Kassler Strünckchen oder Schlupperkohl war eine alte nordhessische Spezialität, die gerade erst wieder entdeckt worden ist. Die Samen wurden im Mai in Reihen gesät und die Ernte war Mitte Juli bis September. Zu dicht Gesätes wurde später ausgedünnt und vereinzelt, damit die Strünckchen auch schön dick wachsen konnten. Die Höhe der Strünckchen betrug zwischen 50 und 70cm, die Dicke der Strünckchen betrug zu 7 cm.


Nach der Ernte wurden die Blätter extra verarbeitet; die Strünckchen wurden geschält, geschnitten wie Möhren Stücke und in Wasser gekocht. Dann wurden die Blätter geschnitten, mehrmals gewaschen und dann extra gekocht. Für den Wintervorrat kochte man die vorgekochten Blätter und Strünckchen dann in Einmachgläsern ein. Die Blätter wurden etwas mehr als halbvoll in das Einmachglas gegeben und oben drauf kam dann ein guter Teil der Strünckchen. So hatte man im Herbst und Winter immer das geliebte Gemüse parat. Später wurde es dann eingefroren, das war praktischer und nahm weniger Zeit in Anspruch. Die Blätter wurden mit verwendet, damit es auch immer genügend Schlupperkohl zum Essen gab. Nur die Strünckchen zu verarbeiten, das konnte sich damals auch keiner richtig leisten. Denn der Schlupperkohl war früher ein echtes Arme-Leute-Essen.


Heute verwendet man statt der Kassler Strünckchen meist die Strünckchen von dem Romanasalat-Pflanzen. Denn, obwohl der Schlupperkohl in Nordhessen wieder angebaut wird, ist es gar nicht so einfach, irgendwoher die Samen zu bekommen. Der Ursprung des Schlupperkohl ist schwer zu rekonstruieren. Der Schlupperkohl soll eine spezielle Sorte des Spargelsalates Lactuca sativa angustana sein. Anfang des 19. Jahrhundert sollen angeblich Chinesen die Pflanze nach Europa gebracht haben.

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So sieht er frisch geerntet aus, der Schlupperkohl, eine spezielle Sorte des Kopfsalates. Hier sind die Blätter allerdings schon zurecht gestutzt. (Foto: Downtowngal, Creative Commosn Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Der Geschmack des Schlupperkohles liegt zwischen zarten Kohlrabi, Blumenkohl und Kartoffeln.


Doch nun zum Rezept! An Zutaten braucht man: Natürlich die gekochten Strünckchen, man nimmt etwa 4 bis 5 Stück davon und die geschnittenen und gekochten Blätter. Für die Soße benötigt man etwa 100 g fetten oder mageren Speck, 3 Esslöffel Weizenmehl und etwa 250 ml 3,5%-ige Milch, Salz, Pfeffer, Muskat und etwas gekörnte Gemüsebrühe.


Zunächst den Speck in kleine Würfel schneiden und in wenig Margarine ausbraten. Dann die Zwiebel schälen, ebenfalls in kleine Würfel schneiden und in dem ausgebratenem Speck anbraten. Nun das Mehl zugeben und anschwitzen. Mit der Milch alles ablöschen und die Strünckchen und Blätter dazu geben, dann gut umrühren, damit nichts anbrennt. Wenn die Soße zu dick wird, noch etwas mehr Milch zugeben. Zum Schluss alles mit Salz, Pfeffer, Muskat und der Gemüsebrühe abschmecken.


Serviert wird das Schluppelkohl- Gemüse meist mit Frikadellen und Salzkartoffeln; aber auch Bratwurst oder Kotelett passen hervorragend zu Schlupperkohl und Kassler Strünkchen.