Unter den einheimischen Pflanzen gibt es besonders viele Schattenpflanzen, die sich auch für einen Platz im Garten eignen, darunter viele Bodendecker aus unseren Wäldern. Damit lässt sich eine Lücke im Angebot der meisten Gartenfachbetriebe schließen, die eher Nachzuchten exotischer Pflanzen aus anderen Regionen anbieten.

Ich möchte im Folgenden einige dieser einheimischen Schattenpflanzen vorstellen, die sich vor allem unter Gehölzen eignen oder im Garten mit einem von der Sonne nur stundenweise beschienen Platz begnügen müssen.

Scharbockskraut (Ranuculus ficaria) – es blüht bereits ab März mit goldgelben Blüten. Es wird durchschnittlich 10cm hoch und bildet mit der Zeit einen dichten Pflanzenrasen. In der Natur wächst es auf feuchten Böden vor allem in Auen- und Laubmischwäldern. Daher eignet es sich als mehrjähriger Bodendecker für einen entsprechenden Platz im Schatten größerer Gehölze auf einem mäßig feuchten, aber durchlässigen und nährstoffreichen Boden. Die nierenförmigen Laubblätter enthalten viel Vitamin C und wurden früher zur Vorbeugung gegen Skorbut genutzt, daher der Name Scharbockskraut. Allerdings bilden die Pflanzen spätestens ab der Blütezeit Protoanemonin, ein Pflanzengift; daher muss dringend davon abgeraten werden, Scharbockskraut als Salat und Gemüse zu nutzen.

Leberblümchen (Hepatica nobilis) – Auch das einheimische Leberblümchen ist eine Waldpflanze, die allerdings eher nicht zu feuchte und etwas kalkhaltige Böden als Standort bevorzugt. Da es ebenfalls bereits ab März blüht, bildet es mit seinen leuchtend blauvioletten Blüten einen schönen Kontrast zu den goldgelben Blüten des s. Es steht zwar unter Naturschutz, Gärtnereien bieten das Leberblümchen aber aus Nachzuchten an. Allerdings sollte man darauf, dass es sich dabei wirklich um die Naturform unserer einheimischen Art an. Denn die meisten Gärtnereien kultivieren eher Zuchtsorten aus ostasiatischen Arten.

Wald-Erdbeere (Fragaria vesca) - diese kleine, einheimische Erdbeerpflanze wächst bei uns vor allem an Wegränder und auf Lichtungen in Laubmischwäldern. Als Flachwurzler braucht sie einen immer leicht feuchten bis frischen Boden, sonst vertrocknet sie. Daher muss man sie in den ersten Tagen nach dem Anpflanzen reichlich gießen, sonst vertrocknet sie. Die einheimische Walderdbeere hat zwar im Vergleich zu den Gartenerdbeeren nur kleine Sammelfrüchte, die aber im Geschmack mit jeder Zuchterdbeere mithalten können. Sie wächst im Garten zwar auch an sonnigen Plätzen, braucht dort aber mehr Wasser; außerdem sind die Früchte von Pflänzchen im Halbschatten nach meinen Erfahrungen wesentlicher aromatischer. Einmal richtig eingewurzelt, braucht die Wald-Erdbeere kaum weiter Pflege und bildet bereits im ersten Jahr bereits mit Hilfe ihrer Ausläufer bald eine ganze Kolonie von Walderdbeeren.

Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) – kommt in Laub- und Mischwäldern und ist eine mehrjährige Blütenpflanzen aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Diese bis zu 40cm hohe, mehrjährige Blütenpflanze kann leicht mit Hilfe ihrer abgeplatteten Samen (daher der Name Platterbse) von im Wald stehenden Pflanzen gesammelt oder aus dem Saatgutangebot von Gärtnereien bezogen und im Schatten der Gartengehölze ausgesät werden. Der Boden sollte frisch bis mäßig feucht, aber gut durchlässig sein. Diese Platterbsenart blüht ab April. Die Blüten sind zunächst rotviolett gefärbt. Das liegt an der sauren Reaktion des Zellsaftes. Dann schlägt der Zellsaft um in den alkalischen Bereich mit pH>7 und die Blüten werden blau bis blaugrün.

Wald-Veilchen Viola reichenbachiana – Diese einheimische Veilchenart findet man häufig in unseren Buchenwäldern vor allem auf humusreichen, kalkhaltigen Böden. Es blüht ab April bis Juni mit eher kleinen, rötlich violetten Blüten an aufrecht stehenden, abwärts gebogenen Stielen. Noch etwas stärker violett gefärbt und größer sind die Blüten des nah verwandten Hain-Veilchens Viola riviniana, welches aber etwas in Mitteleuropa seltener ist und vor allem in Eichenwäldern auf mageren, trockeneren Böden vorkommt.
Auch die beiden einheimischen Schlüssenblumenarten, die Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) und die Duftende Schlüsselblume (Primula veris) eignen sich als einhemische Waldpflanzen hervorragend für einen Platz im Schatten oder Halbschatten unter den Gartengehölzen. Die Hohe Schlüsselblume blühte etwas früher ab März, die Duftende Schlüsselblume erst ab April, dafür hat sie aber mehr Blüten. Beide stehen unter Naturschutz; Nachzuchten bekommt man aber in auf einheimische Wildpflanzen spezialisierte Gärtnereien.
Waldmeister (Gallum odoratum) darf ebenfalls nicht an schattigen Plätzen im Garten fehlen. Er bildet unterirdische, kriechende Ausläufer mit deren Hilfe er sich bald zu einer umfangreichen Kolonie ausbreitet. Mit dem Waldmeister im Garten hat man dann auch gleich die Quintessenz für die Maibowle. Pflückt man ihn jedoch erst Ende April/Anfang Mai dann ist es dafür meist schon zu spät, denn oft blüht er bereits schon Mitte April. Das Echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) bildet ähnlich wie die Frühlingsplatterbse zunächst rote, dann, wenn sich der pH-Wert des Zellsaftes vom sauren ins neutrale bis alkalische Milieu verschieb, blaue Blüten mit allen möglichen Zwischenstufen zwischen rot und blau. Man findet es in unseren Laubwäldern und im Halbschatten von Gebüschen. Es blüht bereits ab März. Der Gartenfachhandel hält neben der Naturform mit rein grünen Blättern auch solch mit grün-weiß panaschiertem Laub bereit. Nachdem ich bisher – abgesehen von der Frühlingsplatterbse – vor allem Bodendecker-Pflanzen vorgestellt habe, hier nun eine hohe Blütenstaude, die mehr als 1m in die Höhe wächst und sowohl als Solitärpflanze als auch in kleinen Gruppe im Halbschatten eines Gehölzrandes am besten zur Geltung kommt: Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea). Damit er optimal auch im Garten wächst und blüht, braucht er ein Klima mit etwas Luftfeuchtigkeit - also an einen windgeschützten Platz im Halbschatten setzen – und einen lehmhaltigen, aber möglichst kalkarmen und humusreichen, durchlässigen Boden. Man kann ihn aussäen (dann blüht er allerdings erst im zweiten Jahr) oder als einjährigen Jungpflanze mit vollentwickelter Blattrosette auspflanzen. Achtung beim Umgang mit dem Fingerhut: Die Blätter enthalten ein starkes Gift, das Digitalin.

Auch einige einheimische Lippenblütler sollten im Schattengarten oder auf einem schattigen Beet nicht fehlen: besonders farbenprächtig sind die zweifarbigen Blüten des Bunten Hohlzahn (Galeopsis speciosa) in Gelb und Violett, die in dieser Farbzusammenstellung fast an die des Ackerstiefmütterchens erinnern – abgesehen natürlich von der Blütenform. Außerdem kann ich aus eigener Erfahrung die Goldnessel (Lamiastrum galeobdolon) mit ihren goldgelben Blüten bestens empfehlen. Der Gartenfachhandel bietet dazu auch eine Form mit panaschierten Blättern an, die sich aber offensichtlich bereits an vielen orten selbständig gemacht hat und von den Gärten aus in benachbarte Wäldern und an Waldrändern verwildert ist.