Gerüche und Düfte wahrzunehmen, dies gehört zu einer unserer best entwickelten Sinneswahrnehmungen – obwohl wir es natürlich mit dem Geruchssinn unserer Katzen und Hunde nicht aufnehmen können. Und wo könnten man solche Dufterlebnisse besser wahrnehmen, als einem trocken-heißen Tag im Spätfrühling oder nach einem üppigen Landregen im Spätsommer als im Garten!

Doch die professionellen Stauden- und Blumenzüchter überbieten sich mit immer neueren und gewagteren Form- und Farbvarianten und der Duft der Blumen bleibt dabei oft auf der Strecke. Auch ist dies ist ein Grund für den dramatischen Rückgang an Schmetterlingen, Bienen und anderen Insekten in unseren Gärten, die sich vom Duft der Blumen anlocken lassen, wenn er ihnen nicht systematisch abgezüchtet worden wäre.

Doch es setzt allmählich eine Rückbesinnung auf duftende Gartenräume ein: Das können Heil- und Kräuterpflanzengärten, mediterrane Gärten oder Wildblumenwiesen im Naturgarten sein. Und es gibt sie noch: Alte, betörend duftende Damaszener-Rosen, duftende Blüten von Zitrusgehölzen, nach Vanille riechendes Mädesüß, Duftpelargonien, fruchtig duftende Minzsorten oder die herberen Duftnoten der unzähligen Salbeiarten.

Grundsätzlich lassen sich drei Typen von duftenden Pflanzen daran unterscheiden, wann und wie sie ihren ganz eigenen, charakteristischen Duft verströmen:

Duftpflanzen im engeren Sinne setzen von sich aus auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung ätherische Öle, Balsame, Harze und andere Aromastoffe frei. Der charakteristische Duft wird selbstständig über ihre Blätter und Nadeln, Früchte oder Samen freigesetzt; selbst Pflanzenstängel oder Wurzeln können einen Wohlgeruch verströmen. Zu diesem Typ von Duftpflanzen gehören viele ein- und zweijährige Sommerblumen, Wildsträucher und -stauden.

Kontaktduftende Pflanzen geben ihre Duftstoffe erst frei, wenn sie berührt werden, wenn Mensch oder Tier sie streifen. Meist handelt es sich um Blattdufter. Bei ihnen kommt also neben dem Erkennen durch Sehen und Riechen auch der Tastsinn zum Einsatz.

Aromapflanzen: Ihre charakteristische Note wird oft erst in der Kombination von Geruchs- und Geschmackssinn wahrgenommen. Ihr Aroma wird nur dann freigesetzt, wenn man ihre Blättern, Rinde oder Wurzeln zerreibt oder zerbröselt. Ihr volles Aroma entwickeln manche dieser Pflanzen sogar erst beim Kauen und im Rachen-Nasenraum, wenn sich Geruch und Geschmack zum für die Pflanze typischen Aroma zusammen. Zu diesem Typ zählen die meisten unserer Küchenkräuter und auch viele Heilpflanzen.

Während man Farben und Formen von Blättern und Blüten nach charakteristischen Mustern ordnen kann, ist es bei der immensen Zahl der Duftnoten der Pflanzen schier unmöglich. Denn eine einzelne Duftnote kann sich aus bis zu 500 Einzelkomponenten zusammensetzen: Das können Alkohole, Aldehyde, Ester, Glycoside, Terpene und viele andere Kohlenwasserstoffverbindungen sein. Pflanzendüfte lassen sich deshalb auch nur unzureichend beschreiben: „Das duftet nach Vanille, Nelken oder Lavendel“ oder so ähnlich, trifft es aber nie ganz genau. Und das ist auch gut so, denn so gelingt es kaum, einen bestimmten Pflanzenduft künstlich anhand chemischer Grundsubstanzen identisch und in industriellem Maßstab herzustellen.

Bei aller Euphorie muss man sich jedoch vor Augen oder sollte ich besser sagen „vor die Nase halten“, dass die Pflanzen all diese Duft- und Aromanoten im Laufe ihrer Stammesgeschichte nicht für uns Menschen zum Wohlgefallen entwickelt haben, sondern um das Überleben ihrer Art zu sichern:

So locken viele Blütenpflanzen durch das Ausscheiden ätherischer Öle Schmetterlingen, Bienen und Hummeln, Schwebfliegen und andere Insekten auf der Suche nach Nektar und Pollen an, um damit ihre Bestäubung zu sichern. Und das müssen auch gar keine Wohlgerüche sein – Stinkmorcheln und Fliegenblumen stinken für uns geradezu bestialisch, für Aas- und Dungfliegen sind sie dagegen unwiderstehlich.

Manche Duftstoffe und Aromen dienen auch zur Verteidigung der Pflanze, sie sollen Fressfeinde oder Parasiten abschrecken.

Und es gibt sogar Pflanzen, die rufen mit Hilfe von Duftsubstanzen, die sie an die Luft abgeben, um Raubinsekten zu Hilfe zu rufen, wenn ihre Blätter angefressen werden. Frisst beispielsweise eine Schmetterlingsraupe oder die Larve eines Blattkäfers ein Laubblatt an, dann stößt die Pflanze eine ganze Wolke von Duftmolekülen quasi als Hilferuf aus, und manche Schlupfwespe oder ein anderes Raubinsekt nimmt solch ein Duftmolekül noch in einer Entfernung von 1km wahr und eilt der Pflanze zu Hilfe. Das Schlupfwespenweibchen legt ein Ei in die Raupe, und die aus dem Ei schlüpfende Larve frisst die Raupe langsam von Innen auf.

Aber Blattdüfte können noch weitere Funktionen haben. In sehr trocken-heißen Regionen schützen die über die Blattoberfläche ausgeschiedenen ätherischen Öle vor dem Austrocknen. Oder sie bilden eine Barriere für eindringende Krankheitskeime.

Verständlicherweise verströmen Dämmerungs- und Nachtblühende Pflanzen meist einen intensiveren Duft als Tagblüher. Denn tagaktive Bienen, Hummeln und Tagschmetterlinge werden ja neben dem Blütenduft auch optisch von der Blütenfarbe und -form angelockt, während sich Nachtfalter bei der Suche nach Pollen und Nektar vor allem auf ihren Geruchssinn verlassen müssen.