Ich hatte letztes Jahr im Sommer in meinem Garten einige Schmetterlingsarten zu Gast – darunter auch den Schwalbenschwanz samt Raupen, das Taubenschwänzchen, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge und verschiedene Weißlinge. Aber keinen einzigen Zitronenfalter mehr. Ich glaube mich zu erinnern, dass Zitronenfalter früher häufiger gewesen waren.

Die Raupen des Zitronenfalters ernähren sich in Mitteleuropa ausschließlich von den Blätter des Faulbaumes. Als Futterpflanze kommen zwar auch andere Kreuzdorngewächse infrage, aber die findet man wohl erst weiter südlich jenseits der Alpen. In unseren durchforsteten Wäldern gibt es immer weniger Faulbäume. Und wer holt sich schon einen Faulbaum in den eigenen Garten? Der dramatische Rückgang der Zitronenfalter-Populationen ist also wahrscheinlich vor allem auf den Rückgang der Faulbaumbestände zurückzuführen.

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Die Raupe des Zitronenfalters auf einem Blatt des Faulbaums kurz nach ihrer Häutung (Foto: Harald Süpfle, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Der Faulbaum hat bei uns in Mitteleuropa eine schlechten Ruf. Zu Unrecht, finde ich – denn abgesehen davon dass die Rinde des Faulbaumes etwas faulig reicht, sieht er eigentlich gar nicht so fürchterlich aus und kann sich mit seinen weißen Blüten und schwarz glänzenden Beeren durchaus neben anderen Wildgehölzen wie dem Weißdorn, Schlehen und Berberitzen sehen lassen.

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Blüten des Faulbaums (Foto: Aorg1961, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

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Zweig eines Faulbaumes mit reifen schwarzen Früchten (Foto: Aelwyn, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Um den Zitronenfalter vor dem Aussterben zu retten, müssten man also ein oder zwei Faulbäume im Garten anpflanzen. Aber wer macht das schon? Solch ein Faulbaum kann bis zu 8 m in die Höhe wachsen und es wird einige Jahre dauern, bis er zum ersten Mal blüht und Früchte trägt. Die reifen schwarzen Früchte sind ein Leckerbissen für Wacholder- und Misteldrossel, die die Steinsamen mit ihrem Vogelkot verbreiteten. Aber beide Vogelarten sind ja mindestens so selten wie der Faulbaum geworden.

Früher war die Faulbaumrinde als Abführmittel aus der Naturapotheke geschätzt. Und aus dem Holz gewannen die Köhler in ihren Meilern eine geschätzte Holzkohle, die gutes Brennmaterial mit einem geringen Ascheanteil lieferte. Und aus der Holzkohle wurde im Mittelalter das Schwarzpulver gewonnen, daher rührt auch der Beiname Pulverholz für den Faulbaum.

Der Faulbaum Rhamnus frangula gehört zur Familie der Kreuzdorngewächse. Natürliche Bestände des Faulbaumes gibt es in Teilen Europas, wobei sein Verbreitungsgebiet im Osten bis Westsibirien , im Süden bis Marokko reicht. In den ersten Jahren wächst er sehr schnell zu einem mittelgroßen Strauch heran, doch dann kann es lange dauern, bis er seine endgültige Größe als mittelgroßer Baum erreicht hat. Meist bleibt es aber bei der Strauchform mit einer maximalen Höhe von etwa 5 m und gleicher Breite.

Die eiförmigen, glänzend grünen Laubblätter sind deutlich gerippt. Die winzig kleinen, becherförmigen Blüten sind grünlich-weiß gefärbt. Mehrere dieser Blüten bilden jeweils einen doldenartigen Blütenstand. Die kugelig-fleischigen Steinfrüchte sind zunächst grün, werden mit der Zeit rot und nehmen schließlich bei voller Reife eine schwarze Färbung an. Da die Reifezeit dieser Früchte relativ lange dauert, sieht man häufig an einem Faulbaum gleichzeitig grüne, rote und schwarze Früchte.

Da der Faulbaum vor allem in feuchten Wäldern vorkommt, braucht er auch im Garten einen feuchten, aber nicht staunassen Boden, der darüber hinaus nährstoffreich und neutral bis alkalisch sein sollte. Damit er Faulbaum auch irgendwann reife Früchte entwickelt, muss er außerdem einen Platz in der Sonne bekommen. Aber Vorsicht! Mag sein, dass die Früchte der Wacholderdrossel schmecken und wohl bekommen, für uns sind sie giftig! Alle Pflanzenteile des Faulbaums sind für uns Menschen giftig! Also Vorsicht beim Umgang mit der Pflanze, ihren Blüten und Früchten.