Während die Biologische Schädlingsbekämpfung sich im Freiland – abgesehen vielleicht vom Obstanbau – noch nicht so recht durchgesetzt hat, boomt der Einsatz von Nützlingen zur Bekämpfung von Schädlingen im Gewächshaus. So hat der Einsatz von solchen Nützlingen im Gewächshaus z.B. in Österreich innerhalb eines Jahrzehntes um mehr als 1.2000 Prozent zugenommen! Und weltweit ist der Anteil der Gewächshausflächen, auf denen Nützlinge eingesetzt werden z.B. allein von 1968 bis 1995 immerhin um das Tausendfache gestiegen.

Woran liegt das? Schädlinge sind im Gewächshaus leichter zu bemerken und zu identifizieren. Dann können Nützlinge sehr spezifisch und punktgenau gegen diese Schädlinge eingesetzt werden, die ja nicht ins Freiland ausweichen können. Um zum Erfolg zu führen, ist das notwendige Zahlenverhältnis von Nützlingen zu Schädlingen unter Glas deutlich geringer als im Freiland. Fazit: konsequent angewandte Biologische Schädlingsbekämpfung im Gewächshaus, das lohnt sich.

Mit dieser Zunahme hat sich nicht der quantitative Einsatz von Nützlingen deutlich gesteigert, auch die Qualität hat sich verbessert. So steht heute auch mehr Arten von Nutzarthropoden, Fadenwürmern (Nematoden) u.a. zur Verfügung, die sehr gezielt gegen bestimmte Schädlinge eingesetzt werden können.

Auch das Monitoring, also das Aufspüren von Schädlingen im Gewächshaus, bevor sie große Schäden anrichten, hat sich in den letzten Jahren verfeinert. Ein bekanntes Beispiel sind mit Leim bestrichenen Farbtafeln, die man in die Pflanzen hängt: Gelbtafeln für Weiße Fliegen, Minierfliegen und fliegende Blattläuse, Blautafeln, um Thripse (Fransenflügler, auch Blasenfüße genannt) anzulocken. Und in Kleingewächshäusern reicht oft schon allein der Einsatz solcher Farbtafeln, um einen Großteil der Schädlinge abzufangen.

Auch die Einsatzmethoden zur Bekämpfung von Schädlingen im Gewächshaus sind in den letzten Jahrzehnten optimiert worden und inzwischen ausgereift. Bewährt habe ich vor allem drei Methoden, Nützlinge im Gewächshaus auszubringen:

1. Der Aufbau einer Nützlingszucht mit Hilfe sogenannter Bankerpflanzen – Dazu züchten man zum Beispiel Nützlinge, die gegen Blattläuse eingesetzt werden sollen, auf Blattlausarten an, die die zu schützende Kulturpflanze nicht befallen, z.B. Getreideblattläuse auf Wintergerste. Dann werden sich diese Nützlinge, sobald sich ein genügend großer Bestand gebildet hat, auch über die im Gewächshaus kultivierten Nutz- oder Zierpflanzen und deren Blattläuse hermachen, z.B. die Gurkenblattlaus. Da bei dieser Parallelzucht immer wieder neue Generationen von Nutzinsekten nachfolgen, werden die Blattläuse kontinuierlich in Schach gehalten.

2. Saisonal inokulative Ausbringung von Nützlingen – Bei dieser Methode werden in bestimmten intervallen immer wieder Nützlinge im Gewächshaus ausgesetzt, die sich dann im bestand selbst weiter aufbauen, bis zum nächsten Termin, bei dem erneut Nützlinge ausgesetzt. Diese Methode wird vor allem bei Tomaten, Paprika, Gurken und anderen Fruchtgemüsesorten eingesetzt. Auf diese Weise kann man die Zahl der Einsatztermine deutlich reduzieren.

3. Beim sogenannten Inundativen Verfahren werden in regelmäßigen Abständen immer wieder große Mengen von Nützlingen im Gewächshaus ausgebracht, ohne dabei auf nachfolgende Generationen wie beim saisonal inokulativen Verfahren zu setzen.

Es ist aber nicht damit getan, Nützlinge im Gewächshaus einzusetzen; sie brauchen auch die für sie geeigneten Milieubedingungen, um aktiv zu werden. Bei Raubmilben bedeutet das z. B. Eine relative Luftfeuchtigkeit von wenigstens 70%, bevor sich über die Spinnmilben hermachen. Eine wichtige Rolle spielen je nach Nützlingsart auch die Lufttemperatur und die Helligkeit, bzw. Tageslänge im Gewächshaus. Die Züchter liefern mit den Nützlingen die notwendigen Anwendungsregeln mit, die strikt beachtet werden sollen, um zum Erfolg zu führen.

Und welche Nützlinge werden nun auf welche Schädlinge angesetzt. Hier kann natürlich nur ein grober Überblick gegeben werden:

Raubmilben werden – wie bereits erwähnt – gegen Spinnmilben eingesetzt. Einige arten haben ein sehr spezifisches Nahrungsspektrum und erbeuten ausschließlich Spielmilben. Andere Raubmilben sind auf Trauermücken oder Thripse spezialisiert oder haben ein breiteres Spektrum an Beutetieren.

Auch Raubwanzen kommen zum Einsatz gegen Thripse, andere Raubwanzen stattdessen gegen Blattläuse und Weiße Fliegen.

Ein breites Nahrungsspektrum haben Florfliegen, zu deren Beuteschema u.a. die verschiedensten Blattlausarten zählen. Allerdings neigen die Larven der Florfliegen bei der Aufzucht auch zu Kannibalismus.

Gut bekannte Nützlinge sind auch die verschiedene Marienkäfer arten. Eine bestimmte Art lässt sich zum Beispiel gegen Schmier- und Wollläuse einsetzen, eine andere , andere gegen Schild- oder Blattläuse. Eine Ausnahme bildet der Chinesische Marienkäfer, der die Beläge von Melhtau frisst.

Gegen Blattläuse lassen sich auch räuberische Gallmücken einsetzen.

Sehr wirksam lassen sich Weiße Fliegen in Gewächshauskulturen mit Hilfe von verschiedenen Arten von Erz- und Schlupfwespen bekämpfen. Andere Schlupfwespen lassen sich auf Blattläuse ansetzen. Eine dritte Gruppe von Schlupfwespen ist auf Minierfliegen als Beute spezialisiert, eine vierte Schlupfwespengruppe auf Woll- und Schmierläuse oder Schildläuse.

Allerdings ist vor dem Einsatz von Nützlingen zur Biologischen Schädlingsbekämpfung eine behördliche Genehmigung notwendig.