Zur Gattung Artemisa zählen mehre Hundert Arten, von denen die meisten ausschließlich in den gemäßigten Zonen der nördlichen Hemisphäre vorkommen. Auch wenn einige dieser Arten vor allem als Heilpflanzen dienen, als Wermut und Absinth bekannt oder in erster Linie Zierpflanzen sind, möchte ich in diesem Beitrag zunächst auf die i erster Linie als Küchenkräuter und Gewürzpflanzen dienenden Arten und Sorten von Beifuß und Estragon beschränken.

Diese Artemisia-Arten haben eher unscheinbare, winzig kleine Blüten. Zierwert (wenn überhaupt) und Nutzen als Küchengewürz haben vor allem die gefiederten, oft silbrig weiß behaarten Laubblätter.

Im Garten brauchen Beifuß und Estragon einen möglichst sonnenreichen, warmen Platz mit einem nährstoffreichen, eher trockenen und gut durchlässigen Boden. Der China-Beifuß Artemisia lactiflora gedeiht dagegen besser auf einem feuchten Untergrund in Sonne oder Halbschatten.

Artemisia vulgaris Gewönlicher oder Gemeiner Beifuß, auch Gewürz-Beifuß genannt
Der Gewöhnliche Beifuß ist sicherlich von allen Artemisia-Arten die am weitesten verbreitete. Er kommt wild in Europa, klimatisch gemäßigten Zonen Asiens und auch in Nordafrika vor. Als invasive Art hat er inzwischen auch in Grönland und Nordamerika Fuß gefasst.

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Gewöhnlicher Beifuß Artemisia vulgaris (Foto: Anro0002, Public Domain)

Der Gewöhnliche Beifuß ist eine aufrecht wachsende, mehrjährige Staude mit einer Wuchshöhe von bis zu 200 cm und einer Breite von bis zu 90 cm. Die Wurzeln können mehr als 1m tief in die Erde eindringen. Charakteristisch für diese Artemisia-Art sind vor allem die rot bis purpurrot überlaufenen Triebe. Die gefiederten Laubblätter sind auf der Blattoberseite dunkelgrün, unterseits dagegen flaumig weiß behaart. Die Blütezeit fällt in die Monate Juli bis September. Die sehr kleinen, rot-braun gefärbten Blüten bilden rispenförmige Blütenstände.

Die sich daraus entwickelten Früchte sind nur etwa 1 ½ mm groß. Sie sind von kleinen Hüllblättern umgeben, die eine Kapsel bilden, die sich bei anhaltender Trockenheit öffnet und dann vom Wind fortgetragen wird. Eine einzige Pflanze kann pro Vegetationsperiode bis zu einer halben Million dieser Kapselfrüchte bilden. Das erklärt das enorme Ausbreitungspotential von Artemisia vulgaris. Außerdem sind die langlebigen Samen reine Lichtkeimer, dadurch erreichen sie relativ hohe Keimzahlen. Wer verhindern will, dass sich der Beifuß durch Selbstaussaat im Garten auch über größere Distanzen unkontrolliert ausbreitet, der die Blütenstände bereits vor dem Aufblühen entfernen. Außerdem reagieren viel Menschen auf die mit dem Wind verwehten Samen allergisch.

Neben der europäischen Varietät des Gewöhnlichen Beifuß Artemisia vulgaris var. vulgaris gibt es eine asiatische Variante Artemisia vulgaris var. indica. Beide unterscheiden in der Zusammensetzung ihrer ätherischen Öle und damit wohl auch geschmacklich.

Im Garten braucht der Gewöhnliche Beifuß einen möglichst sonnigen und warmen Platz mit einem trockenen, frischen oder höchstens mäßig feuchten Boden.

Als Küchenkraut werden vor allem die Blätter des Beifuß genutzt. Sie müssen jedoch geerntet werden, noch bevor sich die Blüten geöffnet haben. Denn danach werden die Blätter bitter im Geschmack. Die in den Blätter enthaltenen Bitterstoffe regen die Produktion von Magensäften und Gallenflüssigkeit an und werden deshalb meist zum Würzen fettreicher Fleischgerichte genutzt, zum Beispiel zur traditionellen Martins- oder Weihnachtsgans. In der Parfumindustrie wird aus den getrockneten Laubblätter durch Destillation mit Wasserdampf ein „Essence d‘Armoise“ gewonnen. Da einige der Inhaltsstoffe des Beifuß, wie z. B. das ätherische Öl Thujon, giftig sind, sollte Beifuß nicht über längere Zeit oder in hohen Konzentrationen verwendet werden. Aus diesem Grund wird Beifuß in der Aromatherapie auch nicht mehr verwendet.

Artemisia lactiflora – China-Beifuß, auch Weißer Chinabeifuß oder Milchweißer Beifuß genannt
Diese Beifußart stammt aus dem Westen Chinas. Der Artname lactiflora = milchweiße Blüten bezieht sich auf die creme-weiß gefärbten Blüten – im Gegensatz zu den rotbraunen Blüten des Gewöhnlichen Beifuß (A. vulgaris).

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Weißer oder China-Beifuß Artemisia lactiflora (Foto: Raffi Kojian, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Der China-Beifuß wird bis 150 cm hoch und 60 cm breit. Er hat dunkelgrüne, gefiederte Laubblätter mit einem scharf gezähnten Rand. Die Blütezeit ist mit September/ Oktober vergleichsweise spät. Die creme-weißen Blüten bilden lange und locker besetzte, federartige Rispen. Diese Beißfußart ist auch bei uns winterhart. Sie braucht einen sonnigen Platz mit einem feuchten, aber gut durchlässigen Boden.

Artemisia dracunculus – Deutscher Estragon, früher auch Dragon genannt
Woher der Estragon ursprünglich stammt, ist nicht mehr eindeutig festzustellen. Wildvorkommen gibt in Osteuropa, Asien und Nordamerika.

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Deutscher Estragon Artemisia dracunculus (Foto: Thayne Tuason, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Der Deutsche Estragon ist eine horstbildende, verholzende Staude, also eigentlich ein Halbstrauch. Er kann bis zu 150cm in die Höhe wachsen und eine Breite von bis zu 60 cm erreichen. Seien leuchtend grünen, linealisch schmalen Laubblätter lieben im Geschmack zwischen Minze und Anis. Die winzig kleinen, gelb-grünen Blüten erscheinen zwischen August und Oktober. Sie bilden lange, rispenförmige Blütenstände.

Estragon braucht einen sonnigen Platz mit einem steinreichen Boden. In unserem mitteleuropäischen Klima ist er nur bedingt winterhart. Am besten überwintert man ihn deshalb als Kübelpflanze in einem geschützten, unbeheizten, aber frostfreien Raum.

Von Artemisia dracunculus gibt es zwei Varietäten:
Russischer Estragon Artemisia dracunculus var. inodora – er wird am häufigsten zum Kauf angeboten, da er sich leicht aussäen lässt und außerdem bis etwa minus 10 Grad Celsius winterhart ist. Allerdings fehlt diesem Russischen Estragon der intensivere Geschmack des Französischen Estragons, da er einen geringeren Anteil an ätherischem Öl hat.

Französischer Estragon Artemisia dracunculus var. sativa – diese Varietät ist unfruchtbar, lässt sich also nicht aussäen, sondern muss immer wieder rechtzeitig vegetativ vermehrt werden. Außerdem ist er nicht winterhart und wird deshalb meist nur einjährig kultiviert.

Allgemein ist der Gehalt an ätherischen Ölen, die das besondere Estragon-Aroma und seine Würze ausmachen, kurz vor der Blütezeit am höchsten. Bis dahin kann er jedoch mehrmals im Laufe der Vegetationsperiode geerntet werden. Dazu schneidet man die Triebspitzen auf einer Länge von etwa 20 cm ab. Verwendet werden die jungen Triebe mitsamt Blättern.