Ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, damit wird offensichtlich der menschliche Urtrieb befriedigt. Da ist es auch kein Wunder, dass früher das eine ohne das andere fast undenkbar war. In Hausbäumen wohnten gute Geister, die Haus und Hof vor Blitzschlag, Hexen und Unglück aller Art bewahrten. Auch die Seelen der Ahnen hielten sich nach alten Glauben im Baum auf und nahmen am Leben der Hausbewohner regen Anteil. Aber Esche und Co. erfüllten ihren Schutzfunktion auch auf ganz praktische Art und Weise, nämlich als grünes Blätterschild gegen Wind, Wetter und ein Zuviel an Sonne oder als lebende Barrierefunktion zwischen Wohnhaus und Scheune. So war der Hausbaum nicht irgendein Baum, sondern der Beschützer von Haus und Hof, Mensch und Vieh und lag seiner Familie besonders am Herze. Natürlich schmeckten die Nüsse und Birnen aus seiner Krone besser und die Lindenblüte Ernte fiel deutlich größer aus und sie schienen auch viel heilkräftiger zu sein als von irgendeinem anderen Baum.

Es war ganz egal, wo man den Baum auf einem Hof pflanzte, der Standort eines Hofbaumes war nicht streng festgelegt. Mancher Baum kam ohnehin als Samen von selbst geflogen, oder wurde von Vögeln gebracht. Doch die Mehrzahl der Hausbäume verdankt ihr Dasein einem familiären Anlass und wurde gepflanzt. Zu Hochzeiten oder Geburten eines Kindes wurde ein Apfelbaum als Baum-starker Doppelgänger gepflanzt, der das Wachsen und Gedeihen des Kindes begleiten sollte.
Es sprechen viele Gründe, dafür einen Baum zu pflanzen. Schon ein Baum allein macht ein Haus unverwechselbar, verleiht ihm ein eigene Gesicht. Er bietet Sichtschutz, dämpft Verkehrslärm, filtert Staub aus der Luft, reduziert die Strahlungsintensität der Sonne, produziert Sauerstoff, erhöht die Luftfeuchtigkeit und verbessert in jeder Hinsicht das Kleinklima.
Mit seinen Blüten, dem zuerst nach dem Austrieb grünen und später bunten Laub und mit seinen Früchten bringt uns der Hausbaum die Jahreszeiten näher. Wir hören in ihm den Wind wispern und den Regen prasseln und nicht zu vergessen den Gesang der Vögel. Er ist ein Freund für das Leben, daher sollte man ganz genau überlegen welcher Baum der richtige ist. Will man schöne Blüten und sich über die bunte Herbstfärbung erfreuen, oder lieber einen Apfelbaum, Nussbaum, Lindenblüten trocknen oder vielleicht will man ja einmal selbst Maronen vom eigenen Esskastanienbaum rösten.

Lichtverhältnisse sind wichtig. Der Standort muss passen, auch die Größe und Höhe des Baumes müssen in Erfahrung gebracht werden. Zu empfehlen ist als Hausbaum im XXL – Format - zum Beispiel der Bergahorn: Er schätzt tiefgründige und nährstoffreiche Böden. Als größte der heimischen Ahornarten wird er bis zu 30 m hoch und 400 bis 600 Jahre alt. Im Herbst leuchtet sein Laub zitronengelb. Der Bergahorn beschützt Haus und Hof vor Dämonen nach altem Glauben.

Wer lieber einen Obstbaum als Hausbaum pflanzen möchte, sollte es mit einer Birne versuchen. Die Pyrus communis begegnet uns meistens in der Gestalt der stattlichen, großkronigen Mostbirne, die vor allem zu Most gepresst wird. Die Birne soll übrigens auch vor Dämonen schützen, jedenfalls nach alten Glauben.

Oder wie wäre es denn mit einem Maronenbaum. Die Edelkastanie gedeiht am besten auf kalkarmen Böden. Südlich der Alpen kann er bis zu 700 Jahre alt werden und nördlich davon immerhin noch 300 Jahre. Wenn man die Früchte röstet, bekommen diese einen nussigen Geschmack. In Notzeiten hat man aus den Früchten Mehl gemacht und Brot damit gebacken, dass sogenannte Baumbrot.

Auch eine Esche ist sehenswert als Hausbaum. Das Laub der Esche diente früher als Viehfutter und die Menschen haben sich davon Tee zubereitet. Der Samen und die Rinde fanden Verwendung als Fiebermittel. Die Esche braucht einen lichten, bodenfeuchten und geschützten Platz. Ihre maximale Wuchshöhe sind 30m erreicht und sie kann bis zu 250 Jahre werden. Im Schwarzwald wird sie häufig als Hofbaum gepflanzt.

Ein besonders attraktiver Hausbaum ist auch die Linde. Der Volksmund sagt: „300 Jahre kommt sie, 300 Jahre vergeht sie“. Winter – Linde oder Sommer – Linde, wie auch immer, ihre Blüten sind als Bienenweide unübertroffen. Lindenblütentee und Kräuterschnaps halfen früher gegen Sommersprossen. Auch hier fand das Herbstlaub Verwendung im Stall als Einstreu.

Der Rosskastanienbaum hat einmal eine lange Reise gemacht, damals im 16. Jahrhundert kam er zusammen mit Tulpen und Flieder aus der Türkei zu uns. Die Adligen hatten natürlich das Vorrecht und ließen ihre Parks mit der Rosskastanie bepflanzen. 300 Jahre später kamen die Rosskastanien dann auch auf das Land. Sie wurde beliebt als Hofbaum, und fast jeder Hof besaß eine Rosskastanie.

Hier in Nordhessen ist vor allem die Rot – Buche auf den Höfen besonders beliebt. Sie ist robust, hat kaum Ärger mit Schädlingen und ist nur wenig sturmgefährdet. Die Nordhessen haben in Notzeiten von den Früchten der Rot – Buche Kaffee gemacht, den berühmten Muckefuck. Und nicht nur Kaffee hat man von den Bucheckern gemacht, sonder auch Öl daraus gepresst. Bucheckern schmecken etwas nussig, doch Vorsicht, nicht soviel davon verzehren, den sie enthalten Blausäure.

Kraft und Stärke übermittelt die Stiel–Eiche, sie wird bis zu 700 Jahre alt. Bei ihr fühlen sich zahlreiche Tiere wohl, mehr als bei anderen Bäumen. 25 verschiedene Vögel und 300 Insektenarten leben von und mit der Eiche. Auch sie fand in Notzeiten Abnehmer ihrer Früchte, Eichelbrot und Eichelkaffee gaben den Menschen das Notwendigste zum Überleben.

Dann habe ich noch die Walnuss - auch Welsche Nuss genannt – als Hausbaum zu empfehlen. Die Römer waren damals so nett und brachten sie auf ihren Feldzügen mit nach Deutschland. 10 bis 20 Jahre braucht eine Walnuss, bis sie das erste Mal trägt. Wem das zu lange dauert, der nimmt statt Samen aus der Baumschule eine veredelte Pflanze, die braucht nur 4 bis 5 Jahre, bis die ersten Nüsse reifen.

Kommen wir nun zu den kleineren Bäumen. Ist der Standort beschränkt, sind sie die erste Wahl: Der Apfeldorn, bis Dezember oder Januar schmückt sich das attraktive und sehr robuste Gehölz mit orangeroten Früchten, die an Miniatur – Äpfel erinnern.

Die Eberesche mit lockerer Krone kommt mit fast allen Standorten zurecht. Am schönsten sieht sie im Herbst aus. Nämlich dann wenn sich ihre Früchte korallenrot färben und seine gefiederten Blätter sich prachtvoll in ein orangerotes Kleid zeigen.

Dann sind da noch die Felsenbirne mit schönen weißen Blüten im Frühjahr oder der Rotdorn, den man sogar zur Kugel stutzen kann und nicht zu vergessen der Schwarze Holunder, den es auch als Busch gibt. Besonders schick ist die Weidenblättrige Birne, deren silbern glänzenden Blätter dem Olivenbaum sehr ähnlich sieht oder der Zierapfel mit seinen weißrosa Blüten und zahlreichen gelb – orangen, sonnenseits aber knallroten Äpfelchen, die nicht nur dekorativ, sondern auch essbar sind.

Die wichtigste Voraussetzung für einen schönen Baum ist natürlich als Standort ein freier Platz, denn nur so kann er zu einer echten Augenweide werden.