Das Erdhaus könnte man in gewisser Weise als ein in den Boden versenktes Gewächshaus bezeichnen – oder umgekehrt als über den Boden hinaus gewachsene Erdmiete, je nach Blickwinkel. Das Erdhaus ist gewissermaßen ein Gewächshaus, dessen Seitenwände zum größten Teil unter der Erdoberfläche liegen. Oft ragt auch nur das giebelförmige gläserne Dach hervor.

Solch ein Erdhaus hat gegenüber einem freistehenden Gewächshaus vor- und Nachteile: Zu den Vorteilen eines Erdhauses zählen die geringeren Wärmeverluste, da die umgebende Erde isolierend wirkt. Es ist einfacher, solch ein Erdhaus frostfrei zu halten und auch die Heizkosten – wenn sie überhaupt anfallen – sind geringer als bei einem freistehenden Gewächshaus. Außerdem fällt ein solches Erdhaus weniger störend als Fremdkörper im Garten auf als ein freistehendes Gewächshaus, es behindert auch kaum die Sicht auf den dahinter liegenden Gartenteil. Ein Erdhaus passt sich zwangsläufig den natürlichen Standort- und Milieubedingungen besser an und lässt sich deshalb auch gut in einen Garten integrieren, der nach den der Permakultur angelegt und gepflegt wird. Nicht zu vergessen: Ein Erdhaus kommt meist wesentlich billiger in Bau, bzw. Anschaffung und Unterhalt als ein freistehendes Gewächshaus.

Nun zu den Nachteilen eines Erdhauses:

- Ein Erdhaus erfordert eine sorgfältige Planung, handwerkliches Geschick bei Aufbau und Installation – man kann es schließlich nicht im Baumarkt kaufen und aus vorgefertigten Teilen zusammensetzen. Zunächst müssen die Bodenverhältnisse geklärt werden. Im Zweifel sollte man dazu einen Fachmann zu raten ziehen. Denn nicht jedes Bodenprofil ist geeignet. Das Bodenprofil darf keine Fließhorizonte oder wasserführende Schichten aufweisen; schließlich müssen die Wände des Erdhauses dem seitlichen Druck des Bodens standhalten; auch nach Starkregen und zeitweisen Überschwemmungen. Auf ein solides Mauerwerk der Seitenwände kann man daher nicht verzichten, und die Mauern sollten wenigstens einen halben Meter über die Erdoberfläche hinausragen. Je dicker die Mauern oberhalb der Erdoberfläche sind, desto besser ist ihre isolierende Wirkung. Um dies zu erreichen, baut man an die eigentliche Mauer von außen eine Trockenmauer an, deren Basis aus statischen Gründen breiter sein muss als die oberen Schlusssteine. Die Nischen und Ritzen zwischen den Steinen lassen sich mit verschiedenen Steingarten- und Polsterpflanzen füllen. So lässt sich ein Erdhaus noch besser optisch in den Garten integrieren.

- Um in das Erdhaus zu gelangen, muss eine meist recht steile Treppe angelegt werden. Das kann zum Problem werden und Kräfte zehrend sein, wenn man später Säcke mit Blumenerde, Pflanzkübel und anderes Material ins Erdhaus tragen muss.

- Licht dringt im Erdhaus nur von oben durch das transparente Dach – es fehlen ja die gläsernen Seitenwände. Damit ist die Lichtausbeute für die Pflanzen im Erdhaus viel geringer als im freistehenden Gewächshaus. Für sonnenhungrige Sommerblumen und Gemüse ist ein Erdhaus deshalb nicht geeignet – es sei denn, man nutzt es zur Anzucht und zum Vortreiben der Pflanzen. Dann wird solch ein Erdhaus gewissermaßen zum begehbaren Frühbeet. Optimal eignet sich das Erdhaus vor allem zum frostfreien Überwintern von Kakteen und anderen Sukkulenten, da nur wenig geheizt werden muss. Oder für Pflanzen, die mit wenig Licht auskommen, aber auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen sind. Zu dieser Gruppe zählen zum Beispiel viele Farnarten und Moose.

- Auch „Erdhaus“-Pflanzen müssen regelmäßig gegossen und gewässert werden. Deshalb muss das überschüssige Gieß- und Sickerwasser kontinuierlich und schadlos aus dem Erdhaus abgeleitet werden. Das gestaltet sich naturgemäß schwieriger als im freistehenden Gewächshaus, wo ein ebenerdiger Abfluss reicht.

Schließlich gilt es auch rechtliche Aspekte zu bedenken. Für ein bewohnbares Erdhaus braucht man auf alle Fälle eine Baugenehmigung. Inwieweit dies auch für ein teilweise in die Erde abgesenktes Gewächshaus gilt, sollte man beim zuständigen Ordnungs- oder Bauamt abklären lassen.