Es gibt mehr giftige Gartenpflanzen, als mancher annehmen würde. Während für chemisch gefährliche Stoffe, die leicht brennbar, ätzend, giftig oder sonst wie schädlich sein könnten, seit Jahrzehnten eine rigorose Kennzeichnungspflicht mit deutlich sichtbaren und verständlichen Piktogrammen besteht, fehlt etwas Vergleichbares für giftige Gartenpflanzen.

Längst müsste eine ähnliche Kennzeichnungspflicht auch für zum Verkauf angebotene Garten-, Balkon- und Zimmerpflanzen bestehen. Doch was geschieht auf diesem Gebiet? Nichts! Es wäre ja auch wenig geschäftsfördernd, wenn man solche giftigen Pflanzen entsprechend durch Warnhinweise kennzeichnen müsste. Wer ahnt schon, was er an teilweise hochgiftigen Pflanzen aus dem Baumarkt oder der Gärtnerei mit nach Hause bringt! Das Problem existiert offensichtlich nicht im öffentlichen Bewusstsein. Und so lange darüber nicht ausreichend informiert und aufgeklärt wird, wird sich daran auch nichts ändern. Und so klein ist das Problem nämlich gar nicht, im Gegenteil:

Die schwersten und gefährlichsten Vergiftungen kommen bei Kleinkindern vor, die nach verführerisch leuchtenden Beeren und Früchten von vielen Ziersträuchern greifen und sich in den Mund stecken. Darauf habe ich bereits vor vier Jahren in mehreren Beiträgen hingewiesen (http://forum.floristik24.de/threads/...giftige+Beeren und http://forum.floristik24.de/threads/...giftige+Beeren ).

Jährlich werden den Giftnotrufzentralen etwa 120.000 Vergiftungsfällen an Kindern gemeldet, davon geht ein erheblicher Anteil auf giftige Pflanzen zurück. Und etwa jedes 70. Kind stirbt an den Folgen einer Vergiftung. Wenn es schon weder Einschränkungen beim Handel mit giftigen Pflanzen oder wenigstens eine entsprechende Kennzeichnungspflicht auf den Verkaufsetiketten der Pflanzen gibt, dann müsste zumindest besser darüber aufgeklärt werden, welche Pflanzen giftig sind, wie stark giftig sie sind, wie Vergiftungserscheinungen erkannt und behandelt werden können und wie man sich davor beim Umgang im Garten mit giftigen Pflanzen etwa beim Einpflanzen, Umsetzen u.ä. gefahrlos umgehen kann.

Natürlich sind nicht alle Pflanzen gleich giftig. Ein Einteilung in drei Giftigkeitsklassen könnte ungefähr so aussehen:

Kategorie I tödlich giftig – bereits eine Dosis von 1 bis 10g dieser Pflanze kann schwerste, lebensbedrohliche Vergiftungen oft mit Todesfolge auslösen.

Kategorie II giftig – eine Dosis von 1 bis 10 Gramm dieser Pflanze kann zu schweren Vergiftungen führen. Dazu gehören auch Pflanzen, deren Früchte oder Säfte zu Verätzungen führen können.

Kategorie III schwach giftig – in diese Kategorie gehören Pflanzen, die entweder ihr Pflanzengift nur in geringen Konzentrationen enthalten oder nur gering giftige Stoffe in hohen Konzentrationen.

In wenigen Jahren werden einige stark invasive Pflanzenarten, die vor einiger Zeit aus anderen Regionen eingeschleppt wurden, sich inzwischen unkontrolliert auch in Natur ausgebreitet haben und damit einheimische Pflanzen verdrängen, für die Kultur in Garten und Landwirtschaft komplett verboten. Dazu gehören z. B. die Kanadische Goldrute, die aus Nordamerika stammende Robinie, auch falsche Akazie genannt, oder das Indische Springkraut und der Japan-Knöterich. Was bei solche invasiven Arten möglich sein sollte, warum nicht auch für Giftpflanzen. Entsprechend müssten für Pflanzen, die in die Kategorie I tödlich giftig fallen, ebenfalls Handel, Anbau und Kultur verboten werden.
Die Liste giftiger Pflanzen, die auf dem Balkon oder im Garten gehalten werden, ist sehr lang. Dazu zählen z. B. unter den Gartenpflanzen (in alphabetischer Reihenfolge – ohne Bewertung des Giftigkeitsgrades, das überlasse ich lieber entsprechend geschulten Pharmakologen und Medizinern): Buchs, Christrosen, Efeu, Eiben, Eisenhut, Fingerhut, Geißblatt, Goldregen, Ilex (Stechplamen), Kaiserkrone, Liguster, Maiglöckchen, Pfaffenhütchen, Pfingstrosen, Rittersporn, Seidelbast, Wolfsmilchgewächse uvm. Hinzu kommen zahlreiche Ziersträucher, die rote oder schwarze, giftige Beeren haben. Darauf bin ich bereits in meinen Beiträgen 2014 hier im Forum eingegangen (Links siehe oben).

Zu den häufigsten giftigen Kübelpflanzen zählen: Engelstrompeten (Datura), der Hammerstrauch, Kassie, Mandevilla (dazu zählt auch die rot blühende Dipladena – eine beliebte Balkonpflanze), sämtliche Nachtschattengewächse, der Oleander, Ziertabak uvm.

Außerdem gibt es noch eine ganze Reihe von Nutzpflanzen, die in unreifem Zustand giftig sind: Dazu zählen noch grüne, unreife Tomaten (Ausnahme: es gibt inzwischen auch einige Tomatensorten, die reif grün bleiben und dann auch nicht mehr giftig sind) oder grüne Kartoffeln. Auch gut ausgereifte Bohnen sind – roh verzehrt – giftig. Sie werden erst nach dem Kochen, wenn die Gifte zerstört sind, genießbar. Umgekehrt sind einige Nutzpflanzen im überreifen Zustand ungenießbar, schädlich bis sehr giftig: Z. B. der Rhabarber im Sommer; man darf Stiele und Blätter nur im Frühjahr verwenden, wenn der Gehalt an Oxalsäure noch gering ist.

Wenn man Kleinkinder oder Haustiere wie Katzen und Hunde hat, sollte man grundsätzlich auf den Kauf solcher Giftpflanzen verzichten und bereits gepflanzte Arten durch einen Zaun schützen oder wenigstens an unzugängliche Stelle umsetzen. Es ist ein gängiges Vorurteil, dass Katzen und Hunde, die ja bekanntlich einen sehr gut entwickelten Geruchssinn haben, giftige Pflanzen am Geruch erkennen und entsprechend meiden würden. Dazu gibt es zu viele exotische Pflanzen, die in den letzten Jahrzehnten Einzug in unsere Gärten gehalten haben. Vor allem sollte man auf Pflanzen mit verlockend farbigen, aber giftigen Beeren und Früchten im Garten vollständig verzichten, wenn Kinder Zugang zum Garten haben.

Als Gärtner schützt man sich selbst beim Umgang mit Pflanzen mit soliden , waschbaren Gartenhandschuhen, egal ob man die Pflanze mit den Händen direkt berührt oder lediglich mit der Gartenschere schneidet oder anderen Gartenwerkzeugen bearbeitet.