Wenn in einem Gartenforum eine Rubrik zur Sepulkralkultur vorgesehen ist, sollten auch Beiträge zum Thema Waldbestattung statt Friedhofbeisetzung nicht fehlen. Mit einem ersten Beitrag dazu möchte ich zu einem Gedankenaustausch in diesem Forum anregen.

Bestattungswälder sind bisher fast ausschließlich im deutschsprachigen Raum entstanden, zunächst in der Schweiz, einige Jahre später auch in Deutschland. In der Schweiz gibt es derzeit etwa 100 solcher Bestattungswälder, in Deutschland sind es etwa 160. In Österreich gibt es erst wenige Bestattungswälder.

Während in der Schweiz nach der Kremierung der Verstorbenen die Asche direkt in Wurzelbereich des Baumes eingestreut wird, ist für Bestattungswälder in Deutschland die Urnenbeisetzung vorgeschrieben. Wird ein Waldgrundstück als Bestattungswald ausgewiesen und genehmigt, so muss die Zweckbindung als Bestattungswald für wenigstens 99 Jahre aufrecht erhalten bleiben, die Betretbarkeit des Waldes muss allerdings nur für die Ruhezeit von 20 oder 25 Jahre garantiert werden, so wie es auch auf den traditionellen Friedhöfen ortsüblich ist.

Waldbesitzer, die solch einen Bestattungswald einrichten wollen, übernehmen dazu in der Regel gegen eine Gebühr eines der beiden in Deutschland vebreiteten Franchisekonzepte. Auf die damit angeblich verbundene Kommerzialisierung der Waldbestattungen möchte ich hier aber nicht eingehen, sondern vielmehr die beiden Bestattungsformen, die Beweggründe für eine traditionelle Friedhofsbestattung und eine Urnenbeisetzung im Wald einfach einmal gegenüberstellen, ohne die eine oder andere Form zu bewerten.

Bei der Waldbestattung sind die auf traditionellen Friedhöfen angelegten Gräber mit Einfassungen aus Stein oder niedrigen Hecken, Bepflanzung der Grabfläche und ein Gedenkstein oder Kreuz nicht erlaubt. Das hat nicht nur praktische Gründe, sondern würde auch dem Grundcharakter der Waldbestattung , der Rückkehr des Verstorbenen und Integration in den Kreislauf der Natur widersprechen. In einem Bestattungswald erinnert in der Regel nur noch eine kleine Plakette mit dem Namen und Sterbedatum am Baum daran, dass hier die Asche eines Verstorbenen in einer Urne beigesetzt wurde. Eine derartige Kennzeichnung ist jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Kleine Gedenktafeln können andererseits für bis zu 6 Verstorbene angebracht werden. Pro Baum sind bis zu 10 Urnenbestattungen die Regel, möglich wären meist bis zu 20. Die Urnen, meist aus biologisch abbaubarem Material, sollen mindestens 80cm tief in einem Abstand von 2 bis 2 1/2m zum Baumstamm beigesetzt werden. Es wird unterschieden zwischen Familien-, bzw. Freundschaftsbäumen und sogenannten Basis-/Gemeinschaftsbäumen. Solche Familienbäume kann man sich bereits zu Lebzeiten sichern, sodass später die Urnen verstorbenen Familienangehörigen an einem gemeinsamen Baum beigesetzt werden können. Teilweise sind auch Umbettungen in ein solches Familiengrab möglich.

Was spricht für die Bestattung in einem traditionellen Grab auf dem Friedhof der Gemeinde? Welches sind die Beweggründe, sich stattdessen für eine Urnenbeisetzung in einem Bestattungswald zu entscheiden?

Nur nach einer Bestattung in einem Grab auf einem traditionellen Friedhof der Gemeinde ist in den folgenden Jahren auch eine Grabpflege möglich und erwünscht. Und viele Hinterbliebene wollen mit einem Gedenkstein, dem Bepflanzen und Pflegen des Grabes die Erinnerung an den Verstorbenen für sich und die Nachwelt aufrecht erhalten. Auch wenn noch Angehörige lebend, der Grabpflege und Erinnerungskultur wird in Deutschland nach 20, spätestens 25 Jahren meist ein Ende gesetzt und das Grab muss geräumt werden, um Platz zu schaffen für die Urne oder den Sarg anderer Verstorbener.

Andererseits entscheiden sich immer mehr Menschen schon zu Lebzeiten für ein anonymes Grab unter Rasen – und dies nicht nur aus Kostengründen. Sie haben keine Hinterbliebenen, die eine Grabpflege übernehmen können, oder sie sind zu alt oder sie sind weggezogen und wohnen nicht mehr in der Nähe.

Schließlich denk ich, in keinem anderen Land der Welt wird das Anlegen, die Ausstattung und die Grabpflege so sehr durch Vorschriften über Vorschriften seitens der zuständigen Behörden und Friedhofsverwaltungen so sehr reglementiert wie in Deutschland und teilweise auch so unsensibel mit den Hinterbliebenen umgegangen. Das trifft an vielen Orten vor allem auf die Gräber von Kinder und Sternenkinder zu. Es hat oft einen jahrelangen Kampf mit den Friedhofsverwaltungen und Ämter gekostet, bis die Eltern das Grab ihres Kindes nach ihren Vorstellungen, wie es dem Andenken ihres Kindes gerecht wird, gestalten durften.

Oft ist auch die Grabpflege bis ins Kleinste festgelegt. Ich habe dies selbst einmal auf einem Waldfriedhof erlebt, in dem nur noch wenige Neubestattungen pro Jahr möglich sind. Der neue Friedhof ist längst auf die grüne Wiese vor der Stadt verlegt worden. Einige der Gräber auf diesem Waldfriedhof sind bereits 90 und mehr Jahre alt und teilweise von Efeu oder Waldreben überrankt, die Inschriften auf den Grabsteinen fast verblichen. Eines Morgens klebten schräg über einigen dieser Grabsteine breite Bandarolen in grellem Gelb mit folgendem Text „Ihr Grab macht einen ungepflegten Eindruck. Bitte melden Sie sich umgehend bei der Friedhofsverwaltung“. Gehts noch?!

Ganz anders zum Beispiel in Irland. Neue Gräber werden oft im Schatten uralter keltischer Hochkreuze angelegt, geschmückt und dann überlasst man das Grab sich selbst und dem natürlichen Verfall. Die Angehörigen besuchen zwar nach wie vor das Grab, hinterlegen zu bestimmten Gedenktagen Blumengebinde, aber niemand käme auf die Idee ein eingesunkenes oder verwittertes Grab instand zu setzen oder gar nach 20 oder 25 Jahren aufzulösen.

Ich nehme an, das ist es, was immer mehr Menschen veranlasst, die solch eine überreglementierten Friedhofskultur für sich nicht wollen und stattdessen ein anonymes Grab unter Rasen oder eine Urnenbestattung im Wald für sich selbst vorziehen.

Hinzu kommt eine gewisse Naturverbundenheit. Mit seiner Asche möglichst in den Kreislauf der Natur vom Keimen, Wachsen und Vergehen eingebunden zu werden. Diese Vorstellung hat in jüngster Zeit einen neuen Aspekt hinzubekommen, seit man weiß, dass benachbarte Bäume miteinander über ihr Wurzelsytem Wasser, Nährstoffe und sogar Informationen austauschen, sich gegenseitig helfen und unterstützen können. Und weiter voneinander entfernte Bäume über die sogenannte Mykorrhizza, das im Boden wachsende Myzelgeflecht der Pilze kommunizieren können.

Ich denke, dies sind die beiden Hauptbeweggründe, sich für einen Urnenbestattung im Wald zu entscheiden. Geld dürfte dabei in den wenigsten Fällen eine Rolle spielen. Und auch Baumbestattungen sind natürlich keineswegs gebührenfrei.