In den letzten Jahrzehnten hat das Interesse an der Pflege Fleischfressender Pflanzen stetig zugenommen. Das ist verständlich, denn viele dieser Karnivoren sehen nicht nur ungewöhnlich aus, sie haben auch ganz unterschiedliche Fangtechniken entwickelt.

Und damit ist auch die Nachfrage nach solchen Karnivoren Pflanzen gestiegen, die entweder ganzjährig oder zumindest im Sommerhalbjahr im Garten gehalten werden können.

Für die Freilandkultur prädestiniert sind natürlich unsere einheimische Arten wie die verschiedenen Sonnentauarten. Die einheimischen Karnivoren stehen zwar allesamt unter Naturschutz, werden aber inzwischen von den Gärtnereien aus zertifizierten Nachzuchten angeboten. Das Gleiche gilt für exotische Arten aus den Subtropen und Tropen, sowie für die aus Nordamerika stammenden fleischfressenden Pflanzen, von denen viele auch bei uns winterhart sind.

Zu den auch bei uns winterharten Arten, die sich ganzjährig am besten in einem Moorbeet kultivieren lassen, zählen u. a.

- die Venusfliegenfalle Dionaea muscipula; ihre oberirdischen Pflanzenteile sterben zwar nach dem ersten Frost ab, aber sie hat eine Zwiebel, die als unterirdische Speicher- und Überwinterungsorgan dient. Aus der Zwiebel treibt dann im Frühjahr die Venusfliegenfalle wieder aus. Die Pflanze ist in North und South Carolina/ USA heimisch. Sie verträgt Temperaturen bis minus 10 Grad Celsius. Neben der Naturform gibt es eine kaum überschaubare Zahl von Kultivaren (Zuchtsorten). Alle Venusfliegenfallen gehört zum Fangtyp der Klappfallen.

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Im Bild eine Kolonie von Venusfliegenfallen im Moorbeet (Foto: JaJan, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

- Sonnentauarten (Gattung Drosera): die drei einheimischen Arten Langblättriger Sonnentau (D. anglica), Mittlerer Sonnentau (D. intermedia) und Rundblättriger Sonnentau (D. rotundifolia), außerdem der Gabelblättrige Sonnentau (D.binata) aus Australien und der Fadenblättrige Sonnentau (D. filiformis) aus Nordamerika. Es gibt zwar auch eine ganze Reihe exotischer Arten, die in unseren Breiten nicht winterhart sind, aber am schönsten und formvollendetsten ist für mich der einheimische Rundblättrige Sonnentau. Alle Drosera-Arten gehören zum Fangtyp der Klebfallen.

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Rundblättriger Sonnentau (Foto: H. Zell, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Von den zahlreichen Fettkrautarten eignet sich nur das einheimische Gemeine Fettkraut Pinguicula vulgaris für einen ganzjährigen Platz im Moorbeet. Auch das Fettkraut gehört zum Fangtyp der Klebfallen; es wird jedoch zu Unrecht nur selten gepflegt, vielleicht seien Fangtechnik ist, wie der Venusfliegenfalle oder der Sonnentauarten.

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Im Bild das Gemeine Fettkraut (Foto: Jörg Hempel, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Germany)

Von den 8 regelmäßig von Züchtern angebotenen Schlauchpflanzen der Gattung Sarracenia sind mindestens 4 Arten auch in unserem Klima winterhart und eigenen sich für einen ganzjährigen Platz im Moorbeet, das sind die Gelbe Schlauchpflanze (Sarracenia flava), die Bunte Schlauchpflanze (S. leucophylla), die Purpurblütige Schlauchpflanze (S. purpurea) und die Braune Schlauchpflanze (S. rurba) sowie einige Sarracenia-Hybriden. Bei ihnen funktioniert der Beutefang nach dem Gleit- und Reusentyp. Von diesen Schlauchpflanzen ist die Purpurblütige Schlauchpflanze, bzw. eine ihrer Unterarten am frosthärtesten, sie soll Temperaturen bis minus 30 Grad Celsius unbeschadet überstehen können. Schlauchpflanzen gehören zu den Rhizompflanzen; die Fangschläuche treiben immer wieder aus dem Rhizom aus.

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Eine der schönsten Schlauchpflanzen ist die Art Sarracenia leucocephala (Foto: Aaron Carlson, Creative Commons Attr.-Share Alike 2.0 Generic (US-amerikanisch).

Die Kobralilie Darlingtonia californica stammt aus Kalifornien und Oregon. Sie bis bis minus 10 Grad Celsius winterhart und ist sogar auf eine Überwinterung im Freiland, am besten in einem Moorbeet, angewiesen, im Winter in beheizten Räumen gehalten, würde sie rasch eingehen. Sie verwendet mit ihrer schlauchartigen Gleitfalle das gleiche Fangprizip wie die Schlauch- und Kannenpflanzen.

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Die Kobralilie ähnelt auf den ersten Blick wirklich einer aufgerichteten und zum Angriff bereiten Kobra mit gespaltener Zunge (Foto: Noah Elhardt, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).