Auch wenn es manchen vor Spinnen ekelt oder man sich sogar vor ihnen fürchtet, für manche Spinnenart verspricht der Lebensraum Gartenteich einen reich gedeckten Tisch an Beute. Deshalb haben sie sich auf ein Leben am Wasser, auf oder sogar unter Wasser spezialisiert und erbeuten Mücken, Fliegen oder andere Insekten, die ihnen ins Netz gehen oder sie machen Jagd auf im Wasser lebende Wirbellose, Kaulquappen und kleinere Fische.

Einige besonders häufig an oder im pflanzenreichen, naturnahen Teich anzutreffende Spinnenarten, ihre Lebensweise und ihre besonderen Fangtechniken möchte ich im Folgenden vorstellen:

Abgesehen von den winzig kleinen Wassermilben ist die Wasserspinne (Argyronetica aquatica) die einzige Spinnenart, die tatsächlich und ständig unter Wasser lebt. Sie besiedelt stehende pflanzenreiche Gewässer vom kleinen Teich bis zum größeren Weiher.

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Weibchen der Wasserspinne (Foto: Norbert Schuller, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Bei der Wasserspinne ist im Gegensatz zu den meisten anderen Spinnen das Männchen deutlich größer als das Weibchen. Beide haben einen dunkleren, braun gefärbten Vorderkörper und einen grauen Hinterleib. Beim Weibchen ist der ganze Hinterleib von einer silbrig glänzenden Hülle umgeben, in der sie ihren Luftvorrat unter Wasser mit sich herumträgt. Beim Männchen fehlt dagegen diese Lufthülle am Hinterleib.

Das Weibchen baut unter Wasser zwischen den Wasserpflanzen glockenförmige Hohlräume, die mit Luft gefüllt werden. Dazu webt sie zunächst ein flaches Gespinst zwischen Wasserpflanzen. Dann sezerniert sie einen Spinnfaden, den sie zur Wasseroberfläche führt. Als nächstes streckt sie ihren Hinterleib und ihre gekreuzten Hinterbeine über die Wasseroberfläche hinaus, reißt ruckartig eine größere Luftblase ins Wasser und seilt sich dann an ihrem Spinnfaden ab bis unter das zuvor gesponnene, flache Netz. Unter diesem feingesponnen Netz öffnet sie ihre Hinterbeine, entlässt die Luftblase, die nach oben drückt und damit das Netz glockenförmig aufwölbt. Nach und nach bringt sie weitere Luftblasen mit sich, sodass mit der Zeit eine geräumige, luftgefüllte und trockene Unterwasserquartier entsteht. Eine solche Wohnglocke kann mehrere Monate halten, die Spinne muss lediglich ab und zu den Luftvorrat wieder auffüllen. In solch einer Wohnglocke ernährt sich die Spinne von erbeuteten Kleinlebewesen und paart sich auch dort mit dem Männchen. Dann legt sie dicht unter der Wasseroberfläche eine zweite Luftglocke an, die als Kinderstube dient. Diese Luftglocke ist zweigeschossig. Im oberen Stockwerk liegen die Eier, 20 bis 100 an der Zahl. In der unteren Etage lebt die Mutterspinne, bewacht und versorgt ihre Jungen mit frischer Luft.

Zum Überwintern legt die Wasserspinne eine eigens zu diesem Zweck gesponnene Überwinterungsglocke an oder sie nutzt einfach ein leeres, luftgefülltes Scheckengehäuse als Winterquartier.

Die Gerandete Jagdspinne (Dolomedes fimbriatus) ist eine unserer größten einheimischen Spinnenarten. Das Weibchen kann mehr als 2cm Körperlänge erreichen, das Männchen ist fast nur halb so groß. Diese Spinne lebt an den Ufern von Teichen, moorigen Weihern und Gräben und wagt sich auch auf die offene Wasserfläche. Dabei läuft sie auf dem Wasser, kann aber auch tauchen. Im Gartenteich macht sie dann Jagd auf Kaulquappen oder kleinere Fische, aber auch auf Insekten, die sie blitzschnell mit ihrem Gift tötet, ans Ufer schleift und dort verzehrt.

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Ein Weibchen der Gerandeten Jagdspinne auf der Wasseroberfläche laufend (Foto: James Lindsey at Ecology of Commanster, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Diese Jagdspinne hat eine mehr oder weniger hell-braune Körpergrundfärbung und in den Flanken ein helles weißes oder gelblich gefärbtes Längsband, welches aber nicht bei allen Exemplaren deutlich ausgeprägt sein muss.

Die Augen sind in drei Reihen angeordnet: In der vordersten Reihe 4 kleine Augen, dahinter dahinter 2 Paar größere Augen. So bilden die Augen ein Trapez, welches nach vorne zu schmäler wird.

Die Jagdspinnen sind zweijährig. Die Männchen sind zwischen Mai und Juni fortpflanzungsbereit, die Weibchen oft noch bis in den August. Nach der Paarung spinnt das Weibchen seine mehrere Hundert Eier in einen Eikokon ein, den es dann mit Hilfe seiner Greifzangen (Cheliceren) herumträgt. Bevor die Jungspinnen schlüpfen, errichtet die Mutterspinne ein halbkugelförmiges Gespinst, in dem sie den Eikokon befestigt. Die frisch geschlüpften Jungen werden bis zu ihrer nächsten Häutung von ihrer Mutter behütet.

Die Piratenspinne (Pirata piraticus) hält sich meist direkt am Gewässerufer auf. Sie ist bei uns überall häufig und auch am Gartenteich oft i großer Zahl vertreten.

Im Aussehen ähnelt sie der Gerandeten Jagdspinne, bleibt jedoch mit etwas über einem halben cm Körperlänge deutlich kleiner. Die Piratenspinne gehört zur Familie der Wolfsspinnen. Sie hat die für Wolfspinnen typische Augenstellung , wobei die hinteren 2 Augenpaare ein Trapez bilden. Charakteristisch für die Piratenspinne ist eine dunkle gabelförmige Binde auf dem ansonsten hellen Längsband des Vorderkörpers.

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Weibchen der Piratenspinne mit Eikokon (Foto: James Lindsey at Ecology of Commanster, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Piratenspinnen pflanzen sich zwischen Mai und Juli fort, einzelne Weibchen, die mit einem Ei unterwegs sind, sieht man aber auch noch bis in den September. Zur Paarungszeit führt das Männchen vor den Auge des Weibchens einen regelrechten Balztanz auf. Das Weibchen spinnt bis zu 100 Eier in einem Kokon aus Gespinstfäden ein, den es dann am Hinterleib herumträgt, bis die Jungspinnen geschlüpft sind. Diese klettern auf den Rücken ihrer Mutter und lassen sich nochmal einige Zeit herumtragen. Erst nach der ersten Häutung verlasen sie die Mutter.

Die Streckerspinne (Tetragnatha montana) hat einen schmalen Körper, und stark verlängerte Beine, wobei sie ihre ersten vier Beinpaare in Ruhestellung nach vorne streckt (wie auf dem folgenden Foto zu sehen ist) – daher auch ihr deutscher Name Streckerspinne.

Zu ihren Mundwerkzeugen gehören zwei große Scheren (den sogenannten Cheliceren), die auf der Innenseite mit spitzen Dornen besetzt sind. Damit kann die Spinne ihre Beute packen, anstechen und nachdem sie sie durch ein von ihr abgegebenes Enzym auflösen und aufsaugen. Der Körper der Streckerspinne ist etwa 1cm lang. Die Körperoberseite ist silbrig bis goldfarben glänzend mit einem dunkleren Muster.

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Im Bild eine Streckerspinne in ihrer typischen Ruhe- und Lauerstellung mit vorgestreckten Beinen; so ist sie gut getarnt und lässt ihre Beute unerkannt bis auf Reichweite herankommen (Foto: Accipiter, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Die Streckerspinne hält sich zwischen Mai und September vor allem Gewässerufer oder auf Sträucher in Ufernähe auf, wobei sie schattige Plätze bevorzugt. Dort baut sie dann auch ein einfaches Radnetz mit einem offenen Loch in der Netzmitte.

Zur Fortpflanzung packt das Männchen der Streckerspinne mit seinen Scheren das Weibchen so, dass die giftigen Klauen des Weibchens mit den Zähnen so passgenau festgehalten und blockiert werden, dass das Männchen beim Paarungsakt nicht getötet wird.

Hin und wieder sieht man im Teichwasser winzig kleine, rote Kügelchen umher schwimmen. Dabei handelt sich um eine der zahlreiche Wassermilbenarten, die aber auch – weniger auffällig – grau, gelblich, gescheckt oder blau gefärbt sein können. Die Größenspanne dieser winzig kleinen Spinnentiere reicht von 0,5 bis 4mm Länge. Die meisten haben einen kugelrunden bis eiförmigen Körper, manche sind aber auch etwas eckiger gebaut oder der Körper ist tallienförmig eingeschnürt. Vorne haben diese Wassermilben 1 oder 2 Augenpaare, Taster und Greifzangen als Mundwerkzeuge, außerdem am Körper vier Beinpaare (wie alle ausgewachsenen Spinnentiere). Die frisch geschlüpften Larven haben dagegen nur 6 Beine. Diese Beine sind bei vielen Arten mit langen Schwimmhaaren besetzt.

Während die adulten Wassermilben sich räuberisch von Insektenlarven, Wasserflöhen und anderen Kleinkrebsen ernähren, leben die Larven der Wassermilben parasitisch. Dazu heften sie sich – wie im folgenden Bild zu sehen – beispielsweise an Libellen an, mit denen sie dann auch unter Umständen zu einem anderen Gewässer getragen werden. Auf diese Weise können auch neu angelegte Gartenteiche von Wassermilben besiedelt werden.

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Dunkelrote Wassermilbenlarven der Gattung Arenurus, die sich an einer Binsenjungfer Lestes dryas angeheftet haben (Foto: Christian Fischer, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).