Nachdem ich mich im Mai 2016 zum letzten Male zum aktuellen Stand meiner Heilkräuterspirale gemeldet habe, möchte ich mich endlich noch einmal wieder zu Wort melden, wie es mit dieser Kräuterspirale weitergegangen ist. Um es kurz zu machen: Ich habe sie bereits im letzten Jahr aufgegeben! Ich hatte vor allem mit dem Beifuß Probleme. Ich habe zwar immer darauf geachtet, dass er sich nicht unkontrolliert durch Selbstaussaat ausbreiten kann und die Pflanzen rechtzeitig zurückgeschnitten, aber durch die Ausläufer hat er sich immer wieder weit über den ihm zugestandenen Platz in der Kräuterspirale ausgebreitet, andere Pflanzen wie den Ysop, den Blutsauerampfer oder die Melisse verdrängt und schließlich sogar die Steine einzelner Windungen der Kräuterspirale regelrecht ausgehebelt.

Deswegen habe ich im 2017 meine Kräuterspirale aufgegeben, die verbliebenen Heilkräuter in einzelne gegeneinander abgegrenzte quadratische Beetflächen umgepflanzt. Die Kräuterspirale habe ich bildlich gesprochen aufgewunden und daraus eine s-förmige Trockenmauer von immerhin 18m Länge angelegt. Auf der Mauerkrone, in den Innen- und Außenkurven dieser bis zu etwa 70cm hohen, freistehenden Trockenmauer gibt es recht unterschiedliche mikroklimatische Bedingungen, so dass hier eine Vielzahl verschiedenster Pflanzenarten optimale Milieuverhältnisse finden.

Den Beifuß wollte ich zwar endgültig aus meinem Garten verbannen, aber er bricht sich immer wieder Bahn und aus dem Boden sprießen hin und wieder neue Exemplare, die aus den noch in der Erde zurückgebliebenen Wurzelstücken austreiben.

Den Gedanken an eine neue Kräuter- oder Heilpflanzenspirale hatte ich endgültig aus meinen Gartenplänen gestrichen. Schließlich habe ich genügend Platz und kann mich um die einzelnen Heilpflanzen und Küchenkräuter, die nun auf separaten, ebenerdigen Flächen - durch Steine und Platten sauber voneinander getrennt – viel besser kümmern. Kräuterspiralen ist es eher etwas für kleine Gärten mit Platzmangel.

So dachte ich, zumindest bis ich vor einigen Tagen auf ein wirklich faszinierendes Buch gestoßen bin: „Neue Ideen für die Kräuterspirale“ , erschienen 2008 im pala-Verlag Darmstadt. Die Autorin, Irmela Erckenbrecht, hat bereits zuvor mehrere Bücher über „normale“ Kräuterspiralen geschrieben und stellt in ihrem neuesten Buch nehmen der Bauanleitung für eine klassische, also „normale“ Kräuterspirale insgesamt unglaubliche 22 Variationen von Kräuterspiralen vor, die sie allesamt auch in der Praxis geprüft haben will – die alle selbst einmal anzulegen, dazu reicht doch ein ganzes Gartenleben kaum aus!

Wie dem auch sei, bereits die Aufzählung der einzelnen Bezeichnungen dieser Varianten einer Kräuterspirale macht einen neugierig und Lust, wenigstens eine dieser Varianten einmal selbst im Garten aufzubauen und zu bepflanzen. Da gibt es z.B. die Mittelmeerspirale, wo nicht einfach Pflanzen aus dem Mittelmeerraum bunt zusammengewürfelt werden, sondern regional getrennt in Form einer Italien-, einer Griechenland- und einer Frankreichspirale.

Auch die klassische Küchenkräuterspirale mit einer Variante als Teespirale mit Kräutern zum Trinken ist im Buch vertreten.

Und auch die Heilkräuterspirale ist beschrieben, wiederum mit drei Varianten: der Hildegard-von-Bingen-Spirale, einer Gute-Laune-Spirale und einer Frauen-Spirale.

Blütenspiralen werden getrennt nach Blütenfarben in Weiß, Blau und Rot-Orange vorgestellt.

Sogar die Miniausgabe eines Bibelgartens – eine Bibelspirale mit Pflanzen, die schon in der Biel erwähnt worden sind– fehlt nicht in diesem Buch.

Eher etwas für öffentliche Gartenanlagen und Parks ist die begehbare Spirale, die natürlich entsprechend viel Platz benötigt. Die Mauern der einzelnen Windungen sind hier durch langsam ansteigende Gehwege ersetzt. Dieses Konzept sollte möglichst einmal von den Kommunen aufgegriffen und umgesetzt werden. Kompliziert wird es dann allerdings mit einer Variante, der Fibonacci-Spirale (nach einem Entwurf von R.Lutter, einem professionellen Gartenplaner), die sich aus links- und dazu gegenläufigen rechtsdrehenden Spiralenstreifen zusammensetzt, ähnlich wie man dies bei der Anordnung der Anordnung der Röhrenblüten bei einigen Korbblütlern erkennen kann. In Worten ist das nur ungenau zu beschreiben – einfach die Pläne dazu im Buch ansehen! Das ist auch etwas für größere Gärten und Parks.

Die Autorin beschreibt außerdem eine Schattenspirale für einen schattigen Platz im Garten, die Duftspirale in den Aroma-Richtungen Gummibärchen- und Tutti-Frutti-Spirale, eine Naturschutzspirale mit einigen Pflanzen und Nisthilfen und für Igel, einem Kleinsäugerstein, Insektennistkästen und einer Brüterhöhle - das ist etwas für Schulklassen und Kindergartengruppen zur Naturbeobachtung -, sowie eine Kräuterspirale mit Pflanzen, die für Insekten besonders attraktiv sind, in den Varianten Schmetterlingsspirale, Hummel- und Bienen-Spirale und es gibt sogar eine Katzen-Spirale mit Baldrian, Katzenminze und anderen Pflanzen, die Katzen magisch anziehen.

Und selbst für Leute, die keinen eigenen Garten haben, wird eine Variante angeboten – und zwar die Balkonspirale: Dazu stellt man einfach Kräuter-Pflanzen mit verschieden hohen Kübeln zu einer aufsteigenden Spirale zusammen. Und dort, wo an der tiefsten Stelle normalerweise der Miniteich angelegt wird, stellt man eine Wasserschale als Vogeltränke auf. Als weitere Variante für den Balkon wird dann noch eine Keramik-Kräuterspirale beschrieben. Dazu werden eigens dafür gebrannte, halbrunde Keramikplatten und viereckige Stützpfosten angefertigt, die man zu einer schon fast avantgardistischen Spirale mit nach außen schwingenden Rundungen der Keramikplatten und den mit Symbolen verzierten Eckpfosten zusammenstellen und bepflanzen kann.

Völlig überrascht hat man dann aber vor allem das sogenannte LunaSolaris-Beet: Denn das Kernstück dieser Variante ist eine lange S-förmige gewundene Hügelkette (die mich vom Grundriss her lebhaft an meine S-förmige Trockenmauer erinnert). Diese schmale, gewundene Hügelbeet steht auf einer ovalen Kreisfläche mit Schotter und Feinkies und einer Kette aus Steinen zur Begrenzung des Areals und zum Beschweren der Unkrautfolie, die unter dem Substrat ausgelegt wird. Die der Sonne zugewandte Hälfte der S-förmigen Anlage wird mit Pflanzen der Sonne, die nach Norden andere Hälfte mit sogenannten Mondpflanzen bepflanzt. Von oben betrachtet sieht dies Beet aus wie das Yin und Yang-Zeichen im Taoismus und das ist auch beabsichtigt. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Yin und Yang-Beet im Zentrum eines im Feng Shu Stil gehaltenen Gartens liegen könnte.

Dass die vorgestellten Varianten keine Phantasie- und Luftschlösser sind, sondern ganz konkrete Anregungen bieten, das beweisen die Bauleitungen, die Pflanzenpläne und detaillierten Beschreibungen der Pflanzen mit artgerechten Standort- und Milieubedingungen. Also mich hat das Buch auf alle Fälle inspiriert, es dieses Jahr doch noch einmal mit einer Kräuterspirale zu versuchen. - allerdings habe ich mich noch nicht für eine der 22 im Buch „Neue Ideen für die Kräuterspirale“ vorgestellten Varianten entschieden.