villosum – Behaarter Mauerpfeffer
Der Behaarte Mauerpfeffer ist in den höheren Gebirgen Europas verbreitet. Er besiedelt Höhenlagen zwischen 1.100 und 2.500 m ü. NN – in Flachmooren, Quellfluren, Sümpfen und auf feuchtem Schutt; wohl deshalb wird diese Art auch Sumpf-Fetthenne genannt. In Deutschland gilt Sedum villosum als vom Aussterben bedroht.

Der Behaarte Mauerpfeffer ist eine ein- bis zweijährige Staude mit einer Wuchshöhe zwischen 5 und 20 cm. Die Pflanzenstängel und Blätter sind dicht mit Drüsenhärchen besetzt. Die fleischigen Blätter sind auf der Blattoberseite flach, auf der Unterseite aber etwas gewölbt. Diese bis zu 5 mm langen Blätter sind wechselständig am Stängel angeordnet. Es gibt kaum einen Pflanzenstängel, der im Sommer zwischen Juni und August einen doldenförmig verzweigten Blütenstand trägt. Die fünfzähligen Blüten haben eiförmige Blütenblätter in Rosa mit einem dunkleren Mittelstrich. Ihre Staubbeutel sind rot gefärbt.
-
Den behaarten Mauerpfeffer pflanzt man am besten an einen sonnigen Platz auf einem stets feuchten Boden, am besten einem Gemisch aus Torf und Sand. Die Sumpf-Fetthennen vermehrt sich durch Selbstaussaat, aber auch vegetativ durch ab und zu abbrechende Teilstücke der Triebe, die dann ihrerseits wieder im Boden wurzeln. Nach der Samenreife stirbt die ganze Pflanze ab. Die Samen werden durch Insekten, aber auch durch Wasser verbreitet.

Name:  Sedum_villosum_Moor-Mauerpfeffer.JPG
Hits: 3
Größe:  71,3 KB
Sedum villosum, fotografiert in den Schweizer Alpen bei Zermatt in 2.600 m ü.- NN von Roland Teuscher (Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).