Der Eisenhut, diese eindrucksvolle Staude blüht blau, von Juni bis zum Frost kann man dieses blaue Wunder bewundern. Doch mit ein wenig Respekt im Umgang mit dem geheimnisvollen Schattenbewohner muss sein. Der Arzt und Botaniker Hieronymus Bock nannte den Eisenhut im 16. Jahrhundert „ Lustkraut“. Im Pflanzenreich ist diese intensiv blaue Farbe so selten und daher lieben viele Gärtner den Eisenhut. Das dunkle Violettblau des Nachthimmels, ein strahlendes Marineblau, das Weißblau der bayrischen Nationalfarben - der nahe Verwandte des Rittersporns zieht mit seinen Blütenkerzen sämtliche Register. Und das nicht nur für eine kurze Zeit: Wer will, kann sich in der Farbe des Himmels und des Meeres vom Juni an – da blüht nämlich der heimische Eisenhut (Aconitum napellus) – bis zum Frost vertiefen, wenn als letzter der Herbst- Eisenhut (A. carmichaelii Arendsii) von der Gartenbühne abtritt.

Es fällt schwer, sich von der Zeit mit diesen himmlischen Blautönen zu verabschieden, man kann sich einfach daran nicht satt sehen. Und gerade in Verbindung mit den warmen Tönen des Herbstes ist dieser Anblick einfach atemberaubend. Schaut man der Blume tief ins schöne Blütengesicht, kann man sich eines ahnungsvollen leichten Schauderns kaum erwehren.

„ Was ist der Unterschied zwischen Eisenhut und Wolfswurz, Potter?“ wurde der Zauberlehrling Harry Potter in der ersten Stunde seines Zaubertranks – Unterricht gefragt. Er blieb die Antwort seinem Lehrer schuldig. Was der kleine Held nicht wusste, war dass der Eisenhut die giftigste Pflanze in Europa war und man hatte sie genutzt um Füchse, Wölfe und Bären zu erlegen. Nicht nur die Tiere waren daran gestorben, von der Antike bis zur Neuzeit waren Morde mit pulverisierter Eisenhut – Wurzeln gang und gäbe. Der römische Kaiser Claudius soll mit dem Gift umgebracht worden sein, genauso Papst Hadrian VI., auf der Opferliste steht aber auch mit Sicherheit so manch gewöhnlicher Sterbliche.

Doch Eisenhut kann auch heilen. Seine Wurzeln sind Grundlage einer ganzen Reihe von homöopathischen Medikamenten, mit deren Hilfe man nervöse Herzleiden und Herzbeutel – Entzündungen, grippale Infekte, Neuralgien und Rheuma behandeln kann. Da sollte man doch denken, dass nur erfahrene Therapeuten damit umgehen. Jedoch dürfen ganz ohne Bedenken handelsüblich Fertigpräparate eingesetzt werden, zum Beispiel um Verspannungen zu lösen.

Wer den Eisenhut im Garten hat, sollte immer daran denken, dass andere Pflanzen auch giftig sind. Zum Beispiel der Oleander oder die Engelstrompete,die Eibe, das Maiglöckchen, der Philodendron und auch der Weihnachtsstern sind giftig und stehen trotzdem in allen Gärten. Wer dem Eisenhut direkt auf den Leib rückt, muss mit entsprechender Umsicht vorgehen und darf sich ansonsten völlig gefahrlos an seiner Schönheit erfreuen. Es heißt, dass das enthaltene Gift Aconitin bereits in einer Dosis von 3 bis 6 mg für den Menschen tödlich ist.Es wirkt nicht nur innerlich, sondern ist auch ein hochwirksames Kontaktgift, das selbst durch unverletzte Haut aufgenommen wird. Auch das Halten einer Wurzelknolle mit bloßer Hand kann bereits Vergiftungen auslösen oder das Pflücken einzelner Blütenstiele für die Vase. Es sind gerade mal 2 bis 4 mg der frischen Wurzel nötig, die neben den Samen die höchste Konzentration des gefährlichen Alkaloids enthält. Aber auch in den restlichen Pflanzenteilen findet sich noch bedenklich viel von der tödlichen Substanz. Wer Kinder hat ,sollte sie mit Sorgfalt darauf aufmerksam machen, den Eisenhut nicht anzufassen. Bei Kleinkindern ist es besser zu warten, bis sie soweit sind und verstehen welche Pflanzen im Garten giftig sind.

Wussten Sie schon, dass der Eisenhut eine typische Hummelblume ist? Allerdings gelangen nur dicke Brummer mit einem besonders langen Saugrüssel zu dem tief liegenden Nektar. Zu ihnen gehört die Eisenhut – Hummel, die sich auf Eisenhut – Arten spezialisiert hat. Kurzrüsselige Hummel kommen auch an das süße Ziel, aber ohne dabei die Blüte zu bestäuben. Wussten Sie, dass es auch kletternde Eisenhut-Arten gibt? In den Bergwäldern der chinesischen Provinz Yunnan etwa, da wächst der Rankende Eisenhut (A. Episcopale), er wird rund 3 m hoch. Im Garten klettert er an Pergolen oder anderen Gehölzen hoch. Wussten Sie, dass wir dem Eisenhut angeblich den Höllenhund Zerberus verdanken? Herkules sollte als letzte seiner schweren Aufgaben das dreiköpfige Monster aus der Unterwelt vor den Thron seines Königs schleppen. Dabei soll dieses gefesselt und wehrlos in rasender Wut auf den Boden gegeifert haben. Und schon wuchs sie dabei ans Licht, Europas giftigste Pflanze - der Eisenhut.