Auch wenn dem Hobbygärtner heutzutage eine schier unendliche Zahl an exotischen und hochgezüchteten Pflanzen mit immer mehr Zuchtsorten angeboten wird, es gibt doch noch eine ganze Reihe einheimischer Arten, die von den Gärtnereien kultiviert und zum Verkauf angeboten werden. Andere kann man sich aus der Natur selbst in den Garten holen; es sei denn, es handelt sich um unter Naturschutz stehende Arten; für diese ist man aus Nachzuchten aus den Gärtnereien angewiesen. Außerdem darf man grundsätzlich keine Pflanzen und Tiere, egal ob es sich um geschützte Arten oder nicht handelt, aus besonders geschützten Gebieten entnehmen. Und bei manchen Pflanzenarten lohnt es sich einfach nicht, selbst auf die Suche zu gehen, auch wenn sie nicht unter Schutz stehen. Denn entweder sind sie in der näheren Umgebung nicht zu finden, weil sie in anderen Landschaftsformen zuhause sind (so wird man beispielsweise alpine Steingartenpflanzen in der norddeutschen Tiefebene wohl vergeblich suchen) oder versteckt leben, kaum unbeschädigt ausgegraben werden können u. ä. Hindernisse. Auch solche Pflanzen bekommt man meist in Staudengärtnereien.

Um einige einheimische Pflanzen im Garten zu pflegen, muss man nicht gleich einen kompletten Naturgarten oder Biogarten anlegen. Viele diese Arten lassen sich harmonisch in einen Steingarten, ein Staudenbeet oder eine Blumenrabatte einfügen, in der außerdem Zuchtformen nicht-einheimischer Gartenpflanzen stehen.

Ich möchte im Folgenden einige einheimische Pflanzen, vor allem Blütenstauden, vorstellen, die sich für die Kultur im Garten eignen. Aufgeführt werden nur Arten, die unproblematisch zu beschaffen sind und mit ihren Formen und Farben exotischen Pflanzen und hochgezüchteten Sorten ernsthaft Konkurrenz machen können.

1. Pflanzen am und im Gartenteich, Bachlauf oder Sumpfbeet

Weiße Seerose (Nymphea alba) und Gelbe Teichrose (Nuphar lutea)– Schwimmblattpflanzen für die Tiefwasserzone, unter Naturschutz, aus Nachzuchten erhältlich


Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) – feuchter Teichrand, belebt mit ihren frühen, goldgelben Blüten jeden Gartenteich, steht unter Naturschutz, wird aus Nachzuchten angeboten, man sollte jedoch auf die Naturform bestehen, Gärtnereien bieten nämlich auch Zuchten mit weißen oder gar gefüllten, gelben Blüten. Warum müssen Pflanzen mit dicht gefüllten Blüten immer wieder ihre Geschlechtsorgane (Staubbeutel, Staubfäden, Griffel) abgezüchtet werden? Das beraubt die pflanzen der Möglichkeit der generativen Vermehrung und den Insekten Nahrungsquellen für Pollen und Nektar.

Europäische Trollblume (Trollius europaeus) – sumpfiger, feuchter Teichrand, geschützt, aus Nachzucht, schwach giftig.

Milzkraut (Chrysoplenium alternifolium) – der gelbe Blütenstand erinnert etwas an ein Wolfsmilchgewächs, das Milzkraut ist aber ein Steinbrechgewächs. Es eignet sich bestens als niedriger Bodendecker für einen halbschattigen Platz am Rand eines Bachlaufs.

Bachnelkenwurz (Geum rivale) blüht im späten Frühjahr mit überhängender, nickender purpurrot-brauner Blüte. Eignet sich für einen freistehenden Platz am Bachlauf in Sonne oder Halbschatten.

Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria) – weit verbreitet an feuchten und sumpfigen Plätzen, eignet sich für einen sonnigen Platz am feuchten Teichrand oder im Sumpfbeet, braucht aber viel Platz, da über 1m hoch. Achtung der Gartenfachhandel bietet auch nordamerikanischen Arten an, die blühen zwar in einem schöneren Rosa als unsere einheimische Art mit ihren chamois-weißen Blütenständen, sind aber nach eigenen Erfahrungen schwieriger im Garten erfolgreich zu pflegen und zum Blühen zu bringen.

Blut-Weiderich (Lythrum salicaria) – diese wunderschöne, einheimische Blütenstaude mit ihren mit ihren langen Blüten Ähren in leuchtendem Purpur sollten an keinem Teichrand fehlen. Sie wachsen auf lehmigem Boden problemlos am frischen bis feuchten Teichrand, aber auch in der wenige Zentimeter tiefen Flachwasserzone des Gartenteichs.

Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre) - wird durchschnittlich 50cm hoch, hat große, leuchtend purpur-violette Blüten, eignet sich für einen Platz im Halbschatten auf lehmhaltigem Boden am Teichrand oder Bachlauf.

Wasser-Knöterich (Polygonum amphibium) – mit an der Wasseroberfläche flutenden Trieben und Blätter, bildet weit über die Wasseroberfläche hinausragende lange, kolbenförmige Scheinähren in Rosa. Eignet sich sowohl für die Feuchtzone, wo es kriechende Formen bildet, als auch als Schwimmblattpflanze für die Freiwasserzone des Gartenteiches.

Wasserfeder (Hottonia palustris) – eine untergetaucht lebende Wasserpflanze, die vor allem mit ihren kammförmig gefiederten Blätter auffällt. Die kleinen Blüten sind weiß bis zartrosa.

Von den zahlreichen Lysimachia-Arten eignen sich vor allem der Gilbweiderich L. vulgaris, das Pfennigkraut L. nummularia und der Straußblütige Gilberweiderich L. thysiflora für einen Platz am Gartenteich.

Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis palustris) – eignet sich für einen Platz auf feuchtem, lehmigem und nährstoffreichem Boden am Teichrand oder Bachlauf.

Gemeiner Beinwell (Symphytum officinale) – bis eine 1m hohe Blütenstaude mit zahlreichenden hängen Blüten in Purpur-Violett. Es gibt aber auch Naturformen (keine Zuchtsorten) mit roten, weißen oder gar gelblichen Blüten. Bekannt vor allem auch als Heilpflanze, braucht einen tiefgründigen, sumpfig-feuchten Boden.

Kriechender Günsel (Ajuga reptans) – eine bis zu 30cm Staudenpflanze mit blauen Blüten, die eine lange, zylinderförmige Scheinähre bilden. Eine lang blühende Bereicherung für den Teichrand, wächst sowohl auf trockenem wie feuchtem Boden.

Sumpf-Ziest (Stachys palustris) – diese Sumpfpflanze wächst am besten am Teichrand auf feuchtem Boden und kann bis zu 1m in die Höhe wachsen. Die Blüten in Quirlen um den Stängel mit rosa-farbenen Blüten mit einer dunkel purpurroten Zeichnung auf der dreiteiligen Unterlippe – damit erinnern sie fast an Orchideenblüten.

Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica) – bitte nicht aus der Natur entnehmen, man bekommt bei auf Teichpflanzen spezialisierten Gärtnereien. Er wächst auf permanent feuchtem Boden, sollte aber zeitweise auch in nur wenige cm tiefen Wasser stehen.

Pfeilkraut (Sagittaria sagitifolia) – steht im Flachwasser der Ufergürtel von Teichen. Auffallend sind vor allem die pfeilförmigen Blätter.

Schwanenblume (Butomus umbellatus) – in Deutschland bis auf den Alpenraum überall zerstreut vorkommend, aber selten. Diese Pflanze bekommt man aber ohne Weiteres bei Gärtnereien, die auf die Kultur einheimischer Teichpflanzen spezialisiert sind.

Wie man sieht, die einheimische Pflanzenwelt bietet ein reiches Spektrum an Teich- und Sumpfpflanzen, die sich auch gut für einen Platz am oder im Gartenteich, im Sumpfbeet oder am Bachlauf eignen. Und diese Liste ließe sich noch um einige Arten erweitern. Die meisten dieser Arten werden relativ preiswert von auf Teichpflanzen spezialisierten Gärtnereien angeboten. Darauf sollte man soweit wie möglich zurückgreifen, statt in der Natur zu wildern oder gar die wenigen noch intakten Feuchtgebiete, Tümpel und Weiher durcheinander zu bringen.

Wer einige der hier aufgeführten Arten in seinem Garten erfolgreich pflegt, trägt gleichzeitig auch ein wenig zum Arterhalt bei. Außerdem sind alle Arten robust, pflegeleicht und winterfest – im Gegensatz zu vielen exotischen Pflanzenarten.