Über Stechmückenlarven in Gartenteich und Regentonne und wie man mit Hilfe von Fischen oder Schwimmpflanzen dezimieren kann, damit sich aus ihnen keine blutsaugenden Weibchen entwickeln können, habe ich ja vor einiger Zeit bereits einen Beitrag hier im Forum geschrieben (> https://forum.floristik24.de/threads...=Stechm%FCcken).

Aber es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Teichbewohner aus der Ordnung der Mücken und Fliegen, von denen ich hier einige besonders auffallende Vertreter in Wort und Bild vorstellen möchte.

Die meisten sind für uns Menschen harmlos, einige sind aber wichtige Indikatoren für die Wasserqualität im Gartenteich.

Die größte Gruppe stellt dabei die Familie der Zuckmücken (Chironomdae). Man nennt sie Zuckmücken, weil viele Arten im Larvenstadium wurmförmig schlank und langgestreckt sind und sich im Wasser zuckend und schlängelnd fortbewegen. Die meiste Zeit verhalten sie sich jedoch mehr oder weniger ruhig in ihren selbstgebauten röhrenförmigen Gehäusen, welche sie aus dem Spinnsekret ihrer Speicheldrüsen herstellen.

Die Larven der artenreichsten Gattung Chironomus leben in Röhren, die im schlammigen Gewässergrund liegen. Beide Röhrenenden sind hochgezogen, so dass sie knapp über den schlammig-sandig Untergrund hinausragen. So werden die Larven mit Frischwasser versorgt und gleichzeitig können sie sich im Schlamm von pflanzlichen Mikroorganismen und Detritus ernähren.

Die Larven einer ganzen Reihe dieser Chironomus-Arten sind leuchtend rot gefärbt. Ihr Blut ist ähnlich wie bei und Menschen mit rotem Hämoglobin angereichert. Damit können sie die oft geringen Sauerstoffkonzentrationen im und knapp über dem schlammigen Teichboden ausnutzen. Treten sie in Massen auf, dann ist dies in der Regel ein Zeichen dafür, dass der Schlamm stark mit organischen Abbauprodukten wie sich zersetzenden Pflanzen- und Futterresten belastet ist.

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So sieht eine Larve der Zuckmücken aus (Foto: Amada 44, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported). Die Färbung rührt vom roten Farbstoff Hämoglobin im Blut der Larven her.

Diese roten Zuckmückenlarven sind ein Leckerbissen für Teich- und Aquarienfische. Man zieht ein feinmaschiges Sieb langsam durch den Bodenschlamm ohne allzu viel aufzuwirbeln und spült die Ausbeute dann vorsichtig in ein Gefäß mit sauberem Wasser. Die Zuckmückenlarven können mit einem kleinen Netzkescher (gibt‘s im Aquaristik-Bedarf und im Zoogeschäft), spült den Netzinhalt noch einmal mit sauberem Wasser durch und verfüttert die Larven dann an die Fische, die sich darum reißen werden.

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Und so sieht die adulte Zückmücke aus (Foto: Janet Graham, Creative Commons Attr.-Share Alike 2.0 Generic). Besonders an den büschelförmigen Härchen an den beiden Antennen und viel geringeren Körpergröße lassen sich die harmlosen Zuckmücken eindeutig von den Stechmücken unterscheiden.

Im Gegensatz zu den und auf dem Substrat lebenden Zuckmücken-Larven, schweben die Larven der Büschelmücken meist horizontal im freien Wasser. Wissenschaftlich wird die Gattung dieser Büschelmücken Chaoborus genannt, d.h. wörtlich übersetzt Höllenhund. Aber nicht erschrecken, Larven und adulte Büschelmücken sind für Menschen völlig ungefährlich und harmlos. Allerdings für die um sie herum ebenfalls schwebenden Wasserflöhe, Hüpferlinge und anderes Zooplankton.

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Im Bild die Larve einer Büschelmücke (Chaoborus) (Foto: Viridiflavus, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported). Diese Larven sind fast völlig durchsichtig, man sieht den lang gestreckten Verdauungstrakt, braun gefärbt, und dicht oberhalb der Rückenlinie den Hauptstrang des Nervensystem. Dank zweier Luftblasen (im Bild silbrig glänzend, eine im Hinterleib und eine im Abschnitt der Brustsegmente) kann die Larve lange Zeit in Schwebe bleiben. Sie kann dank ihrer relativ großen Augen hervorragend sehen und ihre Beute erspähen, vor allem Wasserflöhe., die mit ihren Kieferzangen, den Mandibeln, blitzschnell packt und sich einverleibt.

Die Gattung Chaoborus hat insgesamt 4 Arten. Ihre Larven führen meist tagsüber ein verstecktes Leben im Bodenschlamm und schweben erst im Schutz der Dunkelheit in das freie Wasser empor. Solche tagesperiodischen Vertikalwanderungen schützen sie vor ihren Fressfeinden, hauptsächlich Fischen, für die Büschelmückenlarven eine weitere Delikatesse sind. Außerdem führen auch Wasserflöhe, Hüpferlinge und andere planktisch lebende Kleintiere eine ähnliche Vertikalwanderung und schweben erst im nachts Richtung Wasseroberfläche empor – ebenfalls, um sich vor Fischen und anderen Fressfeinden zu schützen.

Die adulten Büschelmücken sehen denen der Zuckmücken ähnlich. Die Männchen der Büschelmücken haben buschig behaarte Fühler – daher der Name Büschelmücken.

Mit der nächsten Gruppe, der Familie der Bremsen (Tabanidae) wird es nun doch auch für Menschen etwas unangenehm. Ihre Weibchen können zum Blutsaugen an Armen und Beinen recht schmerzhaft zustechen. Die Weibchen haben einen kurzen, aber kräftigen Saugrüssel mit messerartig scharfen Kieferzangen (Mandibeln). So auch unsere häufigste Art, die Regenbogenbremse. Sie hält sich in feuchtem Milieu auf Feuchtwiesen und in Sümpfen, gelegentlich aber auch in der Feuchtzone unserer Gartenteiche. Ihre Larven entwickeln sich dort im feuchten Uferboden. Ähnlich verhält sich auch die Goldaugenbremse und andere Bremsenarten.

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Eine adulte Regenbogenbremse, in Mitteleuropa die häufigste Bremsenart (Foto: Guido Gerding, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Eine letzte Gruppe von Insekten, deren Larven im oder am Gewässer leben, sind die Vertreter der Familie der Schwebfliegen (Syrphidae). Die meisten adulten Schwebfliegen sind auffallend bunt gefärbt und ahmen damit als Mimikry wehrhafte Wespen oder Bienen nach, das dient der Abschreckung von Vögeln und anderen Fressfeinden. Die Schwebfliegen selbst sind aber völlig harmlos. So auch die sogenannte Mistbiene der Gattung Eristalis. Wenn man aber beim Keschern am Bodengrund des Gartenteiches ihre Larven im Netz findet, dann bedeutet dass dies Alarmstufe Rot für den Gartenteich.

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Im Bild eine Rattenschwanzlarve aus der Familie der Schwebfliegen (Foto: LoKiLeCh, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported). Die sieht nicht nur recht ekehaft aus, sie ist es meist auch. Denn sie lebt im Faulschlamm, der kaum noch Sauerstoff, aber bereits Schwefelwasserstoff (riecht nach faulen Eier) enthält. Dazu ist sie in der Lage das Hinterende ihres Körper sich in eine langgestreckte Atemröhre fortsetzt. Diese Atemröhre kann sie wie ein Teleskop ausfahren und damit weiter über den Faulschlamm hinausreichen, um sich mit Sauerstoff aus dem Teichwasser zu versorgen.

Findet man mehrere solche Rattenschwanzlarven im Teichboden, dann wird es Zeit für eine Generalüberholung den Gartenteichs. Den Teichgrund sollte man soweit wie möglich entschlammen (mit einer Teichpumpe absaugen lassen) und auch einen Teil des Teichwassers durch Frischwasser ersetzen. Sonst droht der Teich bald zu „kippen“ und es kann ein Massensterben von Tieren, auch den Teichfischen, einsetzen, wenn der Faulschlamm aufgewirbelt und dann Schwefelwasserwasserstoff und das Sumpfgas Methan in die Freiwasserzone gelangen.