Einen Schmetterlingsgarten mit Sommerflieder, Brennnesseln, Disteln und anderen Futterpflanzen von unseren häufigeren Schmetterlingen wie dem Kleinen Fuchs, dem Tagpfauenauge und dem Admiral anzulegen (> http://forum.floristik24.de/threads/...terlingsgarten ) ist die eine Sache. Aber um gezielt seltene und besonders prachtvolle Schmetterlinge anzulocken, bedarf es noch mehr Engagement. Denn, dass einige Schmetterlinge bei uns in Mitteleuropa so selten geworden sind, dass liegt zum großen Teil auch daran, weil die von ihnen bevorzugten Pflanzen kommen in der ausgeräumten Landschaft zu finden sind und auch kaum noch oder noch nie im Garten gepflegt wurden.

Außerdem unterscheiden sich die Futterpflanzen der Raupen in den allermeisten Fällen von den Blütenpflanzen, an denen die adulten Schmetterlinge Nektar saugen. Das Nahrungsspektrum ihrer Raupen ist in der Regel viel enger gefasst als das ihrer Schmetterlingseltern. Außerdem ist der Aktionsradius einer Raupe viel kleiner als die Flugdistanzen, die die Schmetterlingsarten zum Besuch der Blüten zurücklegen können. Will man seltene Schmetterlingsarten also auf Dauer und nicht nur zum kurzen Blütenbesuch in den eigenen Garten locken, so muss man vor allem für die passenden Futterpflanzen sorgen. Und gehen die „Geschmäcker“, was die bevorzugte Futterpflanzen der Raupen und die Lieblingsblumen und -stauden des Gartenästheten angeht, oft weit auseinander. Dazu ein drastisches Beispiel: Zitronenfalter haben eine lange Lebensdauer und sie sind eigentlich gar nicht so selten, nur im Garten sieht man sie kaum noch. Und das liegt vor allem an der ungewöhnlichen Futterpflanzen der Raupen des Zitronenfalters: Sie fressen ausschließlich die Laubblätter des einheimischen Faulbaumes. Aber wer hat schon einen Faulbaum im Garten?


Einer der schönsten Schmetterlinge ist sicher der Schwalbenschwanz. Er ist zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, aber auch er steht bereits unter strengem Schutz. Ab und zu stattet er dem Garten einen Kurzbesuch ab, da er bei der Blütenwahl, um hier da ein wenig Nektar und einen Tautropfen aufzunehmen.

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Relativ häufig unter den Ritterfaltern ist nur noch der schön gezeichnete Schwalbenschwanz ( Foto : Boschfoto, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International).

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Im Bild die ebenso auffallend gezeichnete Raupe des Schwalbenschwanz (Foto: Madan subedi1, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International).

Doch es wäre gar nicht so schwierig, das Weibchen auch im Garten zur Eiablage zu bewegen. Denn das Nahrungsspektrum ihrer Raupen ist recht breit gestreut, es müssen nur Pflanzen aus der Familie der Doldengewächse sein. Und die gibt es eigentlich auch in jedem Gemüse- und Kräutergarten mit Möhren und Rüben, Pimpinelle, Kümmel, Dill und Petersilie. Nur leider werden diese Pflanzen auch von den meisten Schädlingen (Möhrenfliege u. v. m.) heimgesucht und deshalb auch besonders oft und präventiv mit Pflanzenschutzmitteln besprüht. Warum einfach nicht mal etwas mehr dieser Doldengewächse ansäen, vielleicht in einer separaten Ecke, die man auch den Raupen zum Fressen überlässt? Zum Wohlbefinden der adulten Schmetterlinge braucht man dann nur noch eine kleine Wasserstelle (z.B. eine Vogeltränke oder einen flachen Stein in der Flachwasserzone eines Gartenteiches, der knapp über den Wasserspiegel hinausragt) und eine Salzleckstelle, an der sie Mineralien aufnehmen können. Aus der Gruppe der Ritterfalter kommen auch noch 4 weitere Arten vor: der dem Schwalbenschwanz ähnliche, aber größere Segelfalter, der Osterluzeifalter, sowie der Appollofalter und der Schwarze Apollo. Aber diese Ritterfalter in den Garten zu locken, dürfte extrem schwierig sein. Am ehesten könnte es beim Apollofalter gelingen; seine Raupen fressen ausschließlich an den Blättern des Weißen Mauerpfeffers Sedum album, eine sehr dekorative Steinpflanze, die auch sehr pflegeleicht und robust ist. Einen Versuch ist es wert, und wenn s mit dem Apollo nicht klappen sollte, hat man doch eine dekorative Staudenart, die bald dichte Polster bildet.

Von den sogenannten Edelfaltern sind besonders das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs regelmäßig im Garten anzutreffen. Im Gegensatz zum Großen Fuchs: In der freien Natur leben die Raupen zwar von den Blättern der Weiden, Pappeln und Ulmen, im Garten aber würden sie sich ersatzweise am Laub der Obstbäume schadlos und das wurde ihnen beim lange Jahre üblichen Einsatz von Giftspritzen in den Obstkulturen zum Verhängnis.

Häufiger trifft man in einem einigermaßen naturnah geführten Garten noch auch den Admiral und den Distelfalter. Denn die Raupen beider Arten fressen vor allem an Brennnesseln und Disteln. Einziges Problem: Man muss diese „Unkräuter“ einfach mal stehen lassen! Ein sehr schöner Vertreter der Edelfalter ist der Trauermantel. Er ist zwar weitverbreitet, aber überall nicht häufig. Seine Raupen sind nämlich auf einheimische Laubbäume wie die Birke, die Espe ,die Ulme und die Salweide angewiesen – als Baumarten, die auch in der Frostwirtschaft kaum noch eine Rolle spielen. Aber eine kleine Gruppe von Birken sieht doch auch im Garten sehr dekorativ aus, im Heidegarten sollten sie schon gar nicht fehlen. Sie wachsen sehr schnell heran, aber die Raupen des Trauermantels ziehen ohnehin kleinere Exemplare vor. Vielleicht gelingt es ja mit einem kleinen Birkenhain dem Trauermantel ein Refugium im Garten zu bieten.

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Im Bild ein Prachtexemplar des adulten Trauermantels (Foto: Mzalfres, Public Domain)

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Die lebhaft gefärbte Raupe des Trauermantels (Foto: Wtrhower, Public Domain)

Zum Schluss möchte ich noch zwei herrliche Falter aus der Familie der Bärenspinner vorstellen: Den Braunen Bär und den Russischen Bär. Der Russische Bär kommt in Deutschland nur südlich einer Linie Harz – Krefeld vor. Er ist bei uns vom Aussterben bedroht. Das liegt weniger an den Raupen, die an Taubnesseln, Brennnesseln und Weidenröschen, im Frühjahr an den noch jungen Blätter von Haselnuss und Himbeere fressen, sondern am Lebensraum der adulten Schmetterlinge. Denn die halten sich am liebsten in kalkreichen Schluchten und an Steilhängen mit Sturzbächen auf. Solche Tobelbäche findet man vor allem in der Umgebung von Überlinger und Untersee, also im westlichen Bodenseegebiet. Meine Großeltern hatten am Bodensee-Untersee ein Gartengrundstück mit einer großen, sich selbst überlassenen Wiese in Reichweite eines solchen Tobelbaches. Und hier auf der Wiese konnte ich regelmäßig den Russischen Bär auf der Suche nach Nektarquellen und geeigneten Eiablageplätzen beobachten.

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Im Bild der Russische Bär aus der Familie der Bärenspinner (Foto: Andreas Eichler, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International)

Gar nicht so selten ist dagegen der Braune Bär. Die adulten Schmetterlinge trifft man sogar recht häufig in weitläufigen Gärten und Parks, wo sie sich vor allem an feuchten, schattigen Plätzen aufhalten. Und ab und zu kriecht einem sogar eine der großen, dunklen Raupen, mit langen roten Borsten rund um den Kopf, über den Weg. Das Spektrum der Futterpflanzen ist sehr groß; dazu zählen vor allem die Blätter von Zier- und Oststräuchern, aber auch einige Staudenpflanzen.