Nun endlich steht der Frühling nach einigen eiskalten Tagen wirklich vor der Tür. Jetzt sind wir auch in der richtigen Stimmung, den Frühling auch in unser Heim einkehren zu lassen. Bei Minusgraden in zweistelliger Höhe wirkt das manchmal ein wenig seltsam, wenn man Frühlingsblüher aufstellt. Doch jetzt ist es höchste Zeit, dass ein Hauch von Frühling ins traute Heim einkehren darf. Tulpen gehören unbedingt dazu. Ihre schön geformten Blüten und ihre Farbenpracht stellt fast alles in den Schatten, was es bei den Frühlingsblühern sonst noch so gibt. Bis die ersten Freilandtulpen blühen, dauert es wohl noch eine Weile. Dafür stapeln sich jetzt schon Tulpen an den Ständen der Wochenmärkte, in Supermärkten und Blumengeschäften. So kann man fast unmöglich an den vielen Tulpen vorbeigehen, ohne sich welche mitzunehmen. Zu Hause entfalten sie schnell ihre schöne Pracht. Man kann fast dabei zusehen, wie sich die Blüten öffnen.
Die Stängel der Blumen wachsen in der Vase weiter. Das mag nicht jeder. Wer es nicht will, sticht die Tulpen direkt unterhalb der Blütenböden mit einer Nadel ein. Der Feind aller Schnittblumen sind Mikroorganismen im Wasser. Deshalb ist es wichtig, das Wasser regelmäßig zu wechseln. Experten raten dazu, die Tulpen in ein Gefäß zu stellen, das nur mit einem Drittel Wasser gefüllt ist. Wenn die Tulpen das meiste Wasser verbraucht haben, kann man einfach frisches Wasser nachfüllen. So haben Mikroorganismen keine Chance. Frischhaltemittel enthalten antibakterielle Stoffe, die ein schnelles Wachstum verhindern. Puristen schwören darauf, einfach 20 oder 30 Tulpen in eine große Vase zu stellen. Weniger ist manchmal auch mehr. Schon wenige Blüten entfalten eine schöne Wirkung, wenn sie entsprechend arrangiert werden. Ein schlichtes, eckiges Gefäß aus Glas kann man etwa mit weißen Perlen füllen. Ihr könnt aber auch Dekosteine verwenden. Darin stellt ihr Tulpenstiele mit rosa Blüten hinein. Mit Heidelbeerzweigen und Perlen, die an einer Schnur aufgezogen werden, könnt ihr die Vase auffüllen. Wer möchte, kann auch am unteren Ende des Gefäßes eine farblich passende Bordüre befestigen.
Auch als Einzelblüten kommen die Tulpen zur Geltung. Hier sehen Sorten mit gefüllten Blüten und fransigen Blättern besonders hübsch aus. Als Vasen eignen sich Flaschen, die sich schön in einer kleinen Gruppe arrangieren lassen. Hier könnt ihr versuchen, mit verschiedenen Höhen zu spielen. Eine ausgefallene Tischdeko lässt sich auch mit geringem Aufwand zaubern. Ihr braucht Tulpen mit Zwiebeln, also aus dem Topf. Die Pflanzen vorsichtig aus der Erde nehmen und mit Wasser abspülen, bis sie sauber sind. Dann einige Tulpen mit den sauberen Zwiebeln auf dem Tisch drappieren. Auf diese Weise könnt ihr auch Traubenhyazinthen in einem Gefäß arrangieren.
Tulpen haben sich übrigens schon immer großer Beliebtheit erfreut. Wie keine andere Blume hat die Tulpe den Menschen den Kopf verdreht und viele ihrer Fans in den Ruin getrieben. Ursprünglich stammen die Tulpen aus der heutigen Türkei. Die ersten Exemplare gelangten gegen Ende des 16. Jahrhunderts über den Bosporus in die Niederlande und waren für die Menschen damals absolut exotische Blumen. Kaum jemand konnte sich die seltenen Zwiebeln damals leisten. So wurden sie schnell zum Statussymbol für Adelige und Reiche. Es entstand ein regelrechter Hype nach den Tulpen. Sie wurden in Gemälden dargestellt, und es gab Tulpenfeste. Diese Form der Begeisterung ist heute kaum noch nachvollziehbar. Einige Blumenzwiebeln wechselten im 17. Jahrhundert zu unglaublichen Preisen ihre Besitzer. Sie wurden zum Spekulationsobjekt. Als die teuersten Tulpen gelten die inzwischen ausgestorbenen Rembrandt-Tulpen: Semper Augustus. Sie waren im Jahr 1637, kurz vor Zusammenbruch des Tulpenmarkts, mit 10000 Gulden pro Zwiebel die teuersten Tulpen, die es jemals gab. Für den Gegenwert bekam man damals ein Haus in Amsterdam. Oder eine Familie konnte mit dem Geld eine lange Zeit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Bezeichnung Rembrandt-Tulpen ging auf die Darstellung der Tulpen mit ihren geflammten Blütenblättern auf berühmte Stillleben der Niederlande aus dieser Zeit zurück.
Apropos: Auch der Namensgeber Rembrandt Hermenszoon van Rijn (1606 – 1669) soll mit Tulpenzwiebeln spekuliert und auf diese Weise versucht haben, an Geld zu kommen. Der Markt wurde jedoch überstrapaziert, bis die Spekulationsblase im Jahr 1673 platzte. Die Tulpenmanie gilt inzwischen als die erste gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte. In dieser Zeit ist die Handlung des Romans „Adrian der Tulpendieb“ von Otto Rombach angesiedelt. Dieser bildet die Grundlage für die gleichnamige Mini-Fernsehserie des ZDF, die im Jahr 1966 ausgestrahlt wurde. Der Preis für die Zwiebeln ist glücklicherweise gesunken. Die Faszination für diese Blumen aber ist geblieben. Es gibt eine unglaubliche Farb- und Formenvielfalt. Auch wenn einige Sorten teurer sind als die einfachen Sorten: Grundsätzlich kann sich heute jeder Tulpen leisten. Das ist etwas, von dem Rembrandt und seine Zeitgenossen nur träumen konnten.