Zu den Wasserwanzen zählen die Familien der Skorpionswanzen (Nepidae), der Schwimmwanzen (Naucordiae), der Rückenschwimmer (Notonectidiae) und der Ruderwanzen (Corixidae).

Neben den Rückenschwimmern zählen vor allem die Skorpionswanzen zu den interessantesten Vertreter, was sowohl ihr Aussehen als auch ihr Verhalten angeht. In unseren einheimischen Gewässer gibt es nur zwei Arten, die leicht voneinander zu unterscheiden sind: Den Wasserskorpion (Nepa rubra) und die Stabwanze (Ranatra linearis). Beide findet man auch gar nicht so selten in einem relativ naturnahen, größeren Gartenteich.

Der Wasserskorpion hat einen breiten, flachen Körperbau mit einem bis zu 1cm langen, starren Atemrohr. Die Vorderbeine sind zu Fangbeinen umgebildet, mit denen er seien Beutetiere regelrecht in die Zange nehmen kann. Sowohl diese Fangbeine als auch die übrigen 3 Beinpaare werden meist flach in einer Ebene mit dem Körper gehalten und abgespreizt. Der Wasserskorpion hat zwar voll entwickelte Flügel, ist aber trotzdem flugunfähig. Er hält sich lieber im flachen Wasser in Ufernähe auf, dabei ragt seien Atemröhre immer etwas über den Wasserspiegel empor. Er hat stets eine Luftblase unter der Flügeldecke, dadurch hat er genügend Auftrieb und schwimmt langsam immer dicht unter der Wasseroberfläche.

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Ein Wasserskorpion lauert zwischen den Teichpflanzen auf seine Beute (Foto: James Lindsey at Ecology of Commanster, Creative Commons Attr.-Share Alike 2.5 Generic).

Zwischen den Teichpflanzen lauert der Wasserskorpion auf Beute, das sind meist kleinere Wassertiere. Jungfische oder Kaulquappen werden nicht angegriffen. Die breiten, flachen Unterschenkel bilden den verlängerten Füßen zusammen einen stumpfen Winkel. Gerät ein Beutetier in diesen Bereich, dann klappt der Fuß blitzschnell gegen den Unterschenkel und klemmt so das Beutetier ein. Der Wasserskorpion zieht die Beute an seinen Kopf heran, sticht mit dem Rüssel zu und saugt die Beute aus. So martialisch dies klingt, für Menschen sind Wasserskorpion völlig harmlos. Allerdings habe ich einmal einen mit der Hand zu fangen versucht und bin dabei recht schmerzhaft attackiert worden – ob mit dem Atemrohr, den Vorderbeinen oder den Mundwerkzeugen, das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Das Weibchen des Wasserskorpions legt die Eier in Algenwatten oder weiche, teilweise auch sogar bereits angefaulte Pflanzenteile ab. Diese Eier sind verhältnismäßig groß und 6 bis 8 fadenförmige Luftröhren. Dadurch sind die Eier zwar unter Wasser, werden aber über die Fäden mit Frischluft versorgt, sodass sie nicht faulen. Die Larven sehen zunächst aus wie kleine Wanzen, ihr winzig kleines Atemrohr nimmt von Häutung zu Häutung an Länge aus. Zum Sommerende sind sie dann nach der fünften Häutung ausgewachsen. Wasserskorpion gehören nämlich wie alle Wasserwanzen zu den Insekten mit einer unvollständigen Entwicklung, d. h. sie legen keine Puppenruhe ein. Vielmehr werden die Larven von Stadium zu Stadium den adulten Wasserwanzen immer ähnlicher.

Die Stabwanze hat zwar ebenfalls ein langes, dünnes Atemohr, da aber auch der übrige Körper langgestreckt und sehr schmal ist, fällt das im Gegensatz zu Wasserskorpion nicht weiter auf. Das Atemrohr ist sogar mit bis zu 4cm etwa gleichlang wie der übrige Körper. Auch der Kopf ist klein; die Augen stehen kugelförmig hervor, so dass sie ihre Beute im Rundumblick erspähen kann. Ähnlich wie die Gottesanbeterin nutzt die Stabwanze ihre stark verlängerten, dünnen und zum Laufen nicht geeigneten Vorderbeine zum blitzschnell Fang ihrer Beutetiere. Die übrigen 2 Beinpaare sind ebenfalls recht lang und dünn. Mit deren Hilfe kann sie zwar gut schwimmen, stakst aber lieber langsam durch die Wasserpflanzen. Dann lauert sie längere Zeit völlig bewegungslos mit geöffneten, leicht angewinkelten Fangbeinen und schlägt blitzschnell zu, sobald ein Beutetier in Reichweite kommt. Zu ihrer Beute zählen neben Larven von Insekten auch Kaulquappen und kleine Fische.

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Die Stabwanze Rantra linearis (Foto: James Lindsey at Ecology of Commanster, creative Commons Attr.-Share Alike 2.5 Generic).

Das Weibchen liegt seine Eier in Reihen in schwimmenden oder abgestorbenen Schilf- und Binsenstängeln oder auch in Seerosenblättern ab. Die Eier liegen dabei gut geschützt eingebettet in das Pflanzengewebe, werden aber durch 2 lange Atemfäden ähnlich wie die Eier des Wasserskorpions mit Frischluft versorgt. Zwischen Mai und Juni schlüpfen die ersten Larvenstadien aus den Eiern und entwickeln sich bis zum Herbstbeginn in 5 Häutungen zum Vollinsekt. - Im Gegensatz zu den Wasserskorpionen können die Stabwanzen auch fliegen.

Die Schwimmwanzen besiedelt pflanzenreiche, stehende und langsam fließende Gewässer. Am häufigsten und weit verbreitet ist die Art Ilyovoris cimidoides. Auf den ersten Blick sieht sie mit ihrem kurzen, breiten Körper einem Wasserkäfer ähnlich. Ihre Vorderbeine sind jedoch – wie bei anderen Wasserwanzen auch – zu kurzen, kräftigen Fangbeinen entwickelt, während die Hinterbeine lange Schwimmhaare haben. Wie die meisten Wanzen haben sie ein dreieckiges Halsschild. Die Körperfarbe ist grünlich bis bräunlich ohne weitere Zeichnungen. Diese Schwimmwanze ist etwa 1 1/2cm lang.

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Schwimmwanzen Ilyocoris cimicoides (Foto: Dick Belgers, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Die Körperunterseite und der Hinterleibsrücken sind dicht mit samtartigen Härchen besetzt. Damit hält sie die unter Wasser silbrig glänzende Luftschicht fest, in die ihre Atemöffnungen des Tracheensystems münden. In regelmäßigen Abständen schießt die Schwimmwanze bis zu Wasseroberfläche empor und das Hinterleibsende mit seinen Atemöffnungen zum Luftholen aus dem Wasser heraus. Während sie mit Hilfe der langhaarigen Hinterbeine ausgezeichnet schwimmen kann, werden die Vorderbeine zum Ergreifen und Töten der Beutetiere genutzt. Die Beute wird mit dem Rüssel angestochen und ausgesaugt. Der Stich kann auch für Menschen recht schmerzhaft sein. Schwimmwanzen also lieber nicht mir der Hand berühren oder gar aus dem Wasser herauszufangen versuchen. Zusätzlich mit dem Sekret wird nämlich auch ein Gift in die Stichwunde gespritzt.

Das Weibchen der Schwimmwanze legt mit Hilfe seiner Legeröhre die Eier in Wasserpflanzen dicht unter der Wasseroberfläche ab. Auch die Larven dieser Schwimmwanzen durchlaufen fünf Stadien, bis sie sich zum ausgewachsenen Vollinsekt entwickelt haben. Schwimmwanzen überwintern als adulte Insekten zwischen den Wasserpflanzen.

Die Familie der Rückenschwimmer sind mit 6 Arten in den Gewässern Mitteleuropas vertreten. Am häufigsten ist der Rückenschwimmer Notonecta glauca, er besiedelt pflanzenreiche Teiche und Tümpel. Er ist etwa 1,5cm groß. Der Rücken ist stark gewölbt und hell gefärbt, die Bauchseite dagegen dunkle und flach. Damit ist er gut getarnt vor im Wasser lebenden Fressfeinden. Denn der Rückenschwimmer hängt mit dem Rücken nach unten an der Wasseroberfläche. Das liegt daran, dass auf der Bauchseite sich die Luftkammern befinden, die ihm das Atmen unter Wasser ermöglichen. Die Luftkammern bestehen aus 2 Längskanälen, die von vier dichten Reihen schwarzer Härchen gebildet werden. Dadurch ist der Schwerpunkt des überkompensierten Körpers nach unten verlagert und die Bauchseite wird nach oben gekehrt. Meist hängt der Rückenschwimmer ruhig am Wasserspiegel und stützen sich dabei mit den Klauen der hinteren und mittleren Beinpaare und den steifen Haarborsten der letzten Segmente des Hinterleibs ab.

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Ein Rückenschwimmer Notonecta glauca hängt „upside down“ an der Unterseite des Wasserspiegels, wobei sich seine Bauchseite an der Wasseroberfläche spiegelt (Foto: E. Van Herk, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Rückenschwimmer können jedoch auch sehr gut fliegen und damit auch Gewässer leicht neu besiedeln. So gelangen sie auch hin und wieder in den Gartenteich. Sie ernähren sich von an der Wasseroberfläche und unter Wasser lebenden Insekten, wobei sie blitzschnell zustoßen, die Beute anstechen, ein Sekret in die Beute spritzen, um sie aufzulösen und aufzusaugen. Der Stich kann auch für Menschen sehr schmerzhaft sein und zu Hautentzündungen führen. Daher nie versuchen, Rückenschwimmer mit der Hand zu fangen!

Neben den Rückenschwimmern der Gattung Notonecta gibt es auch eine Miniaturausgabe, den Zwergrückenschwimmer Plea minutissima. Er ist nur 2 bis 3mm groß. Er erbeutet vor allem Wasserflöhe als Nahrung.

Die Familie der Ruderwanzen ist in unseren Gewässern mit 41 Arten, die sich auf Gattungen verteilen, vertreten. Sie ähneln sich untereinander. Eine der häufigsten Arten ist die Ruderwanze Corixa punctata.

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Ruderwanze Corixa (Foto: Thomas Bresson, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported)

Diese Ruderwanze ist etwa 15mm groß. Sie sieht dem Rückenschwimmer ähnlich, schwimmt aber nicht auf dem Rücken. Denn bei ihr wird die Luftblase zwischen Kopf und Hals und unter den Flügeldecken geklemmt. Da aber auch die Ruderwanze mit diesem Luftpolster überkompensiert ist, muss sie sich an Wasserpflanzen festhalten, sonst treibt sie die gespeicherte Luft nach oben. Lediglich um ihren Luftvorrat zu erneuern, kommt sie nach oben an die Wasseroberfläche.

Die Ruderwanze ist ein guter Flieger, und kann deshalb rasch neue Gewässer besiedeln. Daher ist sie oft als erstes Insekt in einem neu eingerichteten Gartenteich zu sehen. Um während der Balz die Corixa-Weibchen zu stimulieren, zirpen die Männchen ähnlich wie Grillen und Zikaden. Ruderwanzen werden deshalb auch Wasserzikaden genannt.

Ruderwanzen sind nicht wie die anderen Wasserwanzen Räuber, sondern ernähren sich vegetarisch, indem sie Algenaufwuchs abschaben und aufsaugen.