Wer eine Blumenwiese statt Rasen anlegen will, der sollte dann aber auch beim Bepflanzen oder Aussäen auf einheimische Blütenstauden und Sommerblumen zurückgreifen, denn viele Schmetterlingen, Wildbienen und andere Insekten sind darauf angewiesen, während man sich bei einem Japanischen Blumenrasen o. ä., womöglich auch noch mit Zuchtsorten dicht gefüllten Blüten bestückt, nicht wundern muss, wenn die Insekten ausbleiben. Gerade für eine Wiese steht eine große Anzahl einheimischer Blütenpflanzen zur Verfügung.

Doch Wiese ist nicht gleich Wiese. Bei uns in Mitteleuropa gibt es eine ganze Reihe ganz unterschiedlicher Wiesentypen, die jeweils mit einer ganz spezifischen Pflanzengemeinschaft assoziiert sind und die sich auch nicht beliebig austauschen lassen. Pflanzen einer Fettwiese werden beispielsweise auf einer Moor- oder Sumpfwiese sehr rasch verkümmern und wieder verschwinden.

Man muss also ähnlich wie bei der Anlage eines Rasens sich im Klaren sein, welchen Wiesentyp man im Garten anlegen will und natürlich auch ob sich dieser Wunsch auch unter realistischen Bedingungen im eigenen Garten realisieren lässt.

Feucht- und Moorwiesen sind Extrembiotope, die sich im Garten höchstens als relativ kleines, begrenztes Moorbeet oder zwischen Teichrand und Feuchtzone eines Gartenteiches verwirklichen lassen. Zu solch einer Feuchtwiesengesellschaft gehören an schön blühenden einheimischen Pflanzenarten auf alle Fälle die Kukucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi), das Echte Mädesüß, der Wiesen-Knöterich und die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica). Diese Arten sind recht universell auf Feuchtwiesen einsetzbar. Auf eine solche Teichrandgesellschaft bin ich schon im Beitrag > http://forum.floristik24.de/threads/...-Garten-eignen eingegangen.

Viele Arten sind aber auf einen ganz bestimmten Typ einer Feuchtwiese angewiesen. Von diesen Feuchtwiesenbiotopen lassen sich noch am ehesten die die Flatterbinsen-Wiese mit den Leitarten Flatter-Binse (Juncus effusus), dem Sumpf-Labkraut und dem Sumpf-Weidenröschen (Epilobium paluste) und die sogenannte Pfeifengras-Wiese – gekennzeichnet durch wechselnde Wasserstände, zeitweise Überflutung und einen kalkhaltigen, aber trotzdem leicht sauren Boden (pH ca. 6) mit dem Pfeifengras (Molinia caerulea), dem Sumpf-Teufelsabbiss, der Sumpf-Scharfgarbe, der Sibirischen Schwertlilie, der Pracht-Nelke und dem Schwalbenwurz-Enzian als typischen Leitformen, realisieren.

Weitaus schwieriger wird es im Garten mit einer Moorwiese. Denn wenn man schon ein Moorbeet anlegen will, was mit einem einigen Aufwand verbunden ist, dann will man sicher dort auch Rhododendren, Azaleen, geeignete Heidepflanzen und vielleicht auch Heidelbeeren anpflanzen – und dann ist es natürlich keine Wiese mehr.

Am weitesten in Mitteleuropa sind in landwirtschaftlich genutzten Gebieten die sogenannten Mähwiesen. Diese Wiesen werden einmal im Jahr gemäht oder intensiv vom Vieh beweidet. Mit den abgemähten oder beweideten Futterpflanzen werden der Wiese aber eine große Menge an Nährstoffen entzogen, wenn sie nicht gedüngt würde. Meist wird mit Gülle gedüngt, und oft auch viel zu viel, sodass die Wiese überdüngt wird. Dann verarmt die Pflanzengemeinschaft solch einer überdüngten Fettwiese und als sichtbares Zeichen der Überdüngung nimmt der Löwenzahn überhand. Außerdem stößt man hier auf das Gänseblümchen und den Weiß-Klee.

Solch eine Überdüngung lässt sich natürlich im Garten, wo die Wiese nicht als Futterquelle genutzt wird, leicht vermeiden. Aber auch hier kann man wiederum verschiedene Wiesentypen einer Mähwiese voneinander unterscheiden:

Die Glatthaferwiese ist eine gut gedüngte, aber nicht überdüngte Wiese, auf die man vor allem in den Ebene und im hügeligen Bergvorland trifft. Sie ist grundwasserfern, d.h. der Grundwasserspiegel liegt mehrere Meter tief und der Bodenoberfläche. Eine solche Glatthaferwiese sollte zweimal im Jahr gemäht werden und zwar während der Hauptvegetationszeit, d. h. im Frühsommer und dann noch einmal im Spätsommer. Eine solche Glatthaferwiese lässt sich mit einigen sehr schönen Blumenarten bepflanzen. Leitform ist aber vor allem der sogenannte Glatthafer. Zu den typischen Blütenpflanzen der Glatthafer-Wiese zählen die Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), das Wiesen-Labkraut (Gallium mollugo), der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) und der Wiesen-Bocksbart. Ist der Standort der Wiese besonders trocken, warm und windgeschützt, dann kommen weitere Blütenpflanzen infrage, wie z. B. die Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), der Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) und die Wiesen-Esparsette.

Im höher gelegenen Bergland gibt es stattdessen die Goldhafer-Wiesen, die sich vor allem in der Höhenlage von den Glatthafer-Wiesen unterscheiden: Leitform ist hier der Goldhafer. An interessanten Blütenpflanzen, die sich auch für den Garten eignen, kommen die Trollblume (Trollus europaeus) und der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), die Große Bibernelle (Pimpinella major) vor. Auch den Wiesen-Bärenklau und die Wiesenplatterbse (Lathyrus pratensis) trifft man hier wieder. Auch Margeriten, die Acker-Witwenblume und den Wiesen-Klee findet man auf beiden Mähwiesen-Typen.

Botanisch interessanter sind jedoch die echten Trockenwiesen. Auch eine Mähwiese kann natürlich trocken sein, der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass auch eine trockene Mähwiese gedüngt wird, eine echte Magerwiese aber nicht. Natürlich regnet es auch auf die Trockenwiese, allerdings ist der Boden flachgründig und so durchlässig, dass der größte Teil des Regenwassers ungenutzt im Boden versickert. Außerdem muss man noch zwischen einer Trocken-Magerwiese auf kalkreichem Untergrund von einer Magerwiese über kalkfreiem, sauer verwitterndem Gestein unterscheiden:

Kalkmagerrasen sind in Mitteleuropa die Wiesen mit der artenreichsten Flora. Entstanden sind sie ursprüngliche aus wärmeren, trockenheitstoleranten Laubwäldern durch die oft jahrhundertelange Überweidung durch Schafe. Dieser Wiesentyp lässt auch im Garten relativ einfach gestalten, vorausgesetzt man hat einen kalk- oder löshaltigen Gartenboden. Zu den Leitformen des Kalkmagerrasen zählen die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa), die Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), das Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) und der Fransen-Enzian (Gentianella ciliata). In der Natur kommen auf einem solchen Magerrasen aber auch eine ganze Reihe Orchideenarten vor, die aber allesamt unter Naturschutz stehen.

Saure Magerwiesen entstehen auf nährstoffarmen, mageren , kalkfreien und damit sauren Böden. Auch sie sind oft durch die lange Beweidung durch Schafe entstanden. Von den ursprünglich vorhandenen Gehölzen sind nur Wacholder oder kleine Sträucher wie die Besenheide Calluna vulgaris, die dem Verbiss der Schafe trotzen, übrig geblieben. Ein typisches Beispiel für solche einen sauren Magerrasen sind Teile der Lüneburger Heide, entstanden durch das Absinken des Grundwasserspiegels als Folge des Salzbergbaues und der Beweidung. Zu den typischen Blütenpflanzen solcher sauren Magerwiesen zählen Arnika, die Blutwurz, die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) und der Hasen-Klee (Triolium arvense). Diese Wiesen sind jedoch karger und artenärmer als die Kalkmagerrasen.


Wem die Anlage, Bepflanzung und Pflege solch einer naturgetreuen Wiese zu aufwendig und zu kompliziert ist, der kann trotzdem etwas für die Erhaltung der existentiell gefährdeten einheimischen Blütenpflanzen tun. Es gibt seit mehr als 20 Jahren ein Ackerrandstreifenprogramm, welches von einzelnen Bundesländern gefördert und von der Europäischen Union kofinanziert wird. In den letzten Jahren hat die Begeisterung dafür unter deutschen Landwirten aber deutlich nachgelassen, weil die bürokratischen Hürden bei der Antragstellung und Fortsetzung der Fördermittel einfach zu hoch und kompliziert sind. Diese Feld- und Ackerblumen wie der Klatschmohn, die Margerite, die Kornblume und die Kornrade kamen früher im gesamten Getreidefeld vor. Daraus sind sie vor allem Dank Roundup bereits seit langem verschwunden, und damit ihnen wenigstens am Feldrand ein letztes Refugium erhalten bleiben sollte, wurden diese Ackerrandstreifenprogramme ins Leben gerufen. Mit dem Auslaufen dieser Fördermittel drohen solche Acker“unkräuter“ endgültig nun auch dort zu verschwinden. Warum also nicht im eigenen Garten eine eigene Blumenwiese mit Klatschmohn, Kornblumen, Margeriten und Kornraden anlegen. Dafür bekommt man zwar als Hobbygärtner keine Fördermittel (Warum eigentlich nicht?!), aber eine unglaubliche Farbenpracht aus leuchtend blauen, weißen, roten und violetten Sommerblumen. Und wem dann noch etwas Gelb fehlt, der nimmt noch den Wiesen-Bocksbart oder das Orangerote Habichtskraut dazu. Alle genannten Arten lassen sich ganz unkompliziert aussäen und der Pflegeaufwand im Jahresverlauf ist auch minimal. Und nicht nur diese Blütenpflanzen, auch zahlreiche Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen werden es Ihnen danken.