Hagebutten haben es nicht immer leicht gehabt, sie haben schwere Zeiten durchlebt. Damals als es noch galt, dass Rosen bis in den November blühen sollen und das noch dicht gefüllt, da schien wohl die Welt vergessen zu haben, was in den weithin leuchtenden Früchten steckt. Züchter betrachteten Hagebutten als überflüssiges Beiwerk, auf das man gut verzichten konnte. Doch heute sind Hagebutten wieder voll im Trend. Sie haben ein sehr gesundes Fruchtfleisch, das neben vielen Vitaminen, auch Biophenole und reichlich Kalzium, Kalium, Magnesium und Eisen. Die Menschen kannten das Fitness – Potential von Hagebutten, lange bevor Wissenschaftler herausfanden, dass sie bis zu 50 Mal mehr Vitamin C enthalten als Zitronen und 10 Mal mehr als Schwarze Johannisbeeren.

Einst ergänzten diese Rosenfrüchte während der Wintermonate die tägliche Ration an Obst. Sie wurden frisch, getrocknet oder als Mus verzehrt. Als man dann merkte, dass sie spürbar halfen während der kalten Jahreszeit gesund zu bleiben, traute man ihnen einiges mehr zu. Man dachte sie würden einen vor bösen Zauber und Blitzschlag bewahren und vor allem vor ungebetenem Besuch. Damit waren aber nicht die Schwiegereltern oder die Nachbarn gemeint, sondern ein launischer Gutsherr und der Tod gemeint. Die Menschen waren damals davon überzeugt ,dass die Rosenfrüchte am zuverlässigsten wirkten, wenn man in der Neujahrsnacht davon naschte.

Seit ihrem Comeback dürfen die Hagebutten wieder ohne Scham erröten und anschwellen zu Kugeln, Eiern oder flaschenförmigen Gebilden. Man zupft sie ab und presst sie zu Mus oder man bindet Kränze daraus, auch für die Vögel bleiben noch genügend Hagebutten am Rosenstrauch übrig. Der Dompfaff, der Kernbeißer und der Seidenschwanz können ihren Schnabel kaum voll davon bekommen. Und alles, was an Hagebutten runter fällt, das verputzen der Igel, die Hasen und die Mäuse.

Alle Hagebutten sind essbar und fast alle Rosen setzen Früchte an. Nur die besonders üppig gefüllten Sorten haben verlernt, Samen zu bilden. Moderne, öfter-blühende Formen kommen gar nicht mehr dazu, weil man meistens die welken Blüten abschneidet, nur damit möglichst schnell neue Knospen heranwachsen. Hagebutten, die erst nach der letzten Blütenwelle wachsen, reifen bis zum Winter selten aus. Sie eignen sich als Dekoration, aber nicht für die Küche. Kränze und andere Hagebutten - Kunst halten im Zimmer etwa drei Wochen.

Wer Hagebutten zum Verarbeiten ernten möchte, kann im Herbst von der heimischen Hunds – Rose, der Wein - Rose oder chinesischen Mandarin – Rose die Früchte pflücken. Wilde Rosen blühen früh und ihre Früchte haben dann einen Sommer lang Zeit Form, Farbe und Inhalt zu entwickeln. Je fülliger die Hagebutte ist, je schneller bekommt man das wertvolle Fruchtfleisch. Die Stiele und Blütenreste müssen von allen Hagebutten entfernt werden, danach werden sie längs aufgeschnitten, und die Kerne entfernt (einfach herausschaben), die haben nämlich ein borstiges Fell und schmecken unangenehm scharf. Außerdem reizen sie die Magenschleimhaut.

Große breitrunde Hagebutten mit üppigen Fruchtfleisch - sie rangieren auf der vordersten Rängen der Vitamin C-Hitliste - spendieren die Kartoffelrose und viele ihrer Hybriden. Die Sorte „Dagmar Hastrup“ lässt besonders dickfleischige Früchte reifen. Dann ist da noch die „Apfelrose“, auch sie ist prall gefühlt mit Vitaminen. Und ein weiterer Vitamin C Spitzenreiter ist die Vitaminrose „PiRo3“. Sie ist ein Abkömmling der Alpenrose. Ein ganz besonderes Aroma des Fruchtfleisches haben die „Raublättrigenrose, “die „Stachelrose“ und der „Bibernellrose“ mit ihren schwarzbraunen, kugeligen Hagebutten.

Wer nicht unbedingt Hagebuttenrosen in seinem Garten pflanzen möchte, jedoch trotzdem Jahr für Jahr ein paar der gesunden Früchte ernten will, kann an allen anderen Rosen auf Erntetour gehen. Vorausgesetzt die Sträucher durften einen Teil ihrer ersten Blüten behalten. Am bekanntesten für ihr schmackhaftes Aroma sind die Beetrosen „Bonica 82“, „Heidepark“, „Schneewittchen“ und Scharlachglut“ oder die Kletterrosen „Dortmund“ und „New Dawn“. Aber auch viele andere Gartenrosen müssen den Vergleich mit ihren Verwandten nicht scheuen. Der optimale Pflücktermin ist dann erreicht, wenn die Hagebutten voll ausgefärbt sind. Dann schmecken sie besonders intensiv und haben den höchsten Vitamingehalt. Überreife Früchte oder solche, die der erste Frost erwischt hat, beginnen bereits ihre Inhaltsstoffe abzubauen. Das Geheimnis einer selbst gemachten Hagebutten–Marmelade ist das reine Hagebutten–Mark, denn andere Produkte aus dem Handel sind mit anderem Frucht – Mark gestreckt.

So wird das Hagebuttenmark gemacht: Die Hagebutten von ihren Kernen befreien (ca. 1 kg) und dann muss das Fruchtfleisch gewaschen werden. Danach kommt es in einen Topf und wird mit Wasser aufgefüllt. Zugedeckt bleibt das Ganze 3 Tage an einem kühlen Ort stehen. Täglich muss das Fruchtfleisch umgerührt werden.

Hagebutten – Marmelade: Nach den drei Tagen werden die aufgeweichten Früchte durch ein grobes Sieb geschüttet und dann noch mal durch ein feines Sieb. Die Hartschaligen Früchte lassen sich leicht passieren, wenn man sie nach dem Einweichen kurz aufkocht. Für Marmelade wird der Hagebuttenmark mit Gelierzucker im Verhältnis 1:1 kurz aufgekocht. Dann wird die Marmelade noch heiß in saubere Gläser gefüllt, und diese müssen dann sofort verschlossen werden.