Wer einmal im Frühjahr in der Macchie Korsikas umhergestreift ist, ist sicher auch auf blühende Zistrosen gestoßen. Während in der Trockenvegetation an den Berghängen Korsikas nur wenige Zistrosen-Arten gibt, soll es auf der nur wenige Kilometer entfernten Insel Sardinien in der Garrigue – so heißt die sardische Trockenvegetations-Landschaft – bereits 20 Zistrosen-Arten gehen.

Auf den ersten Blick sehen Zistrosen-Blüten einigen unserer heimischen Wildrosen ähnlich. Sie sind jedoch mit den Rosen nicht näher verwandt. Zistrosen haben papierdünne Blütenblätter, die oft ein wenig zerknittert aussehen und auch nicht von langer Haltbarkeit sind. Die Blüten fallen meist schon nach wenigen Tagen ab. Aber es öffnen sich während der Blütezeit im April/ Mai ständig neue Blüten.

Blüten und Blätter verströmen einen intensiven Duft. Die Blätter der Zistrosen scheiden ein klebriges, aromatisch riechendes Harz aus. Manche Arten der Zistrosen sind niedrige Bodendecker, andere bilden kleine Halbsträucher oder Sträucher. Sie wachsen auf den kargen, degenerierten Böden der Garrigue, und spätestens nach der Blütezeit müssen sie viele Monate ohne Niederschläge und Wasser auskommen.

Name:  640px-Macchia.jpg
Hits: 13
Größe:  137,6 KB
Im Bild ein typischer Ausschnitt aus der Garrigue Sardiniens mit der violett blühenden Kretischen Zistrose (Cistus creticus) vorne links, der weißen Montpellier-Zistrose Cistus monspeliensis rechts oben und dem violetten Schopf-Lavendel zwischen beiden Zistrosen-Arten (Foto: Tigerente, Creative Commons Attr.-Share Alike 3.0 Unported).

Einige Zistrosen lassen sich auch im Gewächshaus oder Wintergarten kultivieren. Dazu zählen u. a. Die Lack-Zistrose Cistus ladanifer, die Lorbeerblättrige Zistrose Cistus laurifolius , sowie die Hybride Cistus x purpureus. Allerdings passen Zistrosen nicht in ein Gewächshaus oder in einen Wintergarten mit Pflanzen aus dem tropischen Regenwald, sondern als typischen Bewohner der mediterranen Trockenvegetation passen sie eher zusammen mit Wolfsmilchgewächse, von denen es ja auch etliche, sehr schön blühende Exemplare auf Sardinien gibt, oder Blattsukkulenten Nordafrikas und des Mittelmeerraumes.

Name:  360px-Cistus_ladanifer1Juan_Sanchez.jpg
Hits: 11
Größe:  34,3 KB
Die Lack-Zistrose Cistus ladanifer erkennt man an den dunklen, rotbraunen Saftmalen an der Basis ihrer weißen Blütenblätter (Foto: Juan Sanchez, Creative Commons Attr.-Share Alike 2.0 Generic).

Die Lack-Zistrose kommt auf Sardinien, in Nordwest-Afrika und auf den Kanarischen Inseln vor. Sie besiedelt neben der Macchie und Garrigue auch lichte Kiefernwälder. In der Natur bildet sie einen bis zu 250cm in die Höhe wachsenden Strauch.

Die Lorbeer-Zistrose sieht ähnlich aus, hat aber breitere Laubblätter und außerdem fehlen ihr die für die Lack-Zistrose typischen, dunklen Saftmale auf den Blütenblättern. Die Lorbeer-Zistrose ist im gesamten Mittelmeerraum verbreitet und kommt auch in Marokko und der Türkei vor.

Name:  320px-Cistus_laurifolius2LEST.jpg
Hits: 12
Größe:  23,7 KB
Die Lorbeer-Zistrose oder Lorbeerblättrige Zistrose Cistus laurifolius (Foto: Leif Stridvall, Creative Commons Attr.-Share Alike 2.5 Generic)

Name:  321px-Cistus_purpurea.jpg
Hits: 11
Größe:  38,0 KB
Die Purpur-Zistrose Cistus x purpureus ist eine purpurrosa-rotblühende Hybride, entstanden aus einer Kreuzung der Lack-Zistrose mit der Kretischen Zistrose (Foto: Peripitus, Creative Commons Attr.-Share Alike 4.0 International). Von der Kretischen Zistrose hat diese Hybride die rot-violette Blütenfarbe, von der Lack-Zistrose die dunkel-braunen Saftmale übernommen. Cistus x purpreus kann auch während der Sommerzeit auf Balkon oder Terrasse gehalten werden. Sie kommt sogar fürs Auspflanzen im Garten infrage, braucht dann aber einen guten Winterschutz.

Die drei hier vorgestellten Zistrosen eignen sich gut für die Kultur in geschlossenen Räumen. Sie brauchen es während der Sommermonate warm und sonnig. Im Winter dagegen eher kühl bei Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius. Im Sommer muss regelmäßig gegossen werden; außerdem gibt man etwas Flüssig-Blütendünger ins Gießwasser. Im Winter dagegen nur noch spärlich gießen und nicht düngen. Wintergarten oder Gewächshaus, in dem die Zistrosen kultiviert werden, müssen außerdem regelmäßig gelüftet werden, sonst droht Grauschimmel. Man sollte die verschiedenen Zistrosen getrennt voneinander einzeln in Töpfe, Kübel oder Tröge setzen. Zumindest die Lack-Zistrose wächst in der Natur nur auf sauren Böden und meiden Kalk; deshalb sollten sie auch als Indoor-Pflanzen ein kalkfreies Substrat bekommen. Nach der Blüte können die Zistrosen zurückgeschnitten werden. Zistrosen kann man im Frühjahr durch Aussaat oder Stecklinge vermehren.