Der Feigenbaum Ficus carica gehört zur großen Gattung Ficus, zu denen auch die Birkenfeige Ficus benjamini zählt oder der Banjam-Tree, der heilige Baum der Hindus, etwas prosaischer auch Würgefeige genannt. Sie alle gehören zur Familie der Maulbeerbaumgewächse (Moraceae).

Ursprünglich war der Feigenbaum wohl in Vorderasien heimisch, wurde aber schon in der Antike im gesamten Mittelmeerraum kultiviert. Der Feigenbaum ist also eigentlich ein Gehölz der Subtropen. Aber längst werden im Gartenhandel auch winterharte Sorten angeboten, die auch bei uns ganzjährig im Freien bleiben können – allen voran die sogenannte Bayernfeige.

Ich rate jedoch bei solchen Angaben über die Winterhärte von Gehölzen generell zur Vorsicht. Ich habe mehrfach schlechte Erfahrung damit schlechte Erfahrung gemacht. Einmal ist mir einen Feigenbäumchen, welches ich auf eine windgeschützten, sonnigen Terrasse als Kübelpflanze gepflegt, im Winter erfroren. Ein anderes Mal handelte es sich um ein im Garten angepflanztes, mehrjähriges Exemplar von mehr als 1 1/2m Höhe. In beiden Fällen es sich nicht um Jungpflanzen, sondern mehrjährige Exemplare, die eigentlich bereits eine ausreichende Frosthärte entwickelt haben sollten. Andererseits – meine Großeltern hat ein stattliches, viele Jahre altes Exemplar eines strauchartig wachsenden, mächtigen Feigenpflanze im Innenwinkel ihres ihres winkelförmigen Bungalows stehen, und diese Feige trug jeden Spätsommer reichlich reife Früchte. Das muss wohl an dem speziellen Kleinklima in dieser Nische gelegen haben. Einerseits nach Süden gerichtet, aber im Halbschatten des Bungalows, windgeschützt und mit einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit. Und das scheint genau das Milieu zu sein, welches Feigenbäume auch im Mittelmeerraum uralt werden lässt. So sieht man zum Beispiel im Süden Kretas solchen prachtvollen, ausladenden Exemplare eines Feigenbaumes vor dem Eingang großer Höhlen stehen. Auch dort im Halbschatten haben sie ein windgeschütztes, halbschattiges und relativ feuchtes Klima. Außerdem sind sie dort vor heftigen Niederschlägen geschützt, wie sie im Winterhalbjahr für die Ägäis typisch sind. Feigen werden zwar auch in subtropischen Regionen mit häufigem Sommerregen kultiviert, dort können die Früchte aber nicht getrocknet werden.

Egal, auch nach solchen Rückschlägen, werde ich es noch einmal mit einem Feigenbaum versuchen. Denn es handelt sich um ein sehr interessantes Gehölz, natürlich auch um der Früchte willen. Apropos Früchte: Neben der uralten Kulturform mit essbaren Früchte gibt es eine sogenannte Holzfeige, auch Bocks- oder Caprifeige genannt. Diese Holzfeige liefert zwar keine essbaren Früchte, trägt aber zum Ertrag der essbaren Feigen bei. Es gibt nämlich eine kleine Gallwespenart (Blastophaga psenes), die die männliche Pollen der Holzfeige auf die weiblichen Blüten der Hausfeige überträgt. Denn während die Holzfeige männliche und weibliche Blüten hat, entwickelt die Hausfeige nur weibliche Blüten. Daher wurde bereits in der Antike in den Feigenplantagen immer auch einige Exemplare der Holzfeige gepflanzt, um den Ernteertrag zu sichern. Inzwischen gibt es wohl für den Hobbygarten auch selbst-fruchtende Sorten der Kulturfeige. Der Feigenstrauch meiner Großeltern trug zum Beispiel im Spätsommer immer reichlich reife Früchte – auch ohne eine Holzfeige in der Nachbarschaft. Ich habe gelesen dass solche Feigenbäume zwar auch Früchte entwickeln, die aber keine Samen enthalten und deshalb auch nicht durch Aussaat weitervermehrt werden können.

Eine weitere Besonderheit der Kultur- oder Hausfeige ist, dass es sich bei den reifen Feige eigentlich gar nicht um Früchte im eigentlich Sinn handelt, sondern um einen Blütenstand, der im Laufe eines Reifeprozesses birnenförmig anschwillt und dickfleischig wird. Die weiblichen Blüten sitzen nämlich auf der Innenseite eines krugförmig eingesenkten Blütenstandes, dessen Öffnung mit der Zeit durch Schuppenblätter fast vollständig eingeschlossen wird. Die Gall- oder Feigenwespe legt ihre Eier in die Blüten der Holzfeige, egal ob es sich um weibliche oder männliche Blüten handelt. Wenn die jungen Gallwespen am Ende ihrer Larvenentwicklung (Gallwespen gehören wie die Bienen und Hauswespen zu den Hautflüglern unter den Insekten und haben kein Puppenstadium) die Blüten verlassen, dann bleiben die Pollen der männliche Blütenstände an den Gallwespen hängen und wenn sie dann zu den weiblichen Blüten der Kulturfeigen fliegen, bestäuben sie sie mit Hilfe der mittransportierten Pollen.