Neben den Insekten sind auch die Krebstiere eine besonders formen- und artenreiche Gruppe innerhalb der Gliedertiere. Und eine ganze Reihe dieser Krebstiere spielen auch im Gartenteich eine wichtige Rolle. Ich möchte einige der häufigsten oder interessantesten Arten im Folgenden vorstellen.

Kiemenfußkrebs Triops cancriformis

Dieser Krebs ist ein uralter Vertreter aus der Gruppe der Kiemenfüßer. Er wird deshalb auch oft als Urzeitkrebs bezeichnet. Mit seinem breiten, flachen Rückenpanzer, der den größten Teil des Körpers bedeckt und schützt erinnert er an die Miniaturausgabe eines marinen Pfeilschwanzkrebses. Er wird aber nicht größer als 10cm und lebt nicht im Meer, sondern vielmehr in kleinen lehmhaltigen Tümpeln und Pfützen, sogar auf zeitweise überschwemmten Wiesen oder in Fischteichen, wenn sie im Herbst abgefischt und bis auf einen dünnen Wasserfilm abgelassen worden sind. Im Gartenteich wird er sich allerdings nicht von selbst ansiedeln.

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Ein Kiemenfußkrebs in Setenansicht (Foto: Stijn Ghesquiere , Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Allerdings bekommt man im Zoogeschäft ein komplettes Aufzuchtset mit Miniaquarium, Triops-Eier, Aufzuchtfutter usw. Es ist äußerst spannend, diese Krebs im Aquarium zu beobachten, denn sie sind sehr aktiv, schwimmen in Bauch- und sogar in Rückenlage umher und können sogar recht zutraulich werden.

Stattdessen kann man die Kiemenfußkrebse aber auch mit Hilfe des Aufzuchtsets erbrüten und dann vorsichtig abfischen und in ein zuvor gut vorbereiteten Miniteich setzen. Der Miniteich braucht eine Substratschicht aus feinkörnigem, sauberem Aquariensand, abgestandenes, ungechlortes und gut temperiertes Wasser, etwa 15cm hoch und einige wenige Wasserpflanzen. Den Miniteich sollte man einem windgeschützten und zum Teil von der Sonne beschienen Platz aufstellen.

Triops ernähren sich Zuckmückenlarven, Schlammröhrenwürmer (Tubifex) und auch von planktisch lebenden Organismen wie kleineren Wasserflöhen, Rädertierchen und Einzellern. Dazu durchwühlen sie den Teichuntergrund; deshalb ist es wichtig, dass man statt Schlamm und Mulm sauberen Aquariensand oder feinen Kies nimmt, damit das Wasser nicht eintrübt. Manchmal schwimmen die Kiemenfußkrebs mit dem Bauch nach oben dicht unter der Wasseroberfläche entlang.

Kiemenfußkrebse werden mit Rückenpanzer und den beiden fadenförmigen Anhängen 10cm lang. Sie haben wenigstens 4 Beinpaare. Die Fortpflanzungszeit liegt zwischen Mai und September. Allerdings gibt es nur selten Männchen. Daher bleiben die Eier meist unbefruchtet und aus ihnen können dann auch wieder nur weibliche Tiere schlüpfen.

Wasserflöhe

Es gibt eine ganze Reihe von Wasserflöhen, die auch im Gartenteich vorkommen können. Meist werden sie entweder als Dauerstadien, als Nauplien (so nennt man die Larvenstadien dieser Krebstierchen) oder als Adulte mit Wasserpflanzen oder als Blinde Passagiere im Gefieder von Wasservögeln eingeschleppt. Exemplarisch möchte ich aus dieser Gruppe der Wasserflöhe den Gemeinen Wasserfloh Daphnia pulex vorstellen, der am bekanntesten, wenn auch nicht immer am häufigsten ist.

Daphina pulex ist durchsichtig, kann aber eine durchscheinende grünliche, gelbliche oder rötliche Färbung annehmen – das hängt unter anderem von seiner Hauptnahrung ab. Die Weibchen werden etwa 3 bis 4mm große, die Männchen nur 1 bis 1 1/2mm.

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Ein Weibchen von Daphnia magna (Foto: Dieter Ebert). Diese Art wird etwas größer als Daphnia pulex und dient u. a. als Testorganismus in Abwasser- und Zulassungstest. Sie wird deshalb in großen Mengen gezüchtet und entsprechend regelmäßig auch im Aquariengeschäft als Lebendfutter für die Aquarienfische angeboten.

Mit Ausnahme des Kopfes ist der gesamte Körper von einer durchsichtigen, zweiklappigen Schale umhüllt, die nach unten in einen dornartigen Fortsatz verlängert ist. Es gibt 2 Antennen, von denen die zweite Antenne besonders kräftig entwickelt ist und lange Ruderborsten hat.

Die Weibchen erzeugen zunächst unbefruchtete sogenannte Subitaneier. Diese entwickeln sich im Brutraum im Rücken der Weibchen zu fertigen Wasserflöhen. Nachdem diese weiblichen Wasserflöhe geschlüpft und aus dem Brutraum der Mutter entlassen sind, paaren sie sich mit männlichen Wasserflöhen und bilden Dauereier. Diese Dauereier liegen jeweils zu zweit in einem Teil der Schale. Diese Dauereier werden mitsamt der schützenden Schale abgestoßen und überwintern.

Wie ich bereits in einem früheren Beitrag https://forum.floristik24.de/threads...uss-nicht-sein beschrieben habe, kann man zum Frühjahrsende eine „Hundertschaft“ Wasserflöhe aus dem Zoogeschäft einsetzen, die die Grünalgen wegfressen – so lässt sich sehr effektvoll eine Algenblüte in den Sommermonaten vermeiden. Stattdessen beginnen sich mit den allmählichen ansteigenden Wassertemperaturen die Wasserflöhe massenhaft zu vermehren bis zum sogenannten „Klarwasserstadium“ , d.h. wenn die grüne Algensuppe restlos von Wasserflöhen abfiltriert worden ist. Dann kann man die Teichfische einsetzen, die dann ihrerseits mit den Wasserflöhen eine optimale Nahrungsgrundlage vorfinden.

Ruderfußkrebse oder Hüpferlinge (Copepoden)

Die Mehrzahl der Ruderfußkrebse lebt im Meer. Es gitb jedoch etwa 100 Arten, die in unseren mitteleuropäischen Binnengewässern vorkommen. Und von diesen wiederum findet man die Mehzahl in stehenden Gewässern, vom großen bis zum kleinsten Tümpel. Man kann drei Typen dieser Ruderfußkrebse unterscheiden.

Die Arten der Gattung Diaptomus haben sehr lang 1.Antenne, die d´sie seitlich ausbreiten und damit im Wasser „schweben“. Nur manchmal führen sie ein raschen, kräftigen Sprung aus, wobei sie die Antennen an den Körper anlegen und dann die 5 Beinpaare kräftig nach hinten schlagen. Sie leben vor allem als Zooplankton in der Freiwasserzone, wo sie selbst kleinste planktische Algen abfiltrieren.

Die zweite Gruppe, die Arten der Gattung Cyclos sind echte „Schwimmer“, die sich vor allem aktiv durch ruckartige, hüpfende Bewegungen vorwärts bewegen.

Die dritte Gruppe, die Harpacticiden, leben in erster Linie auf dem Gewässergrund und bewegen sich auf dem Bodenschlamm schlängend vorwärts.

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Hüpferling Cyclops strenuus (Foto: US Geological Survey, Public Domain)

Auch die Ruderfüßer produzieren ähnlich wie die Weibchen der Wasserflöhe je nach Jahreszeit und Nahrungsangebot Subitaneier, die sich sofort nach der Eiablage fortentwickeln , bis daraus eine Larve, der Nauplius, schlüpft, oder Dauereier, die eine Entwicklungspause einlegen – zum Beispiel um ungünstigen Trockenperioden durchzustehen. Außerdem können sich auch die Ruderfußkrebse selbst in eine Cyste aus ihrem Schleim und zusammen getragenen Schlammteilchen einkapseln, um damit Trockenzeiten oder Frostperioden zu überstehen.

Wasserasseln

Wasserasseln (Asellus aquaticus) sehen Kellerasseln zum Verwechseln ähnlich und sie sind auch genauso harmlos. Sie leben allerdings ausschließlich im Wasser und sind daher etwas „dünnhäutiger“ als ihre terrestrischen Verwandten. Sie ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenteilen, dazu zählt aber auch Falllaub, welches ins Wasser fällt, und Detritus. Dabei können sie sogar bis in den Faulschlamm vordringen und oft findet man sie noch als letzte Überlebende, wenn der Gartenteich gekippt ist und alle andere Wasserbewohner wegen Sauerstoffmangel gestorben ist. Als Gesundheitspolizei sind Wasserasseln genauso wie ihre Schwesterart an Land ausgesprochen nützlich.

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Wasserassel (Foto: Charles J. Sharp, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International).