Die [B]Küchenzwiebel Allium cepa ist eine der ältesten Gemüsesorten und teilweise bereits seit Jahrtausenden in Kultur. Das eigentliche Speicherorgan, die Zwiebel, wird an der Basis der röhrenförmigen Laubblätter, wie man sie auch vom Schnittlauch, Knoblauch, Bärlauch und Zierlaucharten kennt, gebildet, ist fleischig verdickt und bildet das Speicherorgan für die Entwicklung der Blüten und Samen im zweiten, bzw. dritten Jahr der Zwiebel. Denn je nach Sorte können Küchenzwiebel zwei- oder dreijährig sein. Die Zwiebel, also die stark verdickte Basis der Röhrenblätter wiederum sitzt auf der sogenannten Zwiebelscheibe auf. Und diese Zwiebelscheibe ist in Wirklichkeit die extrem gestauchte Sproßachse. Während die Küchenzwiebeln mehrere Schalen bilden (Häute genannt: Die Zwiebel hat bekanntlich „sieben Häute und beißt alle Leute“), haben die Lilien schuppenförmige Zwiebeln.

Der botanische Artname cepa stammt aus dem Lateinischen der Römer, die die Zwiebel bereits in der Antike kultivierten. Und mit der Verkleinerungsform cepulla wurden kleine Zwiebelchen bezeichnet. Und aus cepulla wurde dann im Althochdeutschen cibolle, im Mittelhochdeutschen zibel und schließlich daraus das Wort Zwiebel, wobei im Niederdeutschen die Zwiebel immer noch Bolle, im Bodenseeraum Bülle genannt wird. So gibt es zum Beispiel im kleinen Ort Bankholzen bei Radolfzell jährlich ein gut besuchtes Büllefest, bei dem alles Mögliche rund um die Zwiebel angeboten wird.

Küchenzwiebeln gelten als besonders gesund und spielen auch in der Volksmedizin eine bedeutende Rolle. Ihre gesundheitsfördernde Wirkung rührt vor allem auf ihren diversen, schwefelhaltigen, ätherischen Ölen. Diese Stoffe regen nicht nur die Tränendrüsen beim Zwiebelschneiden an, sondern verbessern auch die Drüsenfunktion im Verdauungstrakt, töten krankmachende Darmbakterien ab und helfen durch ihre harntreibende Wirkung, Nierengries und Nierensteine abzuleiten. Und das Knoblauchöl, welches nicht nur im Knoblauch, sondern auch in der Küchenzwiebel – wenn auch in geringerer Konzentration – vorhanden ist, erweitere die Blutgefäße und fördert damit die Durchblutung. Allerdings sind die meisten dieser medizinisch wertvollen Inhaltsstoffe leicht flüchtig und bleiben nur in der rohen Zwiebel vollständig erhalten.

Längst gibt es nicht nur die eine Küchenzwiebel, sondern die verschiedensten Formen und Farben und damit auch die unterschiedlichsten Verwendungsmöglichkeiten. So kann man die Speise- oder Küchenzwiebel Allium cepa zunächst einmal in funktionelle Gruppen einteilen. Einige – die sogenannten Säzwiebeln – werden im Frühjahr gesät und im Herbst als Speisezwiebeln geerntet. Andere sind sogenannte Steckzwiebeln, die im ersten Jahr aus Samen gezogen werden, dann im zweiten Jahr im Frühjahr ausgelegt - „gesteckt“ - werden. Diese Steckzwiebeln können teils im Sommer als kleinere Schlottenzwiebeln, teils erst im Herbst als voll entwickelte Speisezwiebeln geerntet werden.

Es gibt
- Gemüsezwiebeln – sie sind besonders groß, schmecken aber nicht sehr scharf.

- Haushaltszwiebeln – sie können je nach Sorte ganz unterschiedlichen Schalenfarben haben und auch ihre Schärfe ist von Sorte zu Sorte unterschiedlich.

- Perlzwiebeln – das sind die ganz kleinen mit der silberweißen Schale. Sie werden früh gesät und schmecken sehr mild.

Und dann gibt es noch wenigstens zwei Unterarten:
- Etagenzwiebeln – Allium cepa viviparum – von ihnen werden die röhrenförmigen Blätter wie Schnittlauch geerntet, geschnitten und verzehrt. Sie werden „lebengebärend“ (= vivparum) genannt, weil sie in zwei oder mehr Etagen Brutzwiebeln bilden.

- Schalotten – Allium cepa ascalonicum - bei dieser Form entwickeln sich um die große Stammzwiebel herum ganze Horste kleinerer, länglich-eiförmiger Tochterzwiebeln, eben die Schalotten, die an der Basis miteinander verwachsen sind.

Und von jeder dieser „funktionellen“ Gruppen der Zwiebel gibt es wiederum etliche Zuchtsorten, von denen die folgenden zu den bekanntesten Sorten zählen:
Gemüsezwiebeln
- 'Ailsa Craig' – eine häufig genutzte Standardsorte
- 'Exhibition' – eine Sorte mit sehr großen Zwiebeln
- 'The Kelsae' – ebenfalls sehr große Zwiebeln
- 'Yellow Seweet Spanish' – kugelrunde Zwiebeln, mild im Geschmack

Haushaltszwiebeln
- 'Braunschweiger Rote' – eine Sorte mit roten, flach geformten Haushaltszwiebeln
- 'Express Yellow' – diese gelbe Sorte wird im August gesät, überwintert und kann schon zeitig im Frühjahr geerntet werden
- 'Golden Bear' – eine sehr frühe Sorte
- 'Juwarund'
- 'Piroska' - eine Sorte mit roter Schale
- 'Rijnsberger' – eine Sorte, die sich durch gute, lange Haltbarkeit auszeichnet
- 'Stuttgarter Riesen' – diese mittelspäte Sorte wird meist als Steckzwiebeln verwendet; sie kann aber auch als einjährige Säzwiebel kultiviert werden. Stuttgarter Riesen sind sehr groß und flach- bis plattrund. Die Schale ist dunkelgelb, das Zwiebelfleisch dagegen weiß und schnittfest.
- 'Taify' – eine gelbschalige Sorte, die als Steckzwiebel angebaut wird und sich zum Überwintern eignet, ebenso wie die Sorten 'Presto' (ebenfalls gelb) und 'Ronny' (rot)
- 'Zittauer Gelbe' – eine helle, runde Zwiebelsorte, die lange lagerfähig bleibt. Im Profil ist die Zittauer Gelbe länglich rund. Sie wird mittelgroß mit einem Durchmesser zwischen 5,5 und 6,5cm geerntet. Sie hat eine dünne, gelblich gefärbte Schale, das Zwiebelfleisch ist jedoch rein weiß und schnittfest. Diese Sorte hat einen milden, leicht süßlichen Aroma.

Silberzwiebeln
- 'Barletta'
- 'Pompeii'

Lauch- oder Frühlingszwiebeln und auch die sogenannten Winterheckzwiebeln oder einfach Winterzwiebeln gehören zu einer anderen , mit der Küchenzwiebel verwandten Art Allium fisulosum.

Säzwiebeln werden im Allgemeinen im zeitigen Frühjahr ausgesät und können dann bereits im Herbst geerntet werden. Steckzwiebeln werden im ersten Jahr gesät und dann im zweiten Jahr gesteckt. Solche Steckzwiebeln kann man kaufen oder selbst ansäen. Diese Steckzwiebeln können dann als Lauchzwiebeln bereits im Sommer oder erst im Herbst als voll ausgereifte Dauerzwiebeln geerntet werden. Nur bestimmte Zwiebelsorten mit einem dreijährigen Entwicklungszyklus eignen sich als Steckzwiebeln.

Steckzwiebeln, die man selbst ausgesät und im Juli als kleine Zwiebelchen geerntet hat, werden getrocknet, den Winter über kühl gelagert und dann kommen sie im darauffolgenden Frühjahr zwischen März und April wieder ins Beet und zwar von ca. 15cm in der Reihe und einem Abstand zwischen den Reihen von etwa 25cm. Sie werden nicht tief, aber fest in die Erde gesteckt. Neben diesen Frühjahrssteckzwiebeln gibt es auch Wintersteckzwiebeln, die erst im September in den Boden gesteckt werden und dann zum Winterschutz nach dem Austreiben angehäufelt und mit Stroh oder Reisig abgedeckt werden. Diese Wintersteckzwiebeln sind dann im folgenden Mai erntereif.

Große Gemüsezwiebeln haben eine lange Kulturzeit; sie werden auf der Fensterbank oder unter Glas vorgezogen. Dazu werden sie zwischen Februar und März in Anzuchtschalen oder – kästen ausgesät und dann nach etwa 2 Monate pikiert. Nach den Eisheiligen Ende Mai werden sie dann ins Freiland ausgepflanzt.

Die etwas kleineren Haushaltszwiebeln werden entweder im März/April ausgesät, wenn man sie im Spätsommer/Herbst ernten will, oder erst Anfang August , wenn sie überwintern sollen. Haushaltszwiebeln sät man so dünn wie möglich direkt ins Freibeet mit einem Reihenabstand von etwa 25cm. Später werden sie auf einen Abstand von etwa 5cm zwischen den Zwiebeln vereinzelt.

Zwiebeln sind keine Starkzehrer, sondern nur sogenannte Mittelzehrer. Kultiviert man das Gartengemüse im Fruchtwechsel, dann kommen Zwiebeln erst in die zweite Tracht, also nachdem die Starkzehrer abgeerntet sind. Besonders auf zu hohe Stickstoffkonzentrationen reagieren sie empfindlich . Die Säzwiebeln haben einen mittleren Bedarf an Nährstoff, Lauchzwiebeln aber nur eine geringen Nährstoffbedarf. Lauchzwiebeln erhalten nur eine einmalige Düngergabe nach dem Austreiben , wobei etwa 5 Gramm N pro Quadratmeter gedüngt wird. Säzwiebeln bekommen außerdem im Juni noch einmal eine Kopfdüngung in gleicher Höhe. Säzwiebeln brauchen einen möglichst neutralen bis leicht alkalischen Boden, Lauchzwiebeln tolerieren auch einen leicht sauren Boden mit einem pH-Wert von etwa 6.

Außerdem ist es für das Gedeihen der Zwiebeln ganz wichtig, mit welchem Gemüse man sie zusammen kultiviert, falls man Gemüse in Mischkultur anbaut. Zwiebeln vertragen sich gut mit Gurkengewächsen, Karotten, Salatpflanzen, Tomatenpflanzen, Dill und sogar mit Erdbeeren. Man sollte Zwiebeln aber nie in die unmittelbare Nachbarschaft von Kohlsorten, Bohnen und Erbsen pflanzen.

Während der Hauptwachstumszeit der Zwiebeln sollte man regelmäßig zwischen den Pflanzenreihen die Erde durch vorsichtiges Hacken lockern, das Unkraut entfernen und vor allem in regelmäßigen Abständen gießen. Sind die Zwiebeln nämlich längere Zeit in zu trockenem Boden, dann beginnen sie ins Kraut zu schießen. Zwiebeln, die eingelagert werden sollen, müssen dagegen ab August trockener kultiviert werden.

Etagenzwiebeln sind Schwachzehrer, die am besten auf einem humusreichen, und lockeren Boden kultiviert werden. Man setzt ihre kleinen Brutzwiebeln entweder zum Sommerende oder im Frühjahr mit einem Pflanzabstand von 10 bis 20cm in den Boden. Sie bilden schnell Wurzeln und entwickeln sich dann fast ohne jegliches Eingreifen über mehrere Jahre am gleichen Platz. Ihre dunkelgrünen Schlotten können bei bedarf geschnitten und dann in der Küche ähnlich wie Schnittlauch verwendet werden. Die Brutwzwiebeln der nächsten Generation werden etwa Ende Juli von den Mutterpflanzen abgenommen. Dann legt man sie ähnlich wie Silberzwiebeln ein und nutzt sie wie frische Zwiebeln.

Schalotten sind dagegen Mittelzehrer, brauchen aber ebenfalls einen humusreichen und gut gelockerten Boden. Sie können auch in Mischkultur kultiviert werden, wobei die guten und die schlechten Gemüse-Nachbarn die gleichen sind wie bei den Speisezwiebeln. Die Vermerhungszwiebeln werden wie die Steckzwiebeln im März/April in die Erde gesteckt, wobei man einem Pflanzabstand von etwa 15 x 20cm einhalten sollte. Während der Vegetationsphase muss regelmäßig gelockt, gejätet und gegossen werden. Dann können sich die Horste der Schalottenzwiebeln gut entwickeln. Ab Juni werden die die Schalotten mit dem Laub geerntet. Wenn das Laub langsam vertrocknet und umfällt, können die Zwiebeln etwa ab Juli/August geerntet werden. Dazu werden de Zwiebeln vorsichtig ausgegraben, so dass die Horste nicht auseinanderbrechen können. Dann lässt man sie einige Tage zum Abtrocknen liegen. Anschließend werden sie trocken und luftig zwischengelagert. Schalotten können in der Küche ähnlich wie Haushaltszwiebeln genutzt werden.

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge:
An Schädlingen sind es vor allem die Zwiebelfliege, aber auch Blattläuse, die den Pflanzen schaden können. Und als Pilzkrankheiten können vor allem der Falsche Mehltau und der Grauschimmel auftreten.